News

BDB-Boss Pütz: „Dann können wir dichtmachen“

Thomas Pütz, Präsident Bund Deutscher Berufsboxer (BDB)

Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), nimmt im BOXSPORT-Interview Stellung zu den Vorwürfen im Dopingfall Erkan Teper, spricht über die Degradierung des BDB durch die European Boxing Union (EBU) und erklärt, mit welchen Problemen der Verband beim Thema Dopingkontrollen zu kämpfen hat.

Herr Pütz, dem BDB steht Ärger ins Haus wegen des Dopingvergehens von Erkan Teper. Ihnen wird vorgeworfen, den Fall nicht bzw. nicht rechtzeitig publik gemacht zu haben. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?

Thomas Pütz: Wir haben nach den positiven Befunden bei Erkan Teper im Juni 2014 sowie im Juli 2015 den betroffenen Boxer, seinen Promoter, die Z-Promotion GmbH, und die NADA ordnungsgemäß informiert.

Aber nicht die EBU, worauf diese kürzlich mit einer Degradierung reagierte – der BDB ist nur noch ein vorübergehendes Mitglied in der EBU.

Eines vorweg: Mir ist nicht bekannt, dass dies Folgen haben wird. Wir haben in den letzten zwei, drei Jahren vielleicht drei Mal mit der EBU zusammengearbeitet. Ich habe kein Problem mit der EBU, lasse mich von denen aber auch nicht wie eine Sau durchs Dorf treiben.

Trotzdem steht der Vorwurf, die EBU nicht über den ersten Dopingbefund bei Teper im Juni 2014 informiert zu haben.

Die EBU damals nicht darüber informiert zu haben ist wohl der einzige Vorwurf, denn ich mir im Nachhinein gefallen lassen muss. Wir hatten Teper und Z-Promotion um Stellungnahmen zum positiven Befund der A-Probe gebeten, doch trotz Fristsetzung bekamen wir auf unsere Schreiben hin keine Antwort, so dass das Verfahren nicht abgeschlossen werden konnte. Folgerichtig haben wir Teper als Ersttäter gemäß unserer Satzung für sechs Monate gesperrt. Im Vorfeld hatte er seinen EBU-EU-Gürtel bereits freiwillig niedergelegt. In dem ganzen Hin und Her ist es dann untergegangen, die EBU darüber zu unterrichten. Damit ist uns bei dieser Formalie ein Fehler unterlaufen. Allerdings hätte man ja auch der NADA vorwerfen können, dass sie die EBU nicht informiert hat.

Nach dem EBU-Titelkampf im Juli 2015 gegen David Price gab es erneut einen Dopingbefund bei Teper. Darüber haben Sie die EBU unterrichtet, aber erst einige Monate später.

Wir haben nach dem Kampf gegen David Price erneut die NADA, den Boxer und den Promoter informiert und Boxer sowie Promoter um Stellungnahmen gebeten. Wieder ließen Teper und Z-Promotion Fristen verstreichen, worauf wir die EBU informierten, die Wertung des Kampfes annullierten und gegen Teper die Maximalstrafe von einem Jahr Sperre gemäß BDB-Satzung aussprachen. Das war am 9. Dezember und wenige Tage vor dem angesetzten EBU-Titelkampf zwischen Teper und Helenius. Für diesen Fight hätte Teper aber vom BDB ohnehin keine Erlaubnis erhalten, da sein Dopingfall ja noch ein laufendes Verfahren war. Insofern hat der BDB alles richtig gemacht.

Die EBU aber hat Teper daraufhin für zwei Jahre gesperrt, weswegen er bis Juli 2017 nicht um einen EBU-Titel boxen darf. Theoretisch kann er aber weiter um nationale wie internationale Titel anderer Verbände boxen. Ist das nicht absurd?

Ja, das ist es. Aber die Problematik liegt schon in der unterschiedlichen Handhabung von Dopingübeprüfungen. Die EBU führt überhaupt keine Kontrollen durch, sondern schiebt dies auf die nationalen Verbände ab. Der BDB unterwirft sich nicht dem Doping-Code der NADA, weil die Mehrzahl der Mitglieder dies nicht wünscht. Bedeutet: Nicht die NADA, sondern der BDB ist für Dopingkontrollen zuständig, das muss allen klar sein. Dennoch sind wir in Deutschland der einzige Verband im Profiboxen, der bei Kämpfen konsequent kontrolliert. Und das ist eine teure Angelegenheit, denn eine Probe, die überprüft wird, kostet insgesamt eintausend Euro. Der BDB gibt ohnehin fünfzig Prozent seiner Einnahmen für Dopingkontrollen aus, diesbezüglich kann man uns also nicht wirklich einen Vorwurf machen. 

Würde der BDB der NADA beitreten und nach deren Statuten handeln, müsste der Verband vermutlich höhere Gebühren und Beiträge von seinen Mitgliedern verlangen, um die entstehenden Kosten zu refinanzieren. Was wäre die Konsequenz?

Ich persönlich würde einen NADA-Beitritt befürworten. Aber selbst wenn wir es wollten, könnten der BDB zusätzliche, erforderliche Dopingkontrollen im Trainingsbetrieb nicht flächendeckend durchführen, weil uns dazu ganz einfach die finanziellen Mittel fehlen. Wir haben das einmal durchgerechnet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass dies 100.000 bis 150.000 Euro im Jahr zusätzlich kosten würde. Erhöhen wir dementsprechend die Gebühren, wäre ein massenhafter Austritt unserer Mitglieder die Folge, weil sie das nicht bezahlen wollen und können. Die Promoter würden dann mit jenen Verbänden veranstalten, die keine Dopingkontrollen bzw. Gebühren verlangen. Und dann können wir den Laden hier abschließen.

Tepers Promoter, die Z-Promotion GmbH, fordert dem Vernehmen nach Schadenersatz, vom BDB eine Million und von der EBU eine halbe Million Euro. Was sagen Sie dazu?

Z-Promotion ist der Meinung, der BDB hätte Teper zu Unrecht gesperrt. Tepers Promoter zweifelt das Testergebnis an, weil man anhand der geprüften Mengen in der A-Probe angeblich keine verlässlichen Ergebnisse erzielen könne. Sollte dies tatsächlich so sein, müsste man anhand der B-Probe, über die der BDB verfügt, auf die erforderliche Menge hin prüfen. Ich sehe das alles eher als Säbelrasseln an, zumal Z-Promotion die angesetzte Schadenshöhe erst beweisen muss. Auch wir als BDB lassen dies rechtlich prüfen. Hinzu kommt, dass Teper sich vor dem im Dezember angesetzten Kampf gegen Helenius angeblich verletzt und darauf seinen EBU-Titel niedergelegt hat. Da frage ich mich, woher Z-Promotion ernsthaft einen Schadenersatzanspruch ableiten will?

Haben Sie aufgrund der ganzen Vorwürfe und Kritik schon einmal darüber gedacht, von Ihrem Amt als BDB-Präsident zurückzutreten?

Ja, den Gedanken hatte ich in der Tat schon, habe dann aber von vielen Mitgliedern Zuspruch bekommen verbunden mit der Bitte, doch weiterzumachen. Ich kann die vielen Menschen, die in Deutschland Profiboxen auf höchstem Niveau durchführen wollen und dafür auf den BDB angewiesen sind, nicht einfach so im Stich lassen. Aber – auch das muss allen klar sein – ich klebe nicht an meinem Stuhl! Man darf ja nicht vergessen, dass es sich bei meiner Position um ein reines Ehrenamt handelt, das viel, viel Arbeit mit sich bringt und kostbare Lebenszeit verschlingt.

Interview: Frank Schwantes

Quelle: 

pa/dpa

Kontakt

Köln.Sport Verlag GmbH
Redaktion BoxSport

Schanzenstraße 36, Geb. 31
51063 Köln
Deutschland

Tel: +49 221 91 27 99 - 0
Fax: +49 221 91 27 99 - 129

E-Mail: redaktion@box-sport.de