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Wo bleibt der WM-Hype?

Regina Halmich BOXSPORT Kolumne

Erst einmal heißt es aufatmen im Sauerland-Stall. Arthur Abraham hat seinen WBO-Eliminator gewonnen und darf wieder vom Kampf um die Weltmeisterschaft träumen. Das war sehr wichtig. Doch wie geht es allgemein weiter mit dem Profiboxen im Deutschland? Nun, ich denke, es ist der richtige Ansatz, dass man die Amateure mit ins Boot holt und zusammenarbeitet.

Wenn die Profis mit den olympischen Boxern im Wechsel trainieren, kann dabei nur eine Win-Win-Situation entstehen. Man tauscht Erfahrungen aus und kann das Niveau vergleichen. Diese Art der Zusammenarbeit hätte schon vor Jahren stattfinden sollen, doch die Mühlen mahlen eben sehr langsam. Weil diverse Funktionäre und Promoter aus dem Profilager sich extrem schwertun, aufeinander zuzugehen und einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Die AIBA hatte es in Rio gut gemeint. Aber die Hürden für Profis, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, sind doch zu hoch. Von Knebelverträgen und komplizierten Klauseln war die Rede. Da muss noch einiges verbessert werden.

Jetzt sollten alle an einem Strang ziehen und sich überlegen, wie das Boxen in Deutschland auch in Zukunft eine Chance hat. Es ist zwar schön, dass Artem Harutyunyan bei Olympia eine Medaille erkämpft hat, aber für meinen Geschmack ist das zu wenig. Denn Box-Deutschland muss und kann sich bei den Olympischen Spielen noch besser präsentieren. Wir haben doch Potenzial! Offen gestanden schnitten wir im internationalen Vergleich in den letzten Jahren nicht besonders gut ab. Das muss man zur Kenntnis nehmen und gemeinsam überlegen, wie man es ändern kann.

Ein Schritt in die richtige Richtung ist die Ausrichtung der AIBA-Box-WM vom 25. August bis 3. September im Hamburg. Ich finde es klasse, dass die Stadt Hamburg in dieses Sport-Event investiert und sich präsentiert. Allerdings vermisse ich Werbung für die Box-WM.

Die WM gehört ins Fernsehen

Also, ich bin zwar Teilzeit-Berlinerin, aber ganz ehrlich: Ich habe von dem angeblichen Hamburg-Hype um die Amateur-WM noch nichts mitbekommen. Das ist echt noch nicht bis nach Berlin vorgedrungen, geschweige denn im gesamten Land angekommen.

Liebe Verantwortliche, da müsst ihr jetzt wirklich Gas geben. Und euch bewusst werden, dass so eine Chance nicht so schnell wiederkommt. Die finanzielle Unterstützung ist wichtig, aber auch die Medienpräsenz. Zu gerne würde ich die Kämpfe der AIBA-Box-WM im Fernsehen verfolgen. Doch ich befürchte, dass das nicht der Fall sein wird.

Ich will keineswegs schwarzmalen, im Gegenteil. Boxen funktioniert in Deutschland, das haben die starken Einschaltquoten beim Klitschko-Kampf wieder einmal gezeigt. Aber Amateurboxen ist kein Selbstläufer, es muss einfach mehr getan werden. Da wünsche ich mir auch etwas Mut von den TV-Sendern, die schon mit kleinen Vorberichten die WM in Hamburg unterstützen könnten. Es ist falsch, immer nur auf „fertige“ Titelträger zu setzen – man muss die Talente von morgen zeigen und bei der WM mitziehen.

Und wer weiß, vielleicht schafft es Hamburg ja, im Zuge der Heim-WM auch wieder eine Box-Hochburg zu werden, ähnlich wie zu Universum-Zeiten.

Es lebe der Boxsport!


In diesem Sinne, alles Liebe

eure Regina

 

Zur Person: Regina Halmich war von 1995 bis 2007 WIBF-Weltmeisterin im Fliegengewicht und lockte bei ihren Fights bis zu 9 Millionen Zuschauer vor die TV-Schirme. Bis heute verfolgt sie den Boxsport intensiv und ist regelmäßig als Expertin und Kommentatorin im Einsatz.

 

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Quelle: 

Foto: Claudio di Lucia

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