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Kalle Sauerland: „Man kann fast blind auswählen“

Kalle Sauerland über die World Boxing Super Series

Im zweiten Teil des Exklusiv-Interviews spricht Kalle Sauerland über die Teilnahmekriterien an der „World Boxing Super Series“, mögliche deutsche Starter und darüber, wie die vier großen Weltverbände zur neuen „Champions League“ des Boxens stehen.

Interview: Frank Schwantes

Herr Sauerland, welche Teilnahmekriterien müssen die Boxer erfüllen?
Eine Platzierung unter den Top-15 in einem der vier großen Weltverbände, Weltmeister oder Ex-Weltmeister. Und es dürften theoretisch auch Champions oder Ex-Champions aus den angrenzenden Limits Mittelgewicht oder Halbschwergewicht sein. Bei einer Gala Anfang Juli in Monte Carlo werden wir Details dazu bekanntgeben und die Teilnehmer vorstellen. Klar ist: Wir wollen die besten Boxer, die verfügbar sind, in das Turnier bringen.

Mikkel Kessler etwa war viele Jahre lang nicht mehr aktiv, gab aber kürzlich sein Comeback bekannt. Würde er als Ex-Weltmeister die Kriterien für die Teilnahme erfüllen?
Kessler würde die Kriterien als vierfacher Ex-Weltmeister erfüllen. Aber die endgültige Entscheidung, ob ein Kessler, Groves, Zeuge, Feigenbutz etc. ins Turnier gehen, liegt nicht bei mir. Ich werde bei der Bewerbungsphase einige Namen vorschlagen. Wir als Team Sauerland haben eine Minderheitsbeteiligung an der WBSS. Der WBSS-Vorstand wird am Ende eine Liste mit zwölf Namen erstellen, und die sportliche Leitung wird dann von diesen zwölf acht verpflichten.

Im Supermittel würden die Fans gerne WBA-Champion Tyron Zeuge, Arthur Abraham und Vincent Feigenbutz sehen.
Außerdem wäre Jürgen Brähmer als zweifacher Weltmeister ein Kandidat. Auch Boxer von anderen deutsche Boxställen sind natürlich eingeladen.

Warum fiel die Wahl ausgerechnet auf die Limits Supermittel Cruiser?
Der Vorstand hat sich so entschieden. Ich persönlich finde das Supermittelgewicht sehr spannend, da es in Europa zur Zeit für sehr, sehr gute Kämpfe sorgt. In diesem Limit boxen körperlich durchaus größere Jungs, die aber trotzdem extrem athletisch sind - für mich eine hervorragende Kombination. Das Cruisergewicht in die WBSS aufzunehmen, halte ich für eine äußerst spannende Entscheidung. Das ist ein wirklich brutales Limit. Man redet zur Zeit gerne über Gennady Golovkin, aber sein Limit, das Mittelgewicht, ist aktuell sehr schwach besetzt. Dagegen dürfte es im Cruiser nicht schwer werden, acht Top-Boxer zu finden. Aus den ersten 15 kann man fast blind auswählen, und es sind schon acht herausragende Boxer dabei.

Sollten Halbschwergewichtler wie Jürgen Brähmer oder Dominic Bösel bei dem Turnier starten, gehen sie entweder runter ins Supermittel- oder hoch ins Cruisergewicht?
Genau. Was wir allerdings ausschließen, ist ein Wechsel über zwei Gewichtsklassen. Da muss man immer aufpassen, wir reden hier über sehr viel Geld. Schaut man sich eine durchschnittliche Börse an und vergleicht diese mit unserem Angebot, ist das natürlich reizvoll für die Boxer. Aber wir werden keine Halbmittelgewichtler im Supermittel haben oder Cruiser im Supermittel. Catchweight gerne, aber nicht Double-Catchweight. Unser Sport ist schon körperlich herausfordernd genug.

Wie stehen die großen Weltverbände WBA, WBC, IBF und WBO zur WBSS?
Die Verbände verdienen im Turnier auf jeden Fall Geld bzw. sogar mehr, denn ihre WM-Gürtel sind gleichfalls im Spiel, weshalb dafür auch weiterhin Sanktionsgebühren fällig sind. Die einzige Sonderregelung: Wie schon beim Super Six können die Champions keine WM-Pflichtverteidigungen innerhalb des Turniers bestreiten. Für uns steht die „Muhammad Ali Trophy“ im Vordergrund, aber grundsätzlich ist jeder Gürtel in der WBSS willkommen. WM-Gürtel sind ein großer Teil unseres Sports, und das wollen wir nicht ändern.

Teil 1 des Interviews lesen Sie hier.

 

Mehr über die World Boxing Super Series lesen Sie auch im neuen BOXSPORT 07-08/2017 – ab 28. Juni am Kiosk.

Quelle: 

Imago/Eibner

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