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Kalle Sauerland: „Mit Muhammad Ali ausgehandelt“

Kalle Sauerland über die World Boxing Super Series

Im Interview mit BOXSPORT spricht Kalle Sauerland über die neue „World Boxing Super Series“ und erklärt die Hintergründe der „Champions League“ des Boxens, die im September starten soll. Hier Teil 1 des Exklusiv-Gesprächs.

Interview: Frank Schwantes

Herr Sauerland, wer hatte die Idee zur World Boxing Super Series (WBSS)?
Zunächst einmal ist nicht allein die Idee das, was die WBSS so besonders macht, sondern es ist vor allem die Konstellation der Partner. Wir vereinen globale Expertise aus den Bereichen Marketing, TV und Boxen. Mit der Idee zur WBSS haben wir uns schon seit dem „Super Six“ (2009-2011; Anm.d.Red.) beschäftigt, mit dem wir positive wie negative Erfahrungen gemacht hatten.

Wann wurde es mit dem Konzept zur WBSS konkret?
Vor vier Jahren, damals habe ich mich mit zwei guten Freunden ausgetauscht, die ebenfalls große Boxfans sind: Peter Nörrelund, Sportchef der skandinavischen Mediengruppe Modern Times Group, und Thomas Schmidt, der als Managing Director für den TV-Rechtehändler Team Marketing AG arbeitet. Wir fragten uns: Was kann man machen, damit im Boxsport auf fanfreundliche Art und Weise die Besten gegen die Besten antreten? Jede große Sportart hat ein Turnier. Wir wollten ein Äquivalent zu Wimbledon im Tennis, zur Tour de France im Radsport, zur UFC im MMA oder zur Formel 1 im Motorsport.

Im Profiboxen gibt es natürlich die WM-Gürtel der vier großen Weltverbände, und das soll auch so bleiben. Wir wollen der Box-Branche nichts wegnehmen, sondern ihr etwas geben. Wir wollen mit der WBSS auch keine Boxer übernehmen oder den Promotern schaden, ganz im Gegenteil. Vor allem der Sport soll von dieser „Champions League“ des Boxens profitieren. In diesem Zusammenhang freut es mich ganz besonders, dass die Familie von Muhammad Ali, der Namensgeber der Trophäe ist, hinter unserer Turnier-Idee steht. Dieser Deal wurde sogar noch mit Ali zu dessen Lebzeiten ausgehandelt.

Welche Funktion haben Sie bei der WBSS genau, und was sind Ihre Aufgaben?
Ich bin „Chief Boxing Officer“ und als solcher bei der Comosa AG, einem Event-Vermarkter aus Zürich, angestellt. Meine Funktion umfasst den sportlichen Bereich, d.h. ich werde unter dem Vorstand arbeiten, so ähnlich wie ein Sportdirektor im Profifußball. Am Ende sind „Chairman of the Americas“ Richard Schaefer (Comosa AG, d. Red.) und ich für die sportliche Seite verantwortlich, wobei sich Richard um die Geschäfte in Amerika kümmert.

Das Turnier ist 50 Millionen Dollar schwer und wird in den Limits Cruiser- und Supermittelgewicht ausgetragen. Wie werden die Gelder verteilt?
Der Betrag von 50 Millionen Dollar stellt das komplette Sportbudget dar. Zur Verteilung der Preisgelder für die Boxer werden wir uns in Kürze äußern.

Wenn Sie die WBSS mit dem Super Six vergleichen: Was sind die wesentlichen Unterschiede?
Insbesondere natürlich der Modus. Das Super Six war ein Gruppenturnier, jetzt aber haben wir ein K.o.-Turnier. Wer verliert, ist raus.

Was können Sie über die Dauer des Turniers sagen? Das Super Six dauerte ja damals mehr als zwei Jahre.
Das Super Six war ein Konzept, das ich damals an Showtime, ARD und Viasat verkauft hatte. Im Prinzip gehörte es damit diesen Sendern. Die damaligen Terminverschiebungen im Super Six hatten ganz oft kommerzielle Gründe. Die WBSS dagegen gehört keinem Sender, sondern dem unabhängigen Schweizer Unternehmen Comosa AG. Dieses wird im Sinne des Turniers entscheiden - wie ein übergeordneter Organisator, vergleichbar mit UEFA oder FIFA. Und wenn ein Boxer verletzt ist und nicht antreten kann, gibt es stets einen Reserveboxer. Heißt: Fällt zum Beispiel ein deutscher Boxer aus, wird er auch durch einen deutschen Ersatzmann im Ring vertreten. Außerdem produziert die Comosa AG alle Kämpfe selbst, so dass die Serie ein einheitliches TV-Bild bekommt mit sehr viel zusätzlichen Inhalten für die Sender.

Damit wäre auch denkbar, dass ein Deutscher gegen einen US-Amerikaner boxt und dieser Kampf dann in Deutschland stattfindet?
Absolut. Es muss natürlich entsprechende Topleute in Deutschland geben, aber in diesen Gewichtsklassen ist das der Fall. In Deutschland mangelt es derzeit an Weltmeistern, aktuell hält nur Tyron Zeuge einen solchen Titel. Wenn die WBSS nun einen neuen deutschen Champion hervorbringen würde, wäre das natürlich sensationell.

Teil 2 des Interviews lesen Sie morgen.

 

Mehr über die World Boxing Super Series lesen Sie auch im neuen BOXSPORT 07-08/2017 – ab 28. Juni am Kiosk.

 

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