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Klitschko: Zwischen Ego und Einsicht

Klitschko lieferte Joshua einen starken Fight

Als lebende Legende abtreten oder noch einmal ins Risiko gehen und ein Rematch gegen Anthony ­Joshua bestreiten? BOXSPORT hat sich in der Szene umgehört, welche ­Entscheidung für Wladimir Klitschko die ­richtige ist.

Vitali Klitschko kann die Niederlage seines „kleinen“ Bruders nur langsam verarbeiten. Der 45-jährige Ukrainer sekundierte am 29. April wie immer bei den Kämpfen Wladimirs in dessen ­Ringecke und ­versuchte, ihm im Fight gegen ­Anthony Joshua zu helfen, so gut es ging. Das Ergebnis ist bekannt, das „Duell der Generationen“ gewann der Brite letztlich durch Technischen K.o. in Runde  elf. 
„Ich trage Mitschuld an der Niederlage meines Bruders“, ließ Vitali auf dem Portal „Boxingscene“ verlauten. „Als Wladimir Joshua fast ausgeknockt hatte, gab ich die falsche Anweisung.“ Denn der frühere WBC- und WBO-Weltmeister war der festen Überzeugung, dem muskelbepackten Engländer würde spätestens in Runde sieben oder acht die Puste ausgehen. „Ich habe Wladimir geraten, nichts zu überstürzen. Heute denke ich, dass es vielleicht ein Fehler war“, bilanzierte Vitali. „Aber wie ­immer seine Entscheidung ausfällt – ich werde ihn unterstützen.“

Und mit dieser „Entscheidung“, ob Rematch gegen Joshua oder nicht, lässt sich Wladimir Zeit. „Ich nehme mir die Zeit, bis ich ankündige, was ich tue, was mein nächster Schritt ist“, sagte der 41-Jährige Anfang Juni in Hamburg bei einer Promotion-Veranstaltung. Vorbild sei Kanzlerin Angela Merkel und deren Motto, schwierige Entscheidungen erst nach reiflicher Überlegung zu treffen. Nur so könne das „Gefühl“ für den richtigen Entschluss reifen. Klitschkos „Politik der kleinen Schritte“ ist durchaus verständlich. Soll er gegen den 14 Jahre jüngeren Champion ­Anthony Joshua noch einmal alles auf eine Karte setzen? Sich noch einmal all die Entbehrungen eines knüppelharten Trainingslagers zumuten? Ist der Ruhm eines möglichen Triumphes das Risiko wert, den durch die bravouröse Leistung von Wembley erkämpften Status als wandelndes Faustkampf-Denkmal aufs Spiel zu setzen?

Fakt ist: Klitschko lieferte in Wembley eine der besten Leistungen seiner mehr als 20 ­Jahre dauernden Profikarriere ab. Das weltweite Interesse an einem ­Rematch der beiden ist riesengroß. Finanziell dürfte ein zweites ­Duell für Wladimir noch ­lukrativer sein als das ­erste, das ihm schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Euro ­einbrachte. Und: Mit einem Sieg gegen ­Joshua würde sich Klitschko im ­Pantheon der Box-Legenden ­einen Platz in der absoluten Loge sichern, den bisher nur ganz wenige Schwergewichtler reserviert haben. Das Risiko, das Klitschko mit einer Revanche gegen den neuen Superstar Joshua eingehen ­würde, ist allerdings beträchtlich. Verliert „Dr. Steelhammer“ auch das Rematch, wäre es ­seine dritte Niederlage in Folge. Es entstünde der Eindruck, er habe sich selbst überschätzt und viel zu spät die Karriere beendet. Ali, Tyson, ­Holyfield und Co. sind warnende Beispiele.

„Das können natürlich nur er und sein Team entscheiden. Aber vom sportlichen Standpunkt aus –
und so wie der ­erste Kampf gelaufen ist – würde ich den Rückkampf machen“, rät ­Ulli Wegner. Dann wirft die Trainer-Ikone ein gewichtiges Argument in die Waagschale: „Er hat doch gesehen, dass er die Chance hat, ­Joshua zu schlagen.“

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