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Kommentar: Wladimir geht – sein Vermächtnis bleibt

Wladimir Klitschko BOXSPORT Rücktritt Kommentar

Von BOXSPORT-Chefredakteur Frank Schwantes

Wladimir Klitschko hat für seinen Rücktritt einen Zeitpunkt gewählt, der viele überrascht. Ein Rematch gegen seinen Bezwinger Anthony Joshua, dem er Ende April in London unterlag, schien bereits in trockenen Tüchern. Joshua und sein Promoter Eddie Hearn sprachen bis gestern vom 11. November als möglichen Rückkampf-Termin, als Austragungsort war das Box-Mekka Las Vegas favorisiert.

Doch Klitschko wird nicht antreten, und das enttäuscht vor allem jene, die nach drei langen Monaten des Wartens auf eine Fortsetzung seiner Karriere gehofft hatten. Die Kritiker werden dem „Steelhammer“ vorwerfen, sich der Herausforderung, erneut gegen Joshua anzutreten, nicht gestellt zu haben.

Andere wiederum werden bemängeln, dass Wladimir Klitschko die Box-Bühne mit zwei Niederlagen verlässt. Keine Frage, ein solcher statistischer Makel haftet vielen ehemaligen Box-Größen an, weil sie es versäumt haben, beizeiten die Boxhandschuhe an den Nagel zu hängen.

Doch solche Vorwürfe gegenüber Klitschko sind nicht fair. Er hat sich nach dem Debakel im November 2015 gegen Tyson Fury der größtmöglichen Herausforderung gestellt, indem er Anthony Joshua boxte. Die mitreißende Leistung, die der 41-Jährige dabei Ende April ablieferte, verschaffte ihm viel Anerkennung und Respekt.

Überhaupt gilt es festzuhalten, dass sich Wladimir Klitschko in seiner fast 21-jährigen Profikarriere stets den größten Herausforderungen gestellt hat. Und die bittersten Niederlagen hat er in seiner Laufbahn schon viel früher einstecken müssen. Niederlagen gehören zum Leben, da verhält es sich bei einem Boxer nicht anders. Somit ist der Entscheidung Klitschkos, nach 69 Profikämpfen nicht mehr in den Ring zurückzukehren, mit Respekt zu begegnen.

Vermissen werden ihn die Fans dennoch. Denn Klitschkos Kämpfe waren stets mehr als sportliche Auseinandersetzungen im Ring. Sie waren Ereignisse, nicht nur für die Zuschauer in den Hallen und Stadien vorort, sondern für Millionen von Fans vor den Fernsehgeräten in Deutschland und auf der ganzen Welt.

Olympiasieg bei den Amateuren 1996, Profi-Europameister 1999, Weltmeister im Schwergewicht von 2000 bis 2003 sowie von 2006 bis 2015; 69 Kämpfe mit 64 Siegen, davon 54 vorzeitig. Und der Rekord von 29 WM-Kämpfen im Schwergewicht: Die beeindruckende Ära von Wladimir Klitschko endet mit dem heutigen Tag.

Was bleibt, ist ein Vermächtnis, wie es nur wenige Boxer in den letzten Jahrzehnten hinterlassen haben.

Quelle: 

Foto: GettyImages

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