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Zur „Krise“ im deutschen Boxen: Neuanfang statt Abgesang

Ratlos in der Ecke - Huck während des Kampfes gegen Briedis

Kommentar von Frank Schwantes

Zugegeben, die Art und Weise, wie Marco Huck am Samstag im WM-Duell gegen Mairis Briedis verloren hat, enttäuschte. „Boxen vor dem K.o.“ – diesen Abgesang wählt BILD heute auf seiner Homepage.

Ich aber halte das für überzogen. Hucks Scheitern löst in mir nicht die Befürchtung aus, dass das deutsche Profiboxen sportlich gesehen jetzt näher am Abgrund steht als vorher.

Denn wer sich hintergründiger mit diesem Sport beschäftigt, den überrascht kaum, dass sowohl Jack Culcay wie auch Huck gegen hochklassige Gegner ihre WM-Titel verloren haben. Deutsche Champions haben gegenwärtig nur selten das Niveau, mit der internationalen Spitze mithalten zu können – das muss man wohl oder übel akzeptieren.

Eine Talsohle aber ist nicht das Ende für eine Sportart. Schon der deutsche Fußball hat eine solche hinter sich gebracht, bis das Trainerduo Klinsmann/Löw mit frischem Schwung einen erfolgreichen Neuaufbau einleitete.

Die Frage ist: Wie bzw. wem kann das im Profiboxen gelingen? Dazu müssen sich vor allem Promoter, Manager und Fernsehsender etwas einfallen lassen, wollen sie das Boxen weiter als TV-Hochglanzprodukt erhalten. 

Blenden wir einmal das ganze WM-Gehabe aus, so gibt es durchaus Fights, die die Fans begeistern. Wie das Duell Ilbay vs. Frank im Vorprogramm der letzten Zeuge-WM, für manche sogar einer der besten Kämpfe des Jahres. Hinzu kommt, dass die nächste Generation mit Jung-Profis wie Leon Bauer, Vince Feigenbutz, Leon Bunn oder Denis Radovan eine erfolgreiche werden kann.

Warum denn nicht eine nationale Top-Veranstaltung aufziehen, zum Beispiel im Supermittelgewicht – statt ständig verbissen irgendwelchen internationalen Titeln hinterherzujagen? In einem nationalen Turnier könnten Top-Leute wie Zeuge, Abraham, Feigenbutz, Krasniqi, Doberstein oder Radovan gegeneinander antreten. Einschaltquoten wie bei der WM Culcay vs. Andrade (350.000) sollten für die TV-Sender dabei allemal drin sein.

Und vielleicht birgt auch die neu geplante Muhammad-Ali-Trophy, ein internationales Boxturnier unter der Mitwirkung von Kalle Sauerland, künftig eine neue Chance für deutsche Profiboxer.

Deshalb gilt: Mutig sein. Neue Wege beschreiten. Spannende Konzepte aufziehen  – das scheint im deutschen Profiboxen jetzt gefragt. Dann kann es nur besser werden.

Quelle: 

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