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Marco Huck: Kampf um die Karriere

Marco Huck verlor sein WM-Duell gegen Mairis Briedis

Der schwache Auftritt bei der WM-Niederlage gegen Mairis Briedis stellt Marco Huck vor etliche Probleme: Gewichtsklasse, Trainer, Fernsehsender – nichts scheint beim Berliner Cruisergewichtler derzeit sicher …

Text: Frank Schwantes

Auch ein Weltmeister-Coach kann mal danebenliegen. Als Ulli Wegner vor wenigen Wochen seinem Ex-Schützling Marco Huck am Rande eines Pressetrainings in Berlin einen Besuch abstattete, sagte er: „Der WM-Kampf gegen Mairis Briedis wird hochinteressant und schwer, aber Marco wird ihn mit all seinen Qualitäten siegreich beenden.“

Wegner weiß, dass es anders kam. Marco Huck verlor am 1. April sein Duell gegen dem starken Letten aus Riga klar nach Punkten. Nicht nur das: Der Berliner Cruisergewichtler verpasste die große Chance, sich den prestigeträchtigen WM-Gürtel des WBC zu holen, ferner verlor er auch seinen WM-Titel der IBO an Briedis. „Ein Totalausfall“, sagt BOXSPORT-Experte Rüdiger May. „Marcos Vorstellung im Ring gegen Briedis war desolat. Es war nichts zu sehen von seinen sonstigen Stärken, seinen überfallartigen Angriffen.“

Es war inzwischen weit nach Mitternacht in der Dortmunder Westfalenhalle, als Huck bei der Pressekonferenz über die Gründe für seine schwere Niederlage sinnierte: „Vielleicht war der Druck zu groß. Ich war körperlich robuster, aber ich kam nicht zum Zug. Manchmal gibt es Tage, da klappt nichts. Heute war so ein Tag. Das ist Sport.“ Doch der „Käpt’n“ erklärte kämpferisch: „Ich bin ein Krieger, werde zurückkommen und mir wieder einen Titel holen.“

Fragt sich nur, welchen. Denn die Champions im Cruisergewicht – ob Mairis Briedis (WBC), Murat Gassiev (IBF), Denis Lebedev (WBA-Super) oder Oleksandr Usyk (WBO) – warten nicht gerade auf Marco Huck. Es scheint, als würde das Big Business im Limit bis 90,72 Kilogramm vorerst ohne den 32-Jährigen stattfinden.

Für Huck gilt es in nächster Zeit, seine Karriere zu retten. Was also tun? „Er sollte sich im nächsten Kampf neues Selbstvertrauen holen“, betont Rüdiger May. „Und statt sich in die Warteschlange für einen WM-Kampf im Cruisergewicht zu stellen, um eventuell Gegner für eine freiwillige Titelverteidigung zu werden, empfehle ich ihm, den EM-Titel in Angriff zu nehmen.“

Laut Homepage der European Boxing Union (EBU) war der Titel in Hucks Limit vakant. Als offizielle „Challenger“ wurden dort zuletzt (Stand: März 2017) Geoffrey Battelo und Yves Ngabu gelistet. Bei „boxrec.com“ rangieren die beiden Belgier nur auf Platz 32 beziehungsweise 27.

„Kein Schwergewichtler“

Dass Huck im Anschluss an seine Niederlage von einem Wechsel ins Schwergewicht sprach („Das Cruisergewicht ist die derzeit dominierende Gewichtsklasse, im Schwergewicht ist es im Moment sicherlich leichter“), sieht May eher kritisch. Zum einen sei Huck aufgrund seiner Konstitution kein Schwergewichtler, glaubt der Experte. „Die Voraussetzung, auch in der Königsklasse Topleistungen zu bringen, ist nur wenigen Cruisergewichtlern gegeben“, meint der 42-jährige Ex-Profi. „Evander Holyfield etwa war solch eine Ausnahmeerscheinung.“
Huck sei dagegen ein natürlicher Cruisergewichtler, die absolute Weltspitze im schwereren Limit traut er ihm nicht zu. „Das Schwergewicht ist mittlerweile wieder stark besetzt, gegen Topleute wie Anthony Joshua, Deontay Wilder oder Joseph Parker hätte Marco keine Chance.“

Nicht nur das Limit, auch die Trainer-Situation stellt sich beim gebürtigen Serben als diskussionswürdig dar. Seit Huck vor zweieinhalb Jahren das Team Sauerland und Trainer Wegner verließ, hatte er vier verschiedene Coaches. Oktay Urkal, der sechs Wochen vor dem Kampf gegen Briedis übernahm, scheiterte ebenso wie seine Vorgänger. Dem früheren Stallgefährten von Huck kann man aber kaum einen Vorwurf machen – zu kurz war die gemeinsame Vorbereitungszeit. „Um Taktik und Arbeitsweise eines neuen Coaches zu verinnerlichen, braucht ein Boxer mindestens ein halbes bis ein dreiviertel Jahr“, weiß May.

Nach Hucks WM-Pleite gegen Krzysztof Glowacki (August 2015) fand das Intermezzo mit Coach Don House ein jähes Ende. Dem US-Amerikaner folgte das Gespann Conny Mittermeier und Varol Vekiloglu – bis Mittermeier elf Tage vor dem Fight gegen Ola Afolabi gehen musste. „Das geht gar nicht, so was kann man nicht machen“, schimpfte Sauerland-Chefcoach Ulli Wegner. „Marco braucht jemanden mit Autorität, der ihm in den Hintern tritt.“

Wegner als Lösung?

Für den Fight gegen Dmytro Kucher (November 2016) trug Vekiloglu dann die alleinige Verantwortung, ehe Urkal dann am 20. Februar das Kommando in der Ringecke übernahm und Vekiloglu als Konditionscoach wieder ins zweite Glied rückte.

Doch auch Oktay Urkals („Ich weiß nicht, warum Marco nicht so frisch war“) Cheftrainer-Rolle beim „Käpt’n“ ist nach dem WM-Aus mehr als ungewiss. „Da ist ein Coach gefragt, mit dem die Chemie stimmt“, sagt BOXSPORT-Experte May, „einer, dem Huck es auch abkauft und dem er vertraut.“

Klingt alles schwer nach Ulli Wegner. „Er kann alle möglichen Experten holen, die werden ihn alle nicht in den Griff kriegen“, knurrt der 75-Jährige. Ob Wegner den Sauerland-Stall für das „Risiko“ Huck verlässt, erscheint jedoch fraglich. Zumal dem Cruisergewichtler ein weiteres Problem bevorsteht. Denn die Partnerschaft des Ex-Champions mit TV-Sender RTL ist durch die jüngste Pleite arg ins Wanken geraten.

Auch wenn sich der Kölner Privatsender zu einer künftigen Zusammenarbeit mit Marco Huck nicht äußern möchte, ist es ein offenes Geheimnis, dass RTL bei seinen Box-Events ein gewisses Niveau einfordert. Dieses erfüllt Huck aktuell nicht. Und das trifft auch auf die letzten Einschaltquoten (beim Briedis-Kampf schalteten im Schnitt 3,17 Mio. Zuschauer ein) zu.

„Manchmal bekommt man nicht das, was man will, weil man etwas Besseres verdient hat“, postete der gescheiterte WM-Kämpfer eine Woche nach seiner Niederlage bei Facebook. Was zeigt: Marco Huck hat zumindest seinen Optimismus nicht verloren.

 

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Quelle: 

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