News

Oleksandr Usyk: „Ein bisschen von Ali schlummert auch in mir“

Oleksandr Usyk besiegte zuletzt Michael Hunter

In der Max-Schmeling-Halle will WBO-Weltmeister Oleksandr Usyk (12-0, 10 K.o.) am 9. September seinen Titel gegen Marco Huck (40-4-1, 27 K.o.) erfolgreich verteidigen. Ein Sieg bedeutet gleichzeitig den ersten Schritt in Richtung Gewinn der „Muhammad Ali Trophy“ und den Einzug ins Halbfinale der „World Boxing Super Series“. Welche Verbindung der 30-jährige Ukrainer zum „Größten Boxer aller Zeiten“ hat und wieso er Huck zu seinen härtesten Kontrahenten im Teilnehmerfeld zählt, verrät er hier im Interview.

Oleksandr Usyk, Sie konnten als Nummer 1 der Setzliste Ihren Gegner für das Viertelfinale frei auswählen. Wieso haben Sie sich für Marco Huck entschieden?

Oleksandr Usyk: Das haben meine Fans über die sozialen Medien für mich so entschieden. Ich hatte ihnen vor der Draft Gala in Monaco die Frage gestellt, wen ich auswählen solle und über 67 Prozent sprachen sich für ein Duell gegen Huck aus. Ich kann sie verstehen, denn Marco Huck ist der berühmteste und prestigeträchtigste Gegner, den ich hätte wählen können. Ich wollte schon vor knapp zwei Jahren gegen ihn boxen. Damals war er noch der WBO-Weltmeister. Huck fürchtet nichts und niemanden und geht für den Sieg durchs Feuer. Er marschiert ständig nach vorn und versucht den Kampf mit allen Mitteln für sich zu entscheiden. Eine attraktivere Paarung kann ich mir für Boxenthusiasten nicht vorstellen.

Und wie wollen Sie diesen „Teufelskerl“ besiegen?

OU: Ich habe eine speziell auf ihn ausgerichtete Taktik. Das ist notwendig, denn in meinen Augen zählt er zu meinen härtesten Konkurrenten in diesem Feld. Aber wieso soll ich jetzt darüber reden und Huck einen Vorteil geben, den er nicht verdient? Das Überraschungsmoment liegt momentan auf meiner Seite und diesen Trumpf werde ich mit in den Ring nehmen. Huck genießt übrigens auch einen Vorteil, denn er boxt daheim vor seinem Publikum. Das macht ihn mit Sicherheit noch stärker. Ich liebe diese Herausforderung.

Zumindest ist bekannt, dass Sie Ihre Vorbereitung in den Karpaten absolvieren und das nicht zum ersten Mal. Warum?

OU: Daran ist Wladimir Klitschko schuld (lacht). Ich habe ihn zweimal in seinem Trainingslager in Österreich unterstützt, wo ich mich parallel auf meine eigenen Kämpfe vorbereitete. Beim zweiten Mal fragte ich meinen Coach, wieso wir nicht ein ähnliches Trainingscamp daheim in der Ukraine absolvieren – schließlich gibt es in meiner Heimat ähnlich gute Bedingungen. Seitdem bereite ich mich auf jeden Fight, der in Europa stattfindet, hier vor. Es handelt sich um ein sehr modernes Wintersport-Ressort, in dem ich auch schon einmal gerne Urlaub mit meiner Familie und Freunden mache. Es ist für mich zu einem zweiten Zuhause geworden.

Können Sie uns eine ganz bestimmte Einheit verraten, die man nirgendwo sonst besser ausüben kann und die Sie ganz besonders fordert?

OU: Ja, die gibt es. Ich nenne sie „Die drei Hügel“ und sie treibt mich regelmäßig an meine körperlichen Grenzen. Es handelt sich um spezielle Bergläufe in drei verschiedenen Kategorien, die einen immer stärker belasten. Die steilste Variante hochzulaufen fühlt sich für mich so an, als ob mein Herz jeden Moment rausspringt. Ein besseres Konditionstraining kann es für mich nicht geben.

Unabhängig von Ihrem Kampf gegen Marco Huck: Was halten Sie von der Idee der WBSS und sind Sie stolz daran teilzunehmen?

OU: Mehr als das. Ich kann mir nach dem Olympiasieg meinen nächsten Traum erfüllen und Weltmeister aller Verbände werden. Ich hatte mir schon zuvor Gedanken gemacht, wie es möglich wäre, dieses Ziel zu erreichen. Zu meinem Glück hat sich jetzt die Tür dorthin auf diesem Weg geöffnet. In diesem Turnier trifft die absolute Weltspitze aufeinander und der Sieger kann sich zu Recht als der beste Cruisergewichtler der Welt bezeichnen lassen. Von befreundeten Weltklasse-Boxern aus anderen Gewichtsklassen habe ich gehört, dass sie neidisch sind, weil sie nicht die Chance auf die Muhammad Ali Trophy bekommen.

Und was bedeutet Ihnen im Besonderen Muhammad Ali, der postum Schirmherr für dieses Turnier ist?

OU: Ich bewundere Ihn, denn er ist das größte Vorbild, das es im Boxsport gibt. Wie er mit der Presse umging, ist einmalig. Einmal wurde er gefragt, was er nach seiner Karriere machen würde. Antwort: „Ich werde mich darauf vorbereiten, eines Tages Gott zu treffen.“ Unsere Zeit auf der Erde ist begrenzt – daraus sollten wir das Beste machen. Nicht nur für uns, sondern für die Allgemeinheit. Ein bisschen von Ali schlummert auch in mir, immerhin bin ich am gleichen Tag wie er geboren. Ich bin einfach prädestiniert, diesen Wettstreit für mich zu entscheiden!

Quelle: 

Foto: Imago/ZUMA Press

Kontakt

Köln.Sport Verlag GmbH
Redaktion BoxSport

Schanzenstraße 36, Geb. 31
51063 Köln
Deutschland

Tel: +49 221 91 27 99 - 0
Fax: +49 221 91 27 99 - 129

E-Mail: redaktion@box-sport.de