News

Ich schreibe Wladimir nicht ab!

Regina Halmich BOXSPORT Kolumne

In Ihrer BOXSPORT-Kolumne „Infight“ nimmt Regina Halmich kein Blatt vor den Mund. Hier könnt ihr lesen, was die ehemalige Box-Queen zu sagen hat …

Der anstehende Kampf zwischen Wladimir Klitschko und Anthony Joshua wird eines der Highlights des Jahres, davon bin ich überzeugt. Dieses Duell ist seit Langem wieder eine hochklassige Ansetzung im Schwergewicht und wird sicher attraktiver als ein Rückkampf zwischen Klitschko und Tyson Fury, der mit seinen boxerischen und emotionalen Schwankungen unberechenbar bleibt.

Joshua dagegen bringt alles mit und ist amtierender IBF-Weltmeister. Wenn er sich mental stark präsentiert und sich im Vorfeld nicht von dem ganzen Medien-Hype aus der Ruhe bringen lässt, kann er es schaffen. Die nötige Schlagkraft für einen Sieg hat er zumindest. Die Frage- lautet,- ob für den 27-jährigen Engländer ein Kampf gegen Wladimir nicht etwas zu früh kommt. Die große Erfahrung, vor allem in wichtigen Titelfights, spricht eher für „Dr. Steelhammer“.

Wladimir und ich kennen uns schon sehr lange. Es war 1996, als er und sein Bruder Vitali zum Universum-Stall stießen. Ich erinnere mich sogar an einen meiner Kämpfe zu dieser Zeit, als Wladimir in meinem Vorprogramm boxte. Inzwischen hat er die unglaubliche Zahl von 68 Profikämpfen erreicht.

Lange Ring-Abstinenz

Allerdings, wenn der Fight am 29. April im Londoner Wembley-Stadion steigt, ist es fast siebzehn Monate her, dass Wladimir zuletzt im Ring aktiv war. Zweifelsohne eine sehr lange Zeit für einen Profiboxer, denn auch monatelanges Training kann einen Kampf nicht ersetzen.

Und das ist der Punkt, der mich brennend interessiert: Wie gut ist Wladimir momentan drauf? Das ist die Frage, die Experten wohl am meisten beschäftigt und die sie doch am wenigsten einschätzen können.

Ich jedenfalls möchte Wladimir nicht abschreiben. Denn er hat immer dann die besten Kämpfe gemacht, wenn er zuvor nicht überzeugend geboxt hat. Letzteres war gegen Fury der Fall. Diese desaströse Niederlage bleibt Wladimir sicher bis heute im Gedächtnis.

Aber genau das kann einen Boxer motivieren. Ich habe einmal eine ähnliche Situation erlebt. Das war 2005, als es zum Rückkampf gegen die US-Amerikanerin Elena Reid kam. Ich hatte ein Jahr zuvor ein eher schmeichelhaftes Unentschieden gegen sie erreicht, weil ich die Aufgabe damals unterschätzt und dabei nicht gut geboxt hatte. Umso motivierter war ich, als es zum Rematch kam. Dieser Druck hat mich unheimlich motiviert, und ich konnte das zweite Duell gegen Reid gewinnen.

Ähnliches erwarte ich bei Wladimir, denn er hat selbst erklärt, dass er aufgrund seiner Erfolge in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit im Ring ein wenig verloren hat. Das hat sich gegen Fury gerächt. Aber ich bin fest überzeugt, dass Wladimir gegen Joshua umso motivierter zu Werke geht und er eine gute Leistung zeigen wird.

Das Medien- und Fan-Interesse an diesem Generationen-Duell wird gigantisch sein, da sind auch in Deutschland endlich wieder einmal TV-Einschaltquoten im zweistelligen Bereich möglich. Dieser Kampf wird dem Boxen generell guttun und zeigen, dass es eine wunderbare Sportart ist, die die Massen begeistern kann.

Ich jedenfalls freue mich darauf.

In diesem Sinne, alles Liebe
eure Regina


Zur Person: Regina Halmich war von 1995 bis 2007 WIBF-Weltmeisterin im Fliegengewicht und lockte bei ihren Fights bis zu 9 Millionen Zuschauer vor die TV-Schirme. Bis heute verfolgt sie den Boxsport intensiv und ist regelmäßig als Expertin und Kommentatorin im Einsatz.

 

Die Kolumne von Regina Halmich lesen Sie regelmäßig in BOXSPORT – die aktuelle Ausgabe gibt's jetzt am Kiosk!

Quelle: 

Foto: Claudio di Lucia

Kontakt

Köln.Sport Verlag GmbH
Redaktion BoxSport

Schanzenstraße 36, Geb. 31
51063 Köln
Deutschland

Tel: +49 221 91 27 99 - 0
Fax: +49 221 91 27 99 - 129

E-Mail: redaktion@box-sport.de