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News

Alexander Krassyuk: Usyk ist wie Muhammad Ali

Alexander Krassyuk: Usyk ist wie Muhammad Ali
Alexander Krassyuk: Usyk ist wie Muhammad Ali

Alexander Krassyuk ist der Promoter von Oleksandr Usyk (18-0, 13 K.o.). Usyk, ehemaliger Undisputed Champ im Cruisergewicht, stieg ins Schwergewicht auf, besiegte dort 2019 Chazz Witherspoon und 2020 Dereck Chisora. Am 25. September steht er als WBO-Pflichtherausforderer vor der ganz großen Chance: Einem Kampf gegen Dreifach-Champ Anthony Joshua (24-1, 22 K.o.), Weltmeister nach Version der WBA (Super), IBF und WBO. Im Exklusiv-Interview mit BOXSPORT spricht der Promoter, der für die Klitschko-Firma K2 Promotions Ukraine arbeitet, über Rematch-Klauseln, die Starpower seines Schützlings und den Griff nach den Box-Sternen.

Usyk war Undisputed Champ im  Cruiser. Kann er das im Schwergewicht schaffen? Mit drei Kampf gegen den Dreifach-Champ Anthony Joshua hat er ja schon eine gute Chance.

Exakt. Wir wären nie ins Schwergewicht aufgestiegen, wenn wir nicht komplett an den Erfolg glauben würden. Usyk hat im Cruisergewicht alles erreicht, was möglich war, er hat alle Gürtel gesammelt und diese in Manchester gegen Tony Bellew verteidigt. Es gab dort nichts mehr für ihn zu erreichen. Also hat er sich eine neue Herausforderung gesucht und ist aufgestiegen. Jetzt arbeitet er an seinem nächsten Ziel. Es ist für ihn kein Traum, sondern einfach das nächste Ziel: Erst mehrfacher Weltmeister, dann Undisputed Champion zu werden. Es ist erst sein dritter Kampf im Schwergewicht und schon tritt er dort gegen den König an. Warum er erfolgreich sein wird? Weil das seine Einstellung ist. Er hat die Attitüde eines erfolgreichen Menschen. Er glaubt an sich, wird von seiner Familie unterstützt. Alles, was er tut, macht er mit dem Gedanken an den Erfolg in seinem Kopf.

Als Usyk gegen Dereck Chisora gewann, waren nicht alle Experten von seiner Performance überzeugt, sagten, dass ihm die Power gefehlt habe. Wie schätzen Sie diesen Kampf in der Rückschau ein?

Jeder neue Kampf ist anders als der vorige. Manchmal kann man sich aus irgendeinem Grund nicht so gut wie sonst verteidigen. Schauen Sie sich nur Tyson Fury an, als er gegen Otto Wallin gekämpft hat. Er hat sich den Cut zugezogen und beinahe den Kampf verloren. Und Otto Wallin gehört nicht zu den Top-Leuten im Limit. Das passiert also manchmal.
Für Usyk war es der erste große Test im Schwergewicht. Dereck Chisora ist ein echtes Tier, ein Biest. Er weiß, was er tut, mit Tonnen von Erfahrung. Er ist sehr talentiert und geht strategisch vor. Er hatte sich eigentlich die richtige Strategie für diesen Fight zurechtgelegt, doch Usyks Kraft, seine Schnelligkeit und seine Ringintelligenz haben ihn zum Sieg in diesem Kampf geführt. Es sah nicht wie ein vollkommen überzeugender Sieg aus, aber Chisora ist ein erfahrener Gegner. In fünf Jahren wird sich keiner mehr daran erinnern, wie es genau zu dem Sieg kam, nur an die Fakten, wer der Sieger und wer der Verlierer war.

Wie stellen Sie sich auf den AJ-Fight ein? Joshua scheint ja gravierende Änderungen an seinem Stil und seiner Körperform für den Kampf vorgenommen zu haben.

Die Nachricht, dass AJ deutlich schlanker in den Kampf geht, war eine gute für Usyk. Als die Leute über AJ vs. Usyk sprachen, da hieß es immer, dass Joshuas Gewicht der große Vorteil wäre, und nun hat er sich diesen Vorteil selbst genommen. Ich weiß nicht, wie sich das an der Waage ausdrückt, aber der Verlust von Gewicht, der Verlust von Muskeln ist klar. Er will mehr ein Boxer sein, weniger ein Puncher. Aber genau das wollten wir. Die Leute werden die Strategie dahinter sehen. Usyk hat einen tollen Job gemacht, als er sich im April und Mai hart beim Training gefordert hat, als es keine Sicherheit hatte, ob es überhaupt zu dem Kampf kommt. Er hat sich zu einem waschechten Schwergewicht trainiert. Wenn man ihn jetzt sieht, wird man nicht zögern, ob er ein Cruiser- oder Schwergewichtler ist. Man wird einen hundertprozentigen Schwergewichtsboxer sehen.

Es wurde von einer Rematch-Klausel im Vertrag berichtet. Können beide Parteien diese gleichberechtigt ziehen oder hat Joshua als Champ Vorteile?

Die Rematch-Klausel ist einseitig. Wenn Usyk gewinnt, kann AJ die Rematch-Klausel ziehen; wenn Usyk verliert, gibt es kein Rematch. Wir waren sehr zuversichtlich, als wir dem zustimmten, denn zwei Kämpfe mit AJ hintereinander verschaffen uns viel mehr Aufmerksamkeit für unseren Champion.

Sollten Sie gewinnen: Wie sind Ihre weiteren Pläne? Haben Sie sich schon Gedanken um mögliche Gegner und weitere Kämpfe gemacht?

Nachdem Usyk am 25. September gegen AJ gewinnt, werden wir im Rematch noch einmal gegen ihn boxen müssen. Wenn er im ersten Kampf gewinnt, fliegt er zum Mond, beim Sieg im zweiten zum Mars. In der Zeit kann viel passieren, wir leben derzeit in einer sehr hektischen Welt. Frage eins: Findet Fury-Wilder III statt? Frage zwei: Wie geht das Match aus? Frage drei: Wollen sie danach noch einmal gegeneinander kämpfen? Frage vier: Gibt es neue Thronanwärter, die in den Rankings aufsteigen? Frage fünf: Gibt es irgendwelche Pflichtverteidigungen? Es gibt zu viele Unsicherheiten. Aber wenn ein Fighter wie Usyk natürlich Undisputed Champion werden will, dann ist unser Hauptziel gegen denjenigen zu boxen, der den letzten Gürtel hat, der uns noch fehlt.

Das ist momentan WBC-Weltmeister Tyson Fury. Der hat bereits einen kühnen Fünf-Kämpfe-Plan für die Zukunft aufgestellt, in der Usyk nicht auftaucht. Auch sonst spricht er nur als „kleiner Cruiser“ von ihm, scheint ihn nicht als Gegner ernst zu nehmen. Unterschätzt er ihn?

Ich erinnere mich daran, dass die beiden einander mal trafen. Tyson bemerkte, dass Usyk kein Riese ist. Er ist nur 1,91 Meter groß, Tyson Fury dagegen 2,06 Meter. Das ist ein ziemlicher Größenunterschied. Aber im Kampf zählt die Größe nicht, das werden viele Leute bestätigen. Was zählt, sind die boxerischen Fähigkeiten, die Ringintelligenz, die Erfahrung, die Einstellung, das Trainingscamp, der Gesundheitszustand, Verletzungen. Lauter Kleinigkeiten, die zusammenkommen und das Gesamtbild abgaben.

Usyk gilt als „Road Warrior“, der vor allem auf fremdem Boden kämpft, als Geheimtipp im Schwergewicht. Gerade für Sie als Promoter: Wie könnte man seine Starpower weiter steigern?

Seit 2016 boxt er außerhalb der Ukraine. Wir kämpfen in Polen, Großbritannien, den USA … überall, nur nicht daheim. Nach seinem ersten Kampf gegen Tony Bellew gewann er so viele Fans in Großbritannien, dass er dort drüben ein echter Star wurde. Sein Kampf gegen Dereck Chisora kam auf Pay-per-View, was große Bedeutung hat – ein Boxer, der nicht dort geboren ist und nicht das beste Englisch spricht, und trotzdem ein Pay-per-View-Star ist. Meine Vision ist, dass Usyks Persönlichkeit, sein Charisma, sein Boxstil und seine Durchsetzungsvermögen immer mehr Leute anziehen werden. Er ist Muhammad Ali sehr ähnlich, sie sind sogar am gleichen Tag geboren, am 17. Januar. Ali war sein Box-Idol und er erkämpft sich seinen Platz in der Geschichte auf die gleiche Weise wie der Größte aller Zeiten.

Wie schätzen Sie das deutsche Profiboxen ein? Sehen Sie potenzielle Gegner für Usyk hier, beispielsweise Agit Kabayel? Er hat in Berlin ja schon gegen Marco Huck geboxt.

Lassen Sie mich es so sagen: In den letzten sieben bis zehn Jahren war das deutsche Boxen auf dem absteigenden Ast. Universum, Sauerland, SES – alle tun ihr Bestes. Aber insgesamt ist das Boxen nicht so groß und so populär wie zu den Zeiten der Klitschkos. Ich hoffe immer noch, dass neue Stars, neue Kämpfer aufkommen, um dem deutschen Boxen neues Leben einzuhauchen. Denn vor 10 oder 15 Jahren war Deutschland eines der großen Länder im Boxen.

Interview: Nils Bothmann

Dieses Interview entstand in Kooperation mit Sportwettentest.

Foto: 

IMAGO / Focus Images