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Aufstieg in den Box-Olymp

Am 15. September wollen Saul Alvarez und Gennady Golovkin endgültig klären, wer der wahre „King“ des Mittelgewichts ist. BOXSPORT checkt gemeinsam mit Boxprofi Jack Culcay, wer nach dem legendären ersten Duell jetzt im Vorteil ist.

Text: Benjamin Stroka

Der Gong zur zwölften und letzten Runde ertönt. Gennady Golovkin und Saul „Canelo“ Alvarez stehen sich im Ring wie zwei Gladiatoren gegenüber. Bislang liefern sich die beiden Superstars einen echten Spitzenkampf auf höchstem Niveau, der die Erwartungen mehr als erfüllt.

Eine kurze Umarmung als Zeichen der Fairness, dann beginnen die letzten drei Minuten dieses hochklassigen Gefechts. Sowohl die Zuschauer in der T-Mobile Arena in Las Vegas als auch die Fans auf der ganzen Welt fiebern mit. Der Ausgang bleibt spannend, zu eng waren die vorangegangenen elf Runden. Dieser letzte Durchgang wird den Fight entscheiden.

Golovkin macht von Beginn an Druck, wird jedoch mehrfach von sauberen Kontern Canelos abgefangen. Immer wieder landet der Mexikaner den linken Haken und den rechten Uppercut. Doch je weiter die Runde voranschreitet, desto erfolgreicher wird auch „Triple-G“. Sein Jab trifft regelmäßig, und er rüttelt Canelo mit einer rechten Geraden durch. Eine fantastische Leistung beider Athleten, die noch mal alles auf eine Karte setzen. In den letzten zehn Sekunden hält es keinen in der Arena mehr auf den Stühlen.

Nach dem Gong reißen Golovkin und Alvarez die Arme in die Höhe. Beide fühlen sich als Sieger, beide genießen den frenetischen Jubel der Fans. Doch als Ringsprecher Michael Buffer das Urteil verkündet, folgt die große Ernüchterung: Unentschieden. Beide Seiten fühlen sich verschaukelt. Ein Aufschrei der Fans, die mehrheitlich Golovkin vorne sahen, geht durch die Halle. Eines wird sofort klar: Nur ein Rematch kann endgültig klären, wer die Nummer eins im Mittelgewicht ist.

Der mit Spannung erwartete Rückkampf, der jetzt schon das Label „Kampf des Jahres“ trägt, steigt am 15. September. Erneut wird die T-Mobile Arena im Zocker-Paradies Las Vegas Schauplatz des Showdowns sein.

Nun stellt sich die Frage: Welche Schlüsse lassen sich aus dem ersten Aufeinandertreffen ziehen? Und welche Veränderungen müssen Alvarez und Golovkin vornehmen, um das Rematch zu gewinnen? Darüber sprach BOXSPORT mit Boxprofi Jack Culcay, „Boxer des Jahres 2016“ und Ex-Weltmeister im Halbmittel, der vor kurzem selbst ins Mittelgewicht aufstieg – und sowohl Canelo als auch Triple-G genau unter die Lupe nimmt.

Taktik entschlüsselt

„Für mich hat Alvarez den ersten Kampf gewonnen, weil er insgesamt die besseren Aktionen hatte“, sagt der 32-jährige Ring-Experte. „Canelo hat ständig versucht, Golovkins beste Angriffe zu vermeiden, und das in den meisten Fällen auch geschafft. Zudem hat er sehr gute Konter und starke Kombinationen gelandet. In meinen Augen hat er den Fight bestimmt.“ Ein gutes Beispiel für die unterschiedlichen Sichtweisen auf das erste Duell. Denn BOXSPORT sah nach dem ersten Fight Golovkin vorne, der deutlich mehr Druck ausübte und – nach einem holprigen Start – vor allem in den mittleren und hinteren Runden das Zepter an sich riss und viele gute Treffer landete. So drängte er Alvarez regelmäßig in die Defensive und bestimmte den Kampf.

Für Culcay war dies jedoch nur bedingt ein Verdienst von Golovkin. Vielmehr sei dieser Sachverhalt der Taktik von Canelo geschuldet, der nach dem Aufeinandertreffen oft dafür kritisiert wurde, vor dem K.o.-König „weggelaufen“ zu sein. „Das empfand ich ganz anders“, sagt der Experte. „Alvarez hat geboxt – und dazu gehören nicht nur die Offensive mit hoher Schlagfrequenz, sondern auch zu meiden und den gegnerischen Angriffen auszuweichen.“ Culcay stuft den Mexikaner als klassischen „Boxer-Puncher“ ein, der sowohl hart hauen als auch die feine Klinge führen kann.

Auf die Frage, welche Fehler Triple G im ersten Fight gemacht hat, sagt der Ex-Sauerland-Profi: „Er steckt zu viele Schläge ein. Eigentlich war das bislang sogar eine Stärke von Golovkin. Gegen Canelo war es aber eine seiner Schwächen.“ Damit meint der BOXSPORT-Experte: Der Kasache sucht immer den Schlagabtausch, weil er davon ausgeht, das bessere Kinn und den härteren Punch als sein Gegner zu haben. „So steckte er die Schläge seiner Kontrahenten ein, doch weil er noch härter austeilte, gingen seine Gegner regelmäßig auf die Bretter.“

Kein Boxer erwarte, dass man sofort nach einem eigenen Volltreffer eine schwere Hand kassiert, erklärt Culcay das Phänomen. „Alvarez hatte nun allerdings auch sehr gute Nehmerqualitäten, daher hat diese Taktik im ersten Fight nicht funktioniert. Das war ein klarer Fehler von Golovkin.“ In diesem Bereich müsse er klüger agieren und mehr auf seine Deckung achten. „Triple-G ist ein Puncher. Wenn er einmal gut trifft, ist es für die meisten auch schon vorbei. Aber boxerisch ist Canelo deutlich besser“, urteilt der Ex-Champ.

Auf die Frage, welche Fehler dagegen Saul Alvarez im ersten Fight gegen Golovkin unterlaufen sind, antwortet Culcay: „Für mich eigentlich keine. Er hat einen sehr guten Kampf gezeigt.“ Keine Frage, Canelo hat sich in den vergangenen Jahren eindeutig weiterentwickelt. Vor allem in Beinarbeit und Defensiv-Verhalten hat er deutlich zugelegt, was er gegen Golovkin auch zeigte. Dennoch sah BOXSPORT im ersten Duell einige Fehler des Mexikaners. So wurde er viel zu häufig von Golovkins Jab getroffen (108 Mal). Ein Umstand, der ihn mehrere Runden bei den Punktrichtern kostete.

Außerdem fehlt Canelo die Kondition, um ein hohes Tempo über die volle Zwölf-Runden-Distanz zu gehen. Er kaschiert das mittlerweile gut mit seinem passiveren Kampfstil. Dabei versucht er, Runden mit kurzen „Sprintphasen“, die kaum länger als 40 Sekunden dauern, zu „stehlen“. Aber wenn Golovkin im richtigen Moment den Druck erhöht, braucht Canelo seine Pausen und kann nicht viel entgegensetzen.

Spiel mit dem Feuer

Besonders interessant wird daher die taktische Herangehensweise beider Boxer. Im ersten Duell ging es zu Beginn sehr verhalten zur Sache – das klassische „Abtasten“. Obwohl sich Canelo und Golovkin nun schon 36 Minuten im Ring gegenüberstanden, rechnet der BOXSPORT-Experte auch im Rematch mit einem ähnlichen Kampfbeginn. „Beide sind sehr erfahren und werden am Anfang eher wenig Risiko eingehen wollen. Da wird es sicherlich einige taktische Runden geben.“

Doch im weiteren Kampfverlauf werden sie mehr riskieren müssen. Golovkin könnten sicherlich mehr Angriffe zum Körper helfen, wie man sie aus vielen seiner anderen Fights kennt. Doch Culcay warnt: „Bei Attacken zum Körper läuft man besonders große Gefahr, mit einem Konter getroffen zu werden. Gerade gegen Canelo ist das eine äußerst riskante Taktik.“

Doch auch Alvarez selbst spielt mit dem Feuer. Er boxte im ersten Kampf oft mit dem Rücken an den Seilen und ließ Triple-G kommen. Eine Taktik, die wohl sonst nicht viele gegen eine K.o.-Maschine vom Format Golovkins wählen würden. „Er geht ganz bewusst dieses Risiko ein. Canelo hat ein gutes Auge und versucht, sein Gegenüber zu locken“, sagt Culcay. Dadurch schlage sich der Gegner müde, „denn wenn man nicht trifft, verliert man extrem viel Kondition. Diese Taktik erwarte ich auch im Rematch“.

„Er muss ihn ausknocken“

Doch wie wird der Fight am 15. September nun ausgehen? BOXSPORT rechnet mit einem ähnlichen Kampfverlauf wie im ersten Fight. Wenn Golovkin seinen Druck etwas überlegter an den Mann bringen kann und nicht so oft in Canelos Fallen tappt, sollte er das Rematch nach Punkten für sich entscheiden.

Doch unser Experte widerspricht. „Golovkin muss Canelo ausknocken. Nach Punkten erwarte ich einen klaren Erfolg für Canelo“, sagt Culcay. „Golovkin muss schon mehrere Niederschläge landen, um bei den Punktrichtern eine Chance zu haben.“ Eines ist somit klar: Auch das Rematch regt zu vielen Diskussionen an und hat keinen klaren Favoriten.

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