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News

Bönte über Rocky: Vor seinem WM-Fight zockten wir um 50 Mark

Bernd Bönte, langjähriger Manager der Klitschko-Brüder und Sportjournalist, kommentierte den ersten Fight von Graciano Rocchigiani (†54) gegen Dariusz Michalczewski. Im neuen Buch „Rocky – Unbeugsam bis zur letzten Runde“ erinnert sich Bönte an gemeinsame Erlebnisse mit der verstorbenen Ring-Legende. BOXSPORT veröffentlicht diesen und weitere Buch-Auszüge exklusiv, in denen Wegbegleiter, ehemalige Gegner im Ring und Freunde ihre ganz persönliche Rocky-Story erzählen.

von Bernd Bönte

Als Graciano im März 1998 endlich seinen WM-Kampf gegen Michael Nunn in Berlin bekam, kannten wir uns schon zehn Jahre. In dieser Zeit hatten wir beruflich und privat viel zusammen gemacht. Ich hatte Graciano vor diesem für ihn so wichtigen Kampf auch im Trainingscamp in Miami besucht, wo er sich zusammen mit Lennox Lewis unter Trainer Emanuel Steward vorbereitete. Graciano war in Topform, aber auch ständig genervt, weil Lewis seinen WM-Kampf gegen Shannon Briggs nur eine Woche nach dem Kampf von Graciano in Atlantic City hatte und Emanuel deshalb nicht in seiner Ecke stehen konnte und sich aus seiner Sicht nicht genügend um ihn kümmerte. Eigentlich war der Kampf gegen Nunn für Februar geplant, aber Graciano hatte sich eine Grippe eingefangen, und der Termin musste auf März verschoben werden.

Am Kampftag selbst rief mich Christine im Hotel an. »Graciano möch­te dich gerne sehen.« Ich fuhr zu ihm nach Hause, und da lag er wie ein Häufchen Elend auf dem Sofa im Wohnzimmer und sagte, er habe die ganze Nacht kein Auge zugemacht. Dass Emanuel nicht in seiner Ecke stand, beschäftigte ihn scheinbar sehr. Ich kannte Manny schon seit den 80er-Jahren und hatte ihn Graciano vor dem ersten Michalczewski-Kampf als Coach empfohlen und den Kontakt hergestellt.

Ich habe Manny später einmal gefragt, warum er sich nicht bereit erklärt hatte, aus Miami zumindest zum Kampf nach Berlin zu fliegen. Lennox Lewis hatte es ihm verboten – wer mehr zahlt, schafft an.

Ich versuchte, Graciano zu beruhigen. Ich sagte ihm, dass Manny alle Szenarien im Trainingscamp mit ihm durchgegangen sei und Nunn seinen Kampf immer gleich aufbaute und auch nicht mehr der Schnellste sei. Und außerdem sei Gracianios Bruder Ralf mit seiner Erfahrung jemand, der in der Ecke im Kampf genau wisse, was zu tun sei.
Plötzlich sprang Graciano vom Sofa auf, lachte und sagte: »Ich gewinne das Ding heute Abend, und jetzt zieh ich dir beim Billard die Hosen run­ter – Revanche für Timmendorf!«

Wir hatten im Herbst davor ein Wochenende am Timmendorfer Strand verbracht, und er hatte mich zu einer Partie Minigolf herausgefordert. Er wäre da unschlagbar, meinte Graciano. Siegprämie 50 Mark. Da Putten beim Golfen meine Stärke ist, wettete ich dagegen. Nach zwei Dritteln der Bahnen war ich uneinholbar vorn, und Graciano meinte nur: »Ich geb’ auf, lass uns lieber am Strand ein Bier trinken.«

Nun also, ein halbes Jahr später, die Revanche an seinem Billardtisch im Wohnzimmer. Ich war komplett chancenlos, legte 50 Mark auf den Tisch, und Graciano grinste von einem Ohr zum anderen. »Bernd, das tut richtig gut, und Nunn gehts gleich wie dir!«

Danach bin ich wieder los, Graciano konnte doch noch ein paar Stun­den schlafen und holte sich den WM-Gürtel der WBC im Halbschwerge­wicht. Wir feierten danach bis in den frühen Morgen. Am Ende der Nacht schenkte er mir noch die Boxstiefel aus dem Kampf mit einer persönlichen Widmung. Sie haben noch heute einen Ehreplatz in meinem Büro zu Hau­se in Hamburg. Und das wird auch so bleiben.

 

Das neue, 512 Seiten starke Buch „Rocky – Unbeugsam bis zur letzten Runde“ aus dem riva-Verlag enthält nicht nur Rockys spannende Autobiografie, sondern auch viele weitere ganz persönliche Gast-Beiträge.

Graciano Rocchigiani mit Ralf Grengel und René Hiepen

riva-Verlag, 512 Seiten inkl. 48-seitigem Bildteil

ISBN: 978-3-7423-0948-8, Preis: 19,99 EUR

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