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Ruhestand vorbei: Artur Mann boxt gegen Mairis Briedis

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Artem Harutyunyan boxt am 25. September gegen Samuel Molina

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Alexander Krassyuk: Usyk ist wie Muhammad Ali

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News

„Bring back the glory of Ghana“ – Afrikas Box-Mekka

Trainer Emmanuel Abbey (r.) mit Elvis Mensah, Vandorff Okra und Profiboxer Michael Decardi-Nelson (v.l.n.r)
Trainer Emmanuel Abbey (r.) mit Elvis Mensah, Vandorff Okra und Profiboxer Michael Decardi-Nelson (v.l.n.r)

Wohl kaum ein anderes Land auf dem afrikanischen Kontinent ist so sehr mit dem Boxsport verbunden wie Ghana mit der Hauptstadt Accra und dem Armutsviertel Bukom. Viele ehemalige Weltmeister haben ihre Wurzeln in Ghana und alleine in Accra gibt es schätzungsweise etwa 50 Boxclubs. Aber die goldenen Zeiten sind vorbei. Staatliche Gelder fliessen heute hauptsächlich in den Fußball und die Boxer müssen hart um jede Art von Unterstützung kämpfen.

Die Namen von Roy Ankrah (nationale Meistertitel in fünf verschiedenen Gewichtsklassen, Commonwealth-Meister im Federgewicht), Floyd „Klutei“ Robertson (nationaler Meister im Federgewicht, westafrikanischer Meister im Federgewicht und Commonwealth-Meister im Superfedergewicht), David Kotey aka D.K. Poison (Weltmeister der WBC im Federgewicht), Azumah Nelson (Weltmeister der WBC im Federgewicht, zweifacher Weltmeister der WBC im Superfedergewicht und aufgenommen in die International Boxing Hall of Fame), Ike Quartey (Weltmeister der WBA im Weltergewicht), Nana Yaw Konadu (Weltmeister der WBC im Superfliegengewicht, Weltmeister der WBA im Bantamgewicht) und Alfred Kotey (Weltmeister der WBO im Bantamgewicht) sind hinter den Zuschauerrängen der 2016 eröffneten Bukom Boxing Arena zu lesen. Ihnen zu Ehren wurde die Arena gebaut und sie prägen die grosse Box-Geschichte Ghanas. Genau wie heute Isaac Dogboe (geboren in Accra, heute britischer Staatsbürger, afrikanischer Meister der WBO im Federgewicht und Weltmeister der WBO im Superbantamgewicht) stehen sie für den grossen Traum aller jungen Boxer Bukoms: Weltmeister werden!

Für diesen Traum setzen die Boxer alles auf eine Karte. Die Boxclubs sind häufig unter freiem Himmel und in Hinterhöfen zu finden. Wenn überhaupt ein Ring vorhanden ist, ist er improvisiert aus Metallpfosten und einfachen Seilen. Der Ringboden ist oft aus Stein oder Beton. Wer hier zu Boden geht fällt hart. Es wird täglich unter schwierigen Bedingungen und mit den einfachsten Mitteln trainiert. Oft fehlen die elementarsten Ausrüstungsgegenstände wie Handschuhe, Bandagen, Mundschutz und Kopfschutz.
Diese jungen Männer sind hungrig nach Erfolg und sie konzentrieren sich voll und ganz auf den Sport. Für Schule oder Ausbildung finden sie keine Zeit. Und das obwohl Ghana 2017 zum Beispiel als eines der ersten afrikanischen Länder die Schulgebühren für die Sekundarschule abgeschafft hat und so bessere Voraussetzungen als in anderen Ländern vorhanden wären.

Die Akotoku Boxing Academy – Home of Champions

Die bereits erwähnten Weltmeister Azumah Nelson, Ike Quartey, David und Alfred Kotey haben alle eines gemeinsam. Sie wurden gross in der 1974 von Francis Attuquaye Clottey gegründeten Akotoku Boxing Academy, die als einer der besten Boxclubs Ghanas gilt. Sie steht aktuell unter der Leitung des Chef-Trainers Noah Awatey und der beiden Co-Trainer Emmanuel Abbey und Elvis Robertson. Im Gespräch zu den Zielen der Academy befragt antwortet Robertson „We want to produce world champions again. We want to bring back the glory of Ghana! But we are missing the support for our boxers and all kinds of equipment.“ Und in der Tat würde man auf den ersten Blick nicht denken, dass wir bei diesem „Hinterhof-Club“ über die Wiege von Weltklasse-Boxern reden. Zwischen freilaufenden Hühnern, zum Trocknen aufgehängter Wäsche und kochenden Frauen trainieren zwei Boxerinnen und 28 Boxer in der Akotoku Boxing Academy. Darunter das neue vierzehnjährige Talent Ramzy Addy, der ehemalige Olympia-Teilnehmer (Beijing, 2008) und heutige, bisher ungeschlagene Profiboxer Prince „Octopus“ Dzanie (21-0, 17 K.o.) sowie die beiden Hoffnungsträger bei den Profis Michael „Mayweather“ Nelson und Yussif Seidu. Des Weiteren die Mitglieder der Black Bombers (Ghanaische Nationalmannschaft) Alfred Kotey jnr. und Shakul Samed, der sich momentan für die Olympiade in Tokio aufhält. Samed bestätigt dann auch die Aussagen von Elvis Robertson. Er selbst boxe seit er sieben Jahre alt ist und komme aus einer Familie von Boxern. Immer hätte er um Unterstützung kämpfen müssen und selbst heute, als Mitglied der Nationalmannschaft, gäbe es kaum etwas. Unterstützung wäre meist auf die Zeit beschränkt, wenn es zu Wettkämpfen ginge um Ghana zu repräsentieren. Aber selbst dann würden Zusagen oft nicht eingehalten und die Boxer nicht bezahlt. „The government should pay more attention to boxing. Then we could be more successful again. But they only invest into football nowadays. That’s why boxing could be dying in Ghana“, ist sein trauriges Fazit.

Das Powerful Boxing Gym – Honest

Und auch Boxclubs, die noch nicht über solch eine Erfolgsgeschichte wie die Akotoku Boxing Academy verfügen, zeigen das Potenzial in Ghana auf. Das Powerful Boxing Gym wurde zum Beispiel erst 2003 vom heutigen Chef-Trainer James Quartey gegründet. Er wird von Augustus Dodoo als Co-Trainer unterstützt. Darauf angesprochen, ob es etwas gibt das seinen Boxclub besonders macht antwortet Quartey ohne zu zögern: „No school? No boxing!“ Wenn Kinder und Jugendliche ins Training kommen möchten, müssen sie ihm nachweisen in der Schule gewesen zu sein. Von Anfang an hat James Quartey die erzieherischen Aspekte des Boxsports berücksichtigt und so lautet das Motto des Gyms „(Be) Honest“. Der in simplen Worten zum Ausdruck gebrachte Anspruch als Kämpfer und im Leben ehrlich zu sein – zu sich selbst und anderen. Quartey hat realisiert, dass nur die wenigsten Boxer vom Sport leben können und dass Bildung den jungen Menschen andere Perspektiven eröffnet. Ein lobenswerter Ansatz.
Im Powerful Boxing Gym trainieren zur Zeit 30 Boxer. Davon sind 20 Amateure und 10 Profis. Und es stellen sich bereits Erfolge ein. Unter anderem wurde einer der jugendlichen Boxer des Powerful Boxing Gym an der letzten Veranstaltung der GABA (Ghana Amateur Boxing Association) im Juni zum Boxer des Turniers ernannt. Und unter den Profiboxern ist auch Michael Pappoe, der in Ghana die Nummer 2 im Superfedergewicht ist und am 17. Juli 2021 in Brüssel gegen Miko Khatchatryan um den vakanten Titel im Superfedergewicht der IBO geboxt und leider verloren hat.

Unterstützung benötigt!

Die Trainer der Boxclubs sind engagiert und verstehen ihr Handwerk. An jungen Talenten fehlt es auch nicht. Und Ghana kann eine respektable Liste von Weltmeistern im Boxen vorweisen. Aber Ghana ist dabei eine grosse Chance zu verspielen. Das Land spiegelt ein Stück weit dabei auch die Situation in der Sportförderung bzw. im Sport-Sponsoring in Europa wieder. Der Fokus liegt einzig und allein auf den grossen Breitensportarten wie Fußball, Tennis und Basketball. Da wo die grossen Werbeeinnahmen locken.
Daran, dass sich die Trainer und Boxclubs über die regelmässigen Gebühren ihrer Mitglieder finanzieren ist nicht zu denken. Schon wenn sich die Boxer keine Sorgen um ihre tägliche Ernährung machen müssen ist viel geschafft. Mitgliedergebühren können nicht gezahlt werden. Die einzige Einnahmequelle für die Trainer und Clubs bleiben so die Profikämpfe bei denen sie von den Einnahmen des Boxers profitieren. Da ist es verständlich, dass das alleinige Ziel ist die Boxer zu Profis zu machen und die Suche nach Sponsoren und Manager für die Boxer ein dauerndes Thema ist.
Damit es nicht nur für die Akotoku Boxing Academy zukünftig noch „Home of Champions“ heissen kann, sondern auch Ghana genau das bleibt braucht es Unterstützung und neue Konzepte der Sportförderung.

Text: Michael Niederjohann

Über den Autor: Michael Niederjohann, Jahrgang 1972, ist als junger Boxer bei der Sportvereinigung Brackwede (NRW) unter dem Trainer Hans-Joachim Ribow aktiv gewesen. Heute ist er selbst Trainer und gleichzeitig Präsident des Boxclub Root im schweizerischen Luzern. Mit einem Clubkameraden besuchte er für zwei Wochen Jamestown/Bukom um den Ghanaischen Boxstil kennen zu lernen.

Foto: 

Michael Niederjohann