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Daniel Dubois: Fäuste aus Dynamit

Training mit dem Vorbild: Daniel Dubois (r.) beim Media Workout mit Box-Legende Frank Bruno (l.)
Training mit dem Vorbild: Daniel Dubois (r.) beim Media Workout mit Box-Legende Frank Bruno (l.)

Während Anthony Joshua und Tyson Fury die Schwergewichtswelt dominieren, wartet mit Youngster Daniel Dubois bereits der nächste vielversprechende Brite auf seine Chance in der Königsklasse. Dabei verfolgt er einen Plan, der schon vor seiner Geburt für ihn entworfen wurde.

„Du wirst einmal Weltmeister im Schwergewicht sein.“ Ein Satz, den schon so mancher Boxer von seinem Vater, Ziehvater oder Trainer gehört haben dürfte. Doch als Daniel Dubois den Satz erstmals hörte, war er noch nicht mal geboren worden. Sein Vater David, selbst schon immer ein Riesenfan des Faustkampfes, prophezeite seinem Sohn bereits im Mutterleib eine große Ringkarriere. David schmiedete einen Plan für seinen kleinen Daniel und begann diesen bereits im Alter von fünf Jahren zu trainieren.

Heute ist Daniel Dubois 22 Jahre alt, gebaut wie ein griechischer Gott und gilt als eines der größten Talente, nicht nur im Schwergewicht, sondern im gesamten Boxsport. „Er ist einer der vielversprechendsten Schwergewichtler, die ich je gesehen habe“, sagt sein Promoter Frank Warren. Dubois‘ Schlagkraft ist furchteinflößend. 13 seiner 14 Gegner besiegte er vorzeitig. Seine Fights sind im Schnitt gerade mal 2,9 Runden lang und er ist der drittjüngste Britische Meister im Schwergewicht aller Zeiten.

„Diesen Plan setzen wir um, seit ich fünf Jahre alt bin. Und er funktioniert großartig“, sagt Dubois. Trainiert wurde er zunächst daheim von seinem Vater, ehe er noch als Kind sein sportliches Zuhause im legendären Londoner Peacock Gym von Martin und Tony Bowers fand. Als Amateur wurde Dubois Englischer Juniorenmeister und gewann Silber beim Brandenburg-Cup. Obwohl er in Großbritannien als potenzieller Olympiakandidat gehandelt wurde, wechselte er 2017 mit einem Amateurkampfrekord von 69 Siegen bei nur sechs Niederlagen ins Profilager.

„Nur wenige wollten mit mir in den Ring steigen. Und der britische Verband wollte sich Zeit mit mir und meiner Karriere lassen“, erzählt Daniel. Ein Plan, der nicht zu seinem passte. „Mein Vater und ich setzten uns zusammen und entschieden, dass es Zeit für den nächsten Schritt in meiner Karriere ist.“ Im Januar 2017 unterschrieb Dubois einen Promotervertrag bei Frank Warren. Im April desselben Jahres gab er sein Profidebüt. In Manchester benötigte Dubois für den absolut chancenlosen Marcus Kelly nur 35 Sekunden. Ähnlich ging es seinen nächsten Gegnern.

Vorbilder sind Tyson, Lewis und Bruno

Doch es ist nicht die Tatsache, dass Dubois seine Kontrahenten vorzeitig schlägt, sondern wie er es tut, die am meisten beeindruckt. Egal ob linke Haken zum Kopf oder Körper, rechte Aufwärtshaken im Infight, der pumpende Jab oder die gefährliche rechte Gerade auf der Außenbahn. Dubois ist offensiv extrem variabel, und sein Schlagarsenal gehört jetzt schon zum Besten, was das Schwergewicht heute zu bieten hat. Man spürt regelrecht den massiven Druck hinter seinen Schlägen.

„Ich habe sehr hart an meiner Physis gearbeitet und das zeigt sich heute“, sagt Dubois. Dabei sei er nicht immer so muskulös gewesen. „Das entwickelte sich erst in den letzten Jahren. Ich war aber schon immer sehr kräftig gebaut. Früher habe ich drei Stunden am Stück Liegestütze gemacht. Das hat meine Grundfitness und Ausdauer extrem gesteigert.“

Seine persönlichen Ringhelden sind drei große Namen: Mike Tyson, Lennox Lewis und Frank Bruno. Daniel studierte sie schon als Kind auf den Videokassetten seines Vaters. „Sie waren großartige Boxer, jeder auf seine eigene Art. Sie haben ihre Ziele mit eisernem Willen verfolgt“, sagt Dubois beinahe ehrfürchtig. „Ich will mich selbst an den Punkt bringen, an dem ich die aktuellen Champs herausfordern kann. Wenn mein Team denkt, dass ich dazu bereit bin, dann greifen wir an.“ Die aktuellen Champs sind Anthony Joshua (WBA-Super, IBF und WBO) sowie Tyson Fury (WBC und The Ring) – zwei Landsleute Dubois‘, die, wenn alles nach Plan läuft, in wenigen Jahren in einem gigantischen Showdown auf den britischen Youngster mit den Dynamitfäusten treffen könnten

„Power in beiden Fäusten“

Wie das ablaufen könnte, dürfte zumindest Joshua bereits wissen. Dubois war schon als Sparringspartner im AJ-Camp. Jahrelang hielten sich Gerüchte, er habe Joshua im Sparring auf die Bretter geschickt. Vor einiger Zeit hat „Dynamite“ das bestätigt. „Es hat mir gezeigt, dass ich Power in beiden Fäusten habe. Aber das Sparring war vor allem eine großartige Erfahrung für mich“, stellt der Youngster ganz diplomatisch klar.

Seinen bislang größten Sieg feierte Dubois, dessen Schwester Caroline übrigens zu den größten britischen Box-Hoffnungen für Olympia zählt, im vergangenen Juli. Damals erwartete ihn mit seinem Landsmann Nathan Gorman im Duell um die Britische Meisterschaft eine große Herausforderung. Auch Gorman galt als ein aufstrebender und vielversprechender Mann. Bei den Buchmachern war Dubois zwar Favorit, aber die Quoten lagen dennoch relativ eng beieinander. Ganz im Gegensatz zur Leistung im Ring an jenem 13. Juli. Vor den Augen von Tyson Fury und Frank Bruno, die beide ringside saßen, demontierte Dubois seinen Kontrahenten und siegte beeindruckend durch Knockout in Runde fünf.

Sein nächster Fight hätte am 11. April in der Londoner O2 Arena stattfinden sollen. In einem Duell um die Europameisterschaft wäre Dubois auf seinen Landsmann Joe Joyce getroffen. Aufgrund der Corona-Krise wurde aber auch dieses Duell vorerst verschoben. Dubois muss sich wahrscheinlich gedulden. Dann soll er seine EM-Chance bekommen. Doch selbst dieser traditionsreiche Titel soll für der Top-Prospect nur eine Zwischenstation auf dem Weg an die ganz großen Fleischtöpfe sein. Eines bleibt jetzt schon festzuhalten: Daniel Dubois bringt alles mit, um der nächste große Champion in der Königsklasse zu werden.

Text: Benjamin Stroka

Dieser Text erschien zuerst in BOXSPORT 05/20

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