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DBV: Nationalteam zurück, Cologne Boxing World Cup verschoben

DBV-Sportdirektor Michael Müller mit Ulli Wegner beim Chemiepokal 2018
DBV-Sportdirektor Michael Müller mit Ulli Wegner beim Chemiepokal 2018

Im Trainingslager im österreichischen Längenfeld hatten sich 16 von 18 Boxern des Nationalteams, außerdem sieben der neun Betreuer und Trainer mit Covid-19 infiziert (BOXSPORT berichtete). Inzwischen sind alle Mitglieder des Nationalmannschaft in Gruppen wieder nach Deutschland zurückgereist. Da viele Top-Boxer sich nun erst einmal erholen müssen, zog der Deutsche Boxsport-Verband (DBV) Konsequenzen: Zum einen wurde ein Trainingslager in Schwerin (30. September bis 10. Oktober) abgesagt, zum anderen wurde der Cologne Boxing World Cup, der eigentlich vom 14. bis 18. Oktober stattfinden sollte, auf voraussichtlich Dezember verschoben. Das entfallene Trainingslager hätte zur Vorbereitung auf das große Amateurturnier gedient.

Mit großer Bestürzung und Sorge mussten wir von der Erkrankung durch das Corona-Virus der Mannschaft im Trainingslager in Österreich erfahren“, erklärte DBV-Präsident Erich Dreke. „Seitens der DBV-Verantwortlichen wurde alles erdenklich Mögliche getan und alle erforderlichen Maßnahmen getroffen. Die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Athletinnen und Athleten und des Betreuungsteams hat höchste Priorität. Allen Beteiligten geht es dem Umständen entsprechend gut.“

In einer Pressemitteilung nahm der Verband wie folgt Stellung zu Vorwürfen, die nach Bekanntwerden der Infektionen aufkamen:

„Vorwürfe, die erhoben wurden, es sei ein unverantwortliches Vorgehen gewesen, dass das Trainingslager in Längenfeld durchgeführt wurde, entsprechen nicht den Tatsachen. Alle Teilnehmer/innen haben sich vor der Anreise je zwei Corona-Tests unterzogen, die alle negativ waren. Zuvor wurde nach der Vorstellung des Konzepts für das Trainingslager die Durchführung unter Einbeziehung des Trainer- und Ärzteteams und beider Athletenvertreter entschieden. Durch den bereits vor Eintreffen des DBV-Teams in Längenfeld anwesenden Teammanager Martin Volke wurde schriftlich über die Situation vor Ort informiert und ständig die Situation in Längenfeld beobachtet. Vor der Anreise und auch während des Lehrgangs gab es keinen amtlich aktiv Infizierten in der Gemeinde Längenfeld und der Gemeinde Sölden im Ötztal, in der sich die Mannschaft aufgehalten hat. Auch aktuell (Stand 16.09.2020) ist außer unserer Mannschaft keiner aktiv positiv. Hierzu liegen dem DBV amtliche Dokumente / Veröffentlichungen vor.
Laut schriftlicher Erklärung des Hotels, die dem DBV zusammen mit den Sicherheitskonzepten und chronologischen Abläufen vorliegt, wurden 4 Zimmer für einen Fußballverein verlängert, da die Spieler/Betreuer unter Beobachtung standen, sie wurden aber weder vor Ort noch im Nachhinein jemals positiv getestet, wie ein Verantwortlicher des Fußballvereins dem Hotel erklärte. Diese wurden in einem anderen Block des Hotels untergebracht. Der infizierte Fußballspieler wurde am 24.08.2020 von diesem Team isoliert und ist vor dem Eintreffen des DBV-Teams am 29.08.2020 abgereist. Die übrige Fußballmannschaft reiste am 28.08.2020 ab, also einen Tag vor der Ankunft des DBV-Teams.
Laut Auskunft des betreuenden Mannschaftsarztes zeigten einige unserer Teilnehmer/innen am 07.09.2020 ‚aufgrund der Witterungsbedingungen‘ Symptome grippaler Infekte. Am 08.09.2020 wurden bei 4 Sportlern und einem Trainer erneute Coronatests durchgeführt. Das Ergebnis dieser Tests war, dass 4 von 5 ein positives Ergebnis aufzeigten. Daraufhin wurden die Kontaktpersonen ebenfalls getestet und die entsprechenden Quarantänemaßnahmen durchgeführt.“

Auch auf die Anschuldigung, man habe erkrankte Sportler zum Training gedrängt, nimmt der Text Bezug:

„Nach Bekanntwerden der positiven Befunde durch die Athletinnen und Athleten wurde kein normales Training durchgeführt. Hierzu erklärte Teammanager Martin Volke: ‚In ihren Zimmern halten sich die Sportler mit Fitnessübungen fit. Sie dürfen nicht vor die Tür. Die Übungen erfolgen unter Video-Anleitung, auch Mentaltrainer sind mit ihnen in Kontakt‘. Daher entbehrt der Vorwurf der ‚fahrlässigen Gesundheitsgefährdung‘ jeglicher Grundlage.“

Allerdings soll die vorzeitige Abreise des betreuenden Mannschaftsarztes untersucht werden. Dazu heißt es in der Mitteilung weiter:

„Der geschäftsführende DBV-Vorstand hat keinerlei Verständnis für die nicht abgestimmte Abreise des Mannschaftsarztes am 10.09.2020, die ohne Information weder an den DBV-Vorstand noch an das vor Ort befindliche DBV-Team erfolgte. Auf Grund dieses nicht nachvollziehbaren Verhaltens wurde die DBV-Ärztekommission mit der Prüfung des Vorgangs beauftragt.“

DBV-Sportdirektor Michael Müller nahm Bezug auf Interview-Aussagen, die fehlinterpretiert wurden: „Obwohl wir höchstmögliche Sicherheitsvorkehrungen während des Aufenthaltes in dem Hotel getroffen haben, bleibt ein Restrisiko, welches allen Betreuern und Athletinnen und Athleten bewusst ist, dass man dieses nicht völlig ausschließen kann.“

Die komplette Pressemitteilung kann auf der Homepage des DBV eingesehen werden.

Foto: 

imago images / VIADATA