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Deutsche Olympia-Boxer in Tirol in Quarantäne

Sarah Scheurich gehört zu den Infizierten
Sarah Scheurich gehört zu den Infizierten

Große Teile der deutschen Box-Nationalteams wurde bei einem Trainingslager in Österreich positiv auf Covoid-19 getestet. 16 von 18 Boxern sind betroffen, außerdem mehrere Trainer und Betreuer. DBV-Sportdirektor Michael Müller erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass man bei der Planung und dem Hygiene-Konzept größte Vorsicht habe walten lassen. „Wir haben uns für Österreich entschieden, weil dort die Zahlen niedrig waren“, begründete er die Wahl des Ortes. Nur in Deutschland zu trainieren, sei er aber nicht möglich gewesen. „Das müssen wir machen. Wir brauchen den Vergleich mit ausländischen Sportlern, sonst bringt die ganze Vorbereitung auf Olympia nichts.“ Im österreichischen Längenfeld trainierten die Sportler mit Sicherheitsmaßnahmen. „Wir haben einen eigenen Hoteltrakt, einen eigenen Essenraum, einen eigenen Seiteneingang. Die Boxer haben ausschließlich miteinander trainiert“, so Müller.

Müller selbst war zwischenzeitlich in Längenfeld vor Ort, war aber früher abgereist. „Ich habe mich zu Hause natürlich gleich testen lassen: negativ. Jetzt bin ich in freiwilliger Isolation und lasse mich in der nächsten Woche nochmals testen“, erklärte er. Bei den Infektionen handele es sich um leichte Fälle. „Die Boxer befinden sich derzeit in Quarantäne. Sie weisen keine stärkeren Symptome auf, können sogar trainieren“, berichtete der Sportdirektor. Nach Ende der 14-tägigen Quarantäne können die Athleten wieder nach Deutschland reisen, allerdings nicht alle auf einmal. Da Tests und Auswertungen an mehreren Tagen abgehalten werden, erfolgt die Rückreise gestaffelt. Vor der Reise zu dem Tiroler Hotel waren die Sportler negativ auf das Virus getestet worden.

Der DBV wurde jedoch von mehreren Seiten kritisiert. Zum einen waren die Fallzahlen in Österreich kurz vor dem Trainingslager angestiegen, zum anderen hatte sich in dem Hotel auch ein Spieler des Bundesligisten FC Schalke 04 mit dem Virus infiziert. Eine Aussage Müllers stieß manchem Boxer sauer auf. „Wer glaubt, dass die Vorbereitung auf Olympia ohne Corona-Fälle passieren wird, lebt an der Realität vorbei. Wir haben jetzt wichtige Erfahrungen gesammelt, die wir bei nächsten Aufenthalten nutzen können“, hatte der Sportdirektor gesagt. Für Mittelgewichtlerin Sarah Scheurich grenzt dieses Statement „an Körperverletzung. Ich bin richtig geschockt. Das heißt ja, man schickt uns in ein Trainingslager und rechnet damit, dass wir uns infizieren", kommentierte sie. „Sollte diese Aussage wahr sein, ist das für mich ein Vertrauensbruch und ich weiß auch nicht, wie wir damit umgehen sollen.“ Sie und andere Sportler kritisierten zudem, dass der betreuende Arzt des Teams nach Bekanntwerden der ersten Fälle abgereist war. Von einem Verbandsarzt wird das Team über Telefon und WhatsApp betreut. Michael Müller hingegen erklärte, dass die Abreise des Arztes „nach intensivem Austausch mit der Amtsärztin und dem Erhalt des negativen Testergebnisses in enger Abstimmung mit der Gendarmerie und der Gesundheitsbehörde Tirol erfolgt“ ist. Scheurich gehört zu den infizierten Teammitgliedern.

Nach einem Bericht des „Hamburger Abendblattes“ gibt es von Mitgliedern des Teams weitere Vorwürfe. Angeblich sei die räumliche Trennung der Boxer und der Schalke-Fußballer nicht gegeben gewesen, man habe sogar auf der gleichen Etage gewohnt. Zudem sollen die Symptome mancher Boxer schwerer gewesen sein als von Müller beschrieben. Außerdem sollen infizierte Sportler trotz Covid-19-Symptomen zum Weitertrainieren gedrängt worden sein. Offiziell darf sich laut der Zeitung allerdings niemand dazu äußern.

Text: Nils Bothmann

Foto: 

imago images / Aleksandar Djorovic