Am Samstag steigt der mit Spannung erwartete Rückkampf zwischen Anthony Joshua und Andy Ruiz jr., derFans und Experten gleichermaßen elektrisiert. Doch wer setzt auf wen? BOXSPORT hat sich in...

Kaum ein Boxklub in Deutschland kann auf eine so lange und erfolgreiche Historie zurückblicken wie der TSV Bayer 04 Leverkusen. Doch der Glanz früherer Tage ist verblasst. Heute fehlt vom...

Text: Benjamin Stroka

Mit seinem sensationellen K.o.-Sieg über Anthony Joshua hat sich Andy Ruiz jr. zum ersten mexikanischen Weltmeister im Schwergewicht gekrönt – und damit alle...

Text: Peter Stroß

Bis heute gilt Ray Arcel als einer der besten Coaches aller Zeiten. Doch der Mann mit dem edlen Charakter hatte in seinem Leben viele Hürden zu nehmen, geriet...

1 von 5

News

Die größten Box-Skandale – Teil II

Betrügereien, Mafiageschäfte, Rassismus und sogar Mord: Das Boxen stand bereits mit fast jedem denkbaren Skandal in den Schlagzeilen. BOXSPORT hat die Archive gewälzt und die spektakulärsten Ringskandale aller Zeiten zusammengestellt. Wer gestern Teil I (die Plätze 20 bis 11) verpasst hat, kann diesen hier nachholen. Folgend nun die Plätze 10 bis 1!

Platz 10: Rassenhass gegen den Champ

Jack Johnson wurde erst vor Kurzem von US-Präsident Donald Trump posthum begnadigt. Zuvor war sein Vermächtnis als erster schwarzer Schwergewichts-Weltmeister über 100 Jahre lang durch eine Verurteilung beschmutzt. 1908 wird er durch seinen Sieg über den weißen Weltmeister Tommy Burns berühmt – und gleichzeitig von vielen gehasst. In seinen Kämpfen verhöhnt Johnson seine Gegner und lässt keine Chance aus zu polarisieren. Nach seinem Sieg über die „große weiße Hoffnung“ Jim Jeffries brechen Rassenunruhen aus. Dabei werden zahlreiche Schwarze ermordet. Aufgrund Johnsons Vorliebe für weiße Frauen wendet man den rassistisch motivierten „Mann Act“ – noch vor dessen in Kraft treten 1910 – an, um den Schwergewichtler wegen des Transports einer weißen Frau „zu unmoralischen Zwecken“ zu verurteilen. Johnson flieht ins Ausland, wo er weiterhin im Ring steht. Erst 1921 kehrt er in die USA zurück, um seine Haftstrafe zu verbüßen.

Platz 9: Schande im Ring

Im Staples Center in Los Angeles treffen am 24. Januar 2009 Shane Mosley und Antonio Margarito aufeinander. Doch bei der obligatorischen Überwachung des Tapens der Fäuste kommt es zum Eklat. Mosleys erfahrener Trainer Naazim Richardson bemerkt in Margaritos Kabine eine untypische, weiße Einlage an den Bandagen – und fordert das Team des Mexikaners auf, sie abzunehmen und die Faust neu zu tapen. Die präparierten Bandagen werden versiegelt und der „California State Athletic Commission“ (CSAC) vorgelegt. Die Kommission findet heraus, dass es sich dabei um eine Art Gips handelt, der in Verbindung mit Flüssigkeit (Schweiß) hart wird. Die CSAC verhängt eine 16-monatige Sperre über Margarito und dessen Trainer, auch wenn der beteuert, nichts davon gewusst zu haben. Nach seinem überraschenden, blutigen Sieg über Miguel Cotto im Jahr zuvor werden aber Stimmen laut, die behaupten, dass schon damals die Handschuhe des Mexikaners manipuliert waren.

Platz 8: Korrupter Box-Boss

Auf Grundlage des „RICO-Acts“ – einem Gesetz gegen das organisierte Verbrechen – klagt Ex-Weltmeister Michael Moorer gegen die International Boxing Federation (IBF), weil diese Francois Botha aus Südafrika auf Platz 1 ihrer Rangliste führt. Im Zuge einer mehrjährigen Untersuchung wird IBF-Präsident Robert Lee 2001 zu einer 22-monatigen Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche verurteilt. Während der Verhandlung weigert er sich jedoch, gegen Don King – Bothas Promoter zu dieser Zeit – auszusagen. Außerdem geben Promoter Bob Arum und Cedric Kushner später zu, dass sie Lee 100.000 Dollar Bestechungsgeld zahlten, um den Kampf zwischen Axel Schulz und George Foreman zu realisieren.

Platz 7: Tödliche Schläge

Am 24. März 1962 treffen Emile Griffith und Benny Paret zum dritten Mal aufeinander. Es geht im Madison Square Garden um die WM im Weltergewicht. Doch der Titelgewinn soll an diesem Abend keine Rolle spielen. Denn der Fight geht als eine der dunkelsten Stunden des Sports in die Geschichte ein. Obwohl Griffith in Runde 6 am Boden war, führt er mit einem soliden Vorsprung auf den Scorecards. In der Zwölften prügelt er seinen Kontrahenten mit einer Serie von 20 Schlägen ohne jegliche Gegenwehr ins Koma. Paret stirbt zehn Tage danach an den Spätfolgen. Nach diesem „Mord“ im Ring fordern zahlreiche Politiker weltweit die Abschaffung des Boxsports. Wie sich später herausstellt, hatte Paret seinen Gegner im Vorfeld aufgrund dessen Homosexualität beleidigt. Im Ring nahm Griffith die Gelegenheit wahr, sich zu rächen.

Platz 6: Eklat um Ali

Mitte der 1960er-Jahre ist Muhammad Ali einer der gefragtesten Sportstars der Welt und erzielt im Ring einen Sieg nach dem anderen. Es braucht schon einen weitaus stärkeren Gegner außerhalb des Seilgevierts, um den amtierenden Weltmeister im Schwergewicht in seiner Siegesserie auszubremsen. Im Zuge des Vietnamkriegs (1955–75) werden zahlreiche US-Amerikaner zum Wehrdienst eingezogen – so auch der Champion. Als überzeugter Anhänger der Bürgerrechtsbewegung verweigert Ali den Einzug und verliert daraufhin 1967 seine Boxlizenz. Erst 1970 darf der dann 28-Jährige in den Ring zurückkehren.

Platz 5: Blutige Krawalle

Acht verletzte Polizisten, zehn Festnahmen und neun Zuschauer, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Es ist der 11. Juli 1996. „Die dunkelste Stunde in der Geschichte des Boxens“, titelt die „New York Times“ am Folgetag. Was ist passiert? Der Schwergewichts-Fight zwischen Ex-Weltmeister Riddick Bowe und Andrew Golota geht in die siebte Runde. Es ist ein harter Fight, in dem Golota dem Favoriten alles abverlangt. Doch in der siebten brennen beim Polen alle Sicherungen durch. Er landet mehrere Tiefschläge und wird nach Punkten führend von Ringrichter Wayne Kelly disqualifiziert. Nur wenige Sekunden nach dem Abbruch kommt es zum eigentlichen Skandal. Mitglieder aus Bowes Team stürmen den Ring und greifen Golota brutal an. Es entbrennt eine Massenschlägerei, die sich bis ins Publikum ausbreitet. Fans aus beiden Lagern geraten aneinander. Die Polizei bekommt die schweren Krawalle erst nach mehreren Minuten wieder in den Griff.

Platz 4: Tyson hinter Gittern

Am 26. März 1992 wird Ex-Weltmeister „Iron“ Mike Tyson wegen der Vergewaltigung der 18-jährigen Desiree Washington zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. US-Amerikanische Magazine titeln mit den Worten „Schuldig“ oder „Die Frau, die Tyson stoppte“. Sportlich ist Tyson nach seiner Sensations-Niederlage 1990 gegen James „Buster“ Douglas gerade erst wieder auf dem Weg zurück in die Weltspitze. Er gewinnt vier Fights in Folge. Seinen Superstar-Status hat er nie verloren und agiert so im Juli 1991 bei der Wahl zur „Miss Black America“ in Indianapolis als Juror. Washington nimmt als „Miss Black Rhode Island“ an der Wahl teil. Tyson lädt sie auf sein Hotelzimmer ein und sie haben Geschlechtsverkehr. „Einvernehmlich“, wie Tyson bis heute beteuert. Doch Washington zeigt den Box-Star wegen Vergewaltigung an. Die Jury glaubt der jungen Desiree und schickt Tyson hinter Gitter. Im März 1995 wird er nach knapp der Hälfte seiner Haftstrafe wieder auf freien Fuß entlassen.

Platz 3: In den Fängen der Mafia

„Wer in der vierten Runde noch nicht wusste, was hier los war, muss sturzbetrunken gewesen sein“, schreibt Mittelgewichts-Legende Jake LaMotta in seiner Autobiografie über seinen Fight gegen Billy Fox am 14. November 1947. Der „Bronx Bull“ gibt nach dem Duell zu, was viele Fans und Offizielle bereits während des Duells vermuten. LaMotta verlor den Kampf mit Absicht, da die New Yorker Mafia Unsummen auf einen Fox-Sieg setzte und LaMotta 20.000 US-Dollar für den „Fix“ bot. Jeder, der den Fight sieht, traut seinen Augen nicht. LaMotta ist offensichtlich der bessere Mann, auch wenn er alles tut, um Fox gut aussehen zu lassen. Als er seinen Gegner fast versehentlich trifft und dessen Knie wackeln, hält der „Bronx Bull“ ihn fest, damit Fox sich wieder erholen kann. In der vierten Runde lässt sich LaMotta ohne jegliche Gegenwehr schlagen, bis es zum Abbruch dieser Farce kommt.

Platz 2: Verhängnisvolle Box-Nacht

Der 16. Juni 1983 im Madison Square Garden in New York soll die Leben vieler Menschen für immer verändern. „Daddy, es fühlt sich an, als habe er Steine in seinen Handschuhen“, sagt ein fassungsloser Billy Collins jr. nach fünf Runden zu seinem Vater und Trainer in der Ringecke. Collins gilt als aufstrebendes junges Talent im Halbmittelgewicht. Sein 15. Profifight gegen den „Journeyman“ Luis Resto soll nur eine Zwischenstation auf dem Weg in die Weltspitze sein. Doch Collins muss schwer einstecken und verliert einen brutalen Kampf. Nach dem Fight der Schock: „Die Handschuhe! Alles ist hart!“, schreit Collins sr. panisch auf, als er Restos „Werkzeuge“ begutachtet. „Es ist etwas mit den Handschuhen!“ Es stellt sich heraus, dass die Handschuhe manipuliert und die Hälfte des Innenfutters entfernt worden war. Collins jr. wird in dem Kampf so schwer verletzt, dass sein Augenlicht gefährdet ist und er nie wieder boxen kann. Wenige Monate später setzt sich der mittlerweile depressive 22-Jährige in sein Auto und fährt sich zu Tode. Resto und sein Coach Panama Lewis werden zu Haftstrafen verurteilt und erhalten ein lebenslanges Berufsverbot.

Platz 1: Die „Bestie“ rastet aus

„Als er mich das erste Mal biss, konnte ich es nicht glauben“, sagt ein sichtlich geschockter Evander Holyfield nach seinem Rückkampf gegen Mike Tyson. Der 28. Juni 1997 soll das Datum eines der größten Rematches aller Zeiten werden. Doch es wird ein „Attentat“ im Ring, bei dem Weltmeister Evander Holyfield ein Stück seines rechten Ohrs verliert. Tyson ist frustriert, er fühlt sich ungerecht behandelt, weil Holyfield im Infight ständig mit seinem Kopf arbeitet. Er verliert die Nerven – und beißt zu. Ringrichter Mills Lane traut seinen Augen nicht, doch er bricht den Kampf nicht ab. Erst als „Iron Mike“ zum zweiten Mal zubeißt und Holyfield vor Schmerzen schreiend durch den Ring springt, ist das Duell zu Ende. Ein Skandal sondergleichen. Das Rematch geht als „Bite Fight“ in die Geschichtsbücher ein und erklärt einmal mehr, warum man Tyson lange als „Baddest Man on the Planet“ bezeichnete.

Foto: 

GettyImages