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Joseph Parker: Der Burger-King

WBO-Weltmeister Joseph Parker geht als klarer Underdog in den Vereinigungskampf am 31. März in Cardiff gegen Doppel-Champion Anthony Joshua. Doch unterschätzen sollte man das Schwergewicht aus Neuseeland nicht.

Drei Gürtel, zwei Champs, ein legendärer Austragungsort: Wenn Joseph Parker am 31. März in Cardiff auf Anthony Joshua trifft, stehen die Schwergewichts-Titel von WBA, IBF (Joshua) und WBO (Parker) auf dem Spiel. Also ganz großes Boxen, könnte man meinen. Wenn da nur nicht diese Fragezeichen wären: Wer ist dieser Parker überhaupt? Ist er tatsächlich so stark? Und: Waren seine bisherigen Gegner in WM-Kämpfen – Andy Ruiz jr. (USA), Razvan Cojanu (Rumänien) und Hughie Fury (England) – wirklich echte Prüfsteine? Nur eines scheint bislang klar: Parker, der Underdog aus Down Under, hat in diesem Faustgefecht wesentlich mehr zu beweisen als sein Gegner Joshua.

Ein Champion und viele Fragezeichen

Trotz einer 24-0-0-Kampfbilanz ist dieser Joseph Dennis Parker aus Neuseeland für viele Beobachter noch immer ein Exot – was nichts damit zu tun hat, dass er der Volksgruppe der Maori entstammt. Die Liste seiner bisherigen Gegner lässt selbst Experten darüber rätseln, wie viel Parkers Nimbus der Unbesiegbarkeit wirklich wert ist. Der 26-Jährige boxte viele Aufbaugegner und „Journeymen“ wie den Deutschen Yakup Saglam, den Parker 2015 in der 2. Runde k.o. schlug. Insgesamt beendete der WBO-Champ 18 seiner 24 Kämpfe vorzeitig. Doch in seinen Titelfights gegen Ruiz jr., Cojanu und Hughie Fury konnte er jeweils „nur“ nach Punkten siegen – und lediglich gegen den hölzernen 2,02-Meter-Riesen Cojanu fiel das Urteil einstimmig aus.

Ohnehin erlangte Parker seinen Titel unter ziemlich glücklichen Umständen. Weil der Brite Tyson Fury seine Titel nach WBA- und WBO-Version aufgrund von Drogenproblemen, Dopingvergehen und Depressionen 2016 loswurde, entschied die WBO anhand der Rangliste, dass die bis dato unbezwungenen Ruiz und Parker um den vakanten Gürtel boxen durften. Parker nutzte seine Chance am 10. Dezember 2016 und siegte nach Punkten.

Ein spektakulärer Auftritt war es nicht, eher ein zähes Abnutzungsgefecht, in dem nicht wenige den US-Amerikaner vorn sahen. Andererseits wäre es töricht, Parker, diesen bulligen Normalausleger aus der wunderschönen Stadt Auckland, zu unterschätzen. Das 1,93 Meter große, kompakte Kraftpaket (Reichweite 1,98 Meter), hat an guten Tagen einen echten Dampfhammer in seinem rechten Handschuh. Und, so sagt man in Neuseeland: In seiner Brust schlägt das Herz eines unerschrockenen Kriegers.

Zweifel gibt es hingegen an Parkers Kinn, das noch keinem allzu ernsthaften Test unterzogen wurde, und an seiner Fitness: Der „Kiwi“ schleppt schon seit Jahren eine kleine Portion Babyspeck mit sich herum. Joshua lästerte deshalb in einem BBC-Interview: „Er sieht aus wie ein Kuchenesser, wahrscheinlich genehmigt er sich auch gerne mal ein Bier. Für mich ist er der König der Kuchen.“ Der Konter ließ nicht allzu lang auf sich warten: „Sie mögen mich den König der Kuchen nennen“, teilte der 112-Kilo-Mann in Richtung des Joshua-Lagers aus: „Ich nenne ihn den König der Steroide. Wenn man so groß und gleichzeitig so muskulös ist, kann etwas nicht stimmen. Ich bezichtige ihn nicht des Steroid-Missbrauchs, aber ich sage, es ist möglich. Es gibt viele Wege, einen Dopingtest zu umgehen.“

Parker weiß nur zu gut, wovon er spricht: Im vergangenen Sommer, kurz nach dem Cojanu-Kampf, erhielt der frisch gebackene WBO-Titelverteidiger Besuch von Dopingfahndern in seinem Camp in Las Vegas. Das Problem: Parker war nicht, wie angegeben, dort anzutreffen. Er lag angeblich auf Samoa am Strand. Dass einige Beobachter daraufhin die Augenbrauen hoben, wollte seine Promoting-Firma Duco Events jedoch nicht so stehen lassen: „Joseph hatte einfach seinen Urlaub ein wenig verlängert und vergessen, dies ins Anti-Doping-System einzutragen.“ So einfach? Parker tat jedenfalls gut daran, sich für seine Dopinganschuldigungen gegen Joshua zu entschuldigen – wenn auch erst einige Tage später.

„Das ging Joshua unter die Haut“

Dennoch ist der mediale Schlagabtausch vor der ersten Runde weiter in vollem Gange, mit leichten Vorteilen für Parker: Dessen Team veröffentlichte bis dato unbekanntes Videomaterial, das Joshua in durchaus unkomfortablen Situationen im Ring zeigt. Der Neuseeländer triumphierte anschließend: „Ich glaube, das mit dem Video ist Joshua unter die Haut gegangen, und das gehört ja durchaus zum Spiel dazu. Ich denke, fürs Erste haben wir einen guten Job gemacht, um das Joshua-Lager ein wenig zu verunsichern. Er ist jetzt ein bisschen aufgewühlt – aber das könnte ihn natürlich noch gefährlicher machen, wer weiß.“ In jedem Fall hat die Aktion den außerhalb Neuseelands eher unbekannten Parker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Zuvor verlief die Karriere des früheren Rugby-Spielers eher unspektakulär. Als Amateurboxer verpasste Parker die Qualifikation für sein größtes Ziel: die Olympischen Sommerspiele 2012 in London, bei denen sein kommender Gegner Joshua sich am Ende die Goldmedaille umhängen ließ. Parkers größte Erfolge im Amateurlager waren die Teilnahme an den Commonwealth Games 2010, wo er im Viertelfinale unglücklich ausschied, und eine Goldmedaille bei der 2012er-Ausgabe des alljährlichen „Belgrade Winners Tournament“ in Serbien.

Als Joseph Parker noch im selben Jahr ins Profilager wechselte, galt der damals 20-Jährige nicht gerade als kommender Weltmeister. Doch immerhin: Seine ersten vier Kämpfe, allesamt gegen Landsleute und in kleinen Sälen, gewann der heutige Champ vorzeitig. Im sechsten Auftritt bekam Parker dann endlich einen großen Namen vor die Fäuste – wenn auch einen, der bereits Rost angesetzt hatte: Der Südafrikaner Francois „Frans“ Botha, einst Bezwinger von Axel Schulz im Kampf um den IBF-Gürtel, war bei seinem Auftritt gegen den Neuseeländer (2013) bereits 45 und ging in Runde zwei bereitwillig zu Boden. Erst allmählich wurden die Opponenten von da an besser. Behutsamer Aufbau, sagen die einen. Andere behaupten: Parker hätte gern früher gegen Topleute geboxt – er war nur zu unbekannt.

„Wenn du aus Neuseeland kommst, brauchst du vielleicht ein bisschen länger, um dir im Boxen einen Namen zu machen“, sagt Parker achselzuckend. „Aber mittlerweile habe ich bewiesen, was ich kann. Und ich will den Leuten noch viel mehr davon zeigen.“ Parker weiß genau, dass er im Joshua-Lager nur als Zwischenziel auf dem Weg zum ultimativen Vereinigungskampf zwischen dem britischen Klitschko-Bezwinger und dem US-Boy Deontay Wilder gilt. Andererseits ist der Titel „Undisputed Heavyweight Champion of the World“ auch für ihn womöglich nur mehr zwei Siege entfernt: Parker dürfte im Falle eines Sieges alles daran setzen, schnellstmöglich einen Vertrag mit WBC-Champ Wilder zu fixieren. Anschließend könnte der Underdog von Down Under von ganz, ganz oben grüßen.

„Whopper“ für Neuseeland

Für seinen großen Traum vom weltweiten Ruhm hat Joseph Parker bislang vieles geopfert. Als seine Frau Laine Tavita im November 2016 das gemeinsame Töchterchen Elizabeth zur Welt brachte, schwitzte der Schwergewichtler gerade im Camp in Las Vegas, um sich auf den WM-Fight gegen Ruiz vorzubereiten. Einige Tage zuvor hatte Parker bereits die Hochzeit seiner geliebten Schwester, die ebenfalls Elizabeth heißt, sausen lassen. Immerhin konnte er die Trauungszeremonie via Skype verfolgen. Und als kleine Wiedergutmachung widmete er Schwester und Tochter später den Titel. „Alles was ich jemals gewinne, gewinne ich für meine wunderbare Familie“, sagt Joseph Parker. Und es klingt, als habe er noch eine Menge vor.

Daheim in Down Under dürften übrigens nicht nur Box-, sondern auch Burger-Fans auf einen Sieg ihres Landsmanns über Joshua hoffen. Dann könnte Parkers persönlicher Sponsor, eine US-Hamburger-Kette, einmal mehr zum Run auf seine Restaurants blasen und „Whopper“ für nur zwei neuseeländische Dollar verkaufen. Nachdem Parker den WM-­Titel erboxt hatte, gingen bei einer solchen Aktion fast 140.000 Burger über neuseeländische Ladentheken – in nur sechs Stunden. Schafft der „Kiwi“ also am 31. März die Überraschung, wäre er nicht mehr der Kuchen-König, sondern der Burger-King.

Text: Rolf Heßbrügge

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Imago/Action Plus