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Kommentar: Kelly Pavlik verliert gegen die Dämonen

Ab jetzt Ex-Boxer: Kelly Pavlik
Ab jetzt Ex-Boxer: Kelly Pavlik

 

Youngstown - Kelly Pavlik steigt aus aus der Jagd um Titel und Millionen. Der frühere Weltmeister im Mittelgewicht macht Schluss mit dem Boxen - mit 30 Jahren. Das gab der Amerikaner in der Nacht bekannt. Weil sein Duell mit Supermittelgewichts-König Andre Ward zweimal angesetzt und zweimal abgesagt worden war, ist er entnervt. Ihm fehle die Motivation, sich weiter im Training zu quälen, teilte Pavlik mit. Das ist nachvollziehbar. Außerdem habe er Angst um seine Gesundheit, wenn er weiterboxe, erklärte der einst furchtlose Kämpfer. Ob er denn mit 60 noch fit sei im Kopf? Das ist weniger einleuchtend. Eine Rückkehr in den Ring galt zuletzt gar als Therapiemaßnahme für den problembeladenen Pavlik.

 

Zuvor hatte er in seiner ehemals bedeutenden aber heute so von der Wirtschaftskrise gebeutelten Heimatstadt Youngstown im US-Bundesstaat Ohio in den Tag hinein gedämmert. Im einstigen Zentrum der amerikanischen Stahlindustrie gönnte sich Pavlik gerne mal ein Feierabendbier - er ließ allerdings die Arbeit vor dem Trinken weg. Und setzte sich dennoch manches Mal ans Steuer seines Wagens, weil er ja nicht mehr nach Hause laufen konnte. Was die Polizei als Begründung jedoch seltsamerweise nicht durchgehen ließ.

 

Aber auch nach dem Aufenthalt in einer Entzugsklinik ging es munter weiter. So musste gar die Polizei zum Elternhaus Pavlik ausrücken, weil es eine handfeste Auseinandersetzung unter Brüdern gegeben hatte. Einer war dabei sogar durch das - wichtig: geschlossene - Fenster geflogen. Gehauen und geworfen ja, getrunken nein, gab Kelly Pavlik anschließend zu Protokoll.

 

Was also tun? Der Boxer musste schleunigst zurück in den Ring und schleunigst raus aus dem gottverlassenen Youngstown. Im nicht eben idyllischen, aber immerhin im Sonnenstaat Kalifornien gelegenen Oxnard sollte bei Trainer Robert Garcia der Neuanfang gelingen. Drei Kämpfe folgten - drei Siege. Die einst gespenstische Blässe Pavliks, die ihm schon als Kind den Spitz- und späteren

Kampfnamen "Geist" eingebracht hatte, war großflächigen Tätowierungen gewichen: die heilige Mutter Maria, ein Kreuz, ein Heiligenschein, man kennt das ja. Aber die Dämonen sind geblieben. Ein bisschen Tinte auf der Haut, ein bisschen kalifornischer Sonnenschein können da anscheinend nicht viel ausrichten.

 

So schließt Pavlik nun das Kapitel Boxkarriere, das Projekt Comeback ist gescheitert. Dabei rückt das Wesentliche fast in den Hintergrund: Pavlik schaffte im Ring, was ihm keiner zugetraut hatte. Er boxte sich zum unumstrittenen Weltmeister im Mittelgewicht durch, hielt sich drei Jahre lang an der Spitze und verlor in 42 Kämpfen lediglich gegen die Legende und künftigen Hall-of-Famer Bernard Hopkins und gegen den heutigen Mittelgewichts-König Sergio Martinez. Das ist aller Ehren wert. Wie gern hätten wir ihn nun noch weiter im Supermittelgewicht gesehen! Gegen den übermächtigen Ward, vielleicht aber auch gegen den Berliner Arthur Abraham!

 

Nun heißt es für Kelly Pavlik also: Raus aus dem Ring, zurück nach Youngstown. Dort will er ein Gym eröffnen. Ob das tatsächlich gesünder ist als weiterzuboxen, darf bezweifelt werden.