Tobias Drews über Culcay vs. Baraou und Feigenbutz vs. Saidi

Am 28. trifft der Ex-WBA-World-Champ und amtierende WBO-International-Meister Jack Culcay (28-4, 13 K.o.) auf Abass Baraou (9-0, 6 K.o.), den WBC-International-Champ aus dem Team Sauerland. Und...

Mike Tyson plant „Legends Only League“

„League of Legends“ ist einer der großen Moneymaker des E-Sports, in dem junge Spieler in Teams für ein junges Publikum gegeneinander antreten. Mike Tyson (50-6, 44 K.o.) könnte das populäre Game...

Universum-Schwergewichtler Kossobutskiy siegt in Minsk

Schwergewichtler Zhan Kossobutskiy siegte am Dienstag Abend in den Television Studios Minsk, Belarus, im Kampf über zehn Runden gegen den starken Polen Kamil Sokolowski durch K.O.

Bereits...

Tom Loeffler bringt Klitschko-Comeback ins Gespräch

Boxer-Comebacks werden derzeit reihenweise angekündigt: Evander Holyfield (44-10-2, 29 K.o.), Oscar de la Hoya (39-6, 30 K.o.) und Riddick Bowe (43-1, 33 K.o.) haben schon davon gesprochen, Mike...

Dopingtest als Problem beim Tyson-Comeback?

Seit kurzem ist es offiziell: Mike Tyson (50-6, 44 K.o.) wird sein Comeback mit einem Schaukampf gegen Roy Jones jr. (66-9, 47 K.o.) geben (...

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News

Leserstory: „Durch Boxen verdaue ich mein Leben leichter“

Die Autorin und ihr Trainer
Die Autorin und ihr Trainer

BOXSPORT erhielt diese Geschichte von unserer Leserin Kader Kushan und möchten die persönliche Story hier veröffentlichen. Es geht um die Bedeutung, die das Boxen nicht nur als Freizeitbeschäftigung für die Kämpferin hat.

Ich möchte euch die Geschichte meines Lebens erzählen. Vor paar Jahren erkrankte mein Vater. Durch ein Schlaganfall ist er seitdem 100% behindert. Er kann nicht sprechen, er kann nicht selbstständig atmen. Es war für mich das Schlimmste, was passieren konnte. Mein Vater, der Mann, der immer so unglaublich stark war. Der mein Vorbild ist und mir alles mit Ruhe und Geduld beigebracht hat. Meine Mutter hatte nach diesem Geschehen komplett den Verstand verloren und mein Bruder, der psychisch krank ist, hat sich komplett in den Sumpf geworfen. So stand jetzt ich da, ganz alleine, kämpfte tagtäglich mit Ärzten, Behörden etc. Kämpfe um das Leben meines Vaters. Bis heute wirft man mir vor, warum ich das tue. Weil ich meinen Vater liebe und noch nie einen Menschen gesehen habe, der soviel Lebenswillen zeigt. Ich war an dem Moment in meinem Leben, wo ich das Gefühl hatte, ich lebe oder lebe nicht. Ich wurde immer depressiver und meine Welt immer schwarzer. Ich überlegte mir immer wieder einen einfachen Tod zu wählen; ja, ich war ein Feigling und wollte einfach aufgeben.

Mein Vater wollte immer wieder nach Hause. Da wir leider finanziell nicht stark genug waren, um eine größere Wohnung für so einen kranken Menschen anzuschaffen, beschloss ich einfach auszuziehen. Mein Bruder war in der Zeit in der Psychiatrie, sodass er nicht darüber denken musste. Ich packte meine Sachen und war ohne Wohnsitz. Meine Freundin nahm mich auf; ich verbrachte zwei Monate bei ihr. Endlich fand ich eine Wohnung, die Wohnung war wunderschön und ich hab sie auch bekommen. Ich bekam zugleich leider immer häufiger Probleme mit meiner Arbeit, da ich sehr unkonzentriert war und so viele Fehler machte. Eines Tages ging ich nach der Pflege meines Vaters zum Boxen. Unser Trainer Robert sprach mich an, ob ich ein Fahrrad benötige. Wir organisierten einen Termin und währenddessen plauderte er mit mir und gab mir das Angebot, ab und zu im Park zu trainieren. Ich ging davon aus, dass er das nur sagte, weil er Mitleid hatte, da ich in dieser Zeit auch optisch nicht gesund aussah.

Es passierte, er nahm ein paar Pratzen und wir gingen in den Park. Er erklärte mir immer und immer wieder, wie ich zu schlagen hatte. Ich hatte einen Moment in meinem Leben, an dem ich meine ganzen Probleme vergessen hatte und mich nur auf das Boxen konzentrierte. Ich saugte alles auf, was er mir erzählte, kaufte mir Bücher, schaute im Internet, übte immer wieder, ob ich auf der Arbeit war oder bei Papa, ich versuchte es immer wieder. Robert beschloss mit mir öfters zu trainieren und ich zeigte ihm, wie sehr ich das Lernen mag. In der Halle hatten wir wieder Übungen an den Sandsäcken; da ich Robert so gern eine Bestleistung zeigen wollte. knallte ich immer wieder drauf. Ich spürte den Schmerz an den Händen, aber wollte es mir nicht anmerken lassen. Nach dem Training konnte ich die rechte Hand kaum bewegen. Ich musste zum Arzt und er sagte mir, dass die Hand gebrochen sei. In dem Moment brach für mich die Welt zusammen, aber ich hatte mich schnell wieder eingekriegt, nachdem ich mit Robert darüber gesprochen hatte. Ich fragte ihn, ob ich trotzdem kommen kann und nur mit der Linken arbeite. Er lachte und sagte: „Gut, wir machen‘s.“

Wir trainierten nur mit der Linken 45 Minuten an den Pratzen. Die ersten Tage waren furchtbar; ich konnte den linken Arm kaum noch bewegen, aber ich wollte kein Tag verpassen. Ich fuhr immer mit meinem Fahrrad mit enormer Geschwindigkeit, sodass ich immer pünktlich da war, da ich keine Minute verpassen wollte. Sechs Wochen vergingen und ich durfte endlich wieder normal das Boxen lernen. Leider wurden die Tage immer kürzer, da der Winter immer näher rückte. Ich trainierte mit Robert immer noch. Ob im Regen, Dunkelheit oder Schnee, wir haben nicht aufgehört. Ich konnte nicht mehr aufhören. Ich habe etwas im Leben erlebt, wo ich Fortschritte mache und mit dem ich mich beschäftigen kann. Es macht mir soviel Spass. Wir übten mitten im Wald, wir befestigten ein Flatterband an den Bäumen und bewegten uns mit dem Oberkörper und Schlägen hin und her. Wir hauten mit ein Riesenhammer oder nahmen eine Axt. Wir spielten im kalten Winter Basketball. Oder machten Gymnastikübungen. Es erinnerte mich an meine Kindheit , ich fühlte mich wieder Kind positiv sorgenlos und glücklich. ich war einfach frei. Er zeigte mir alles, was er wusste.

Robert ist eine lebende Legende für mich, mein Lebensretter. Wer weiß, vielleicht auch der Boxer mit Flügeln. Es ist für mich eine Ehre diese Momente zu erleben und sein Wissen weiter zu erben. Der Boxsport ist nicht nur eine Aktivität. es verzaubert dich, es fühlt sich so an, als ob man jeden Tag Stück für Stück sich und seinen Körper neu kennenlernt. Mittlerweile verdaue ich mein Leben leichter, die Probleme sind da, aber der Unterschied ist, ich stehe heute wieder auf. Egal wie oft ich hinfalle, ich stehe immer wieder auf. Ich möchte euch damit sagen, es ist nicht wichtig, ob ich Trophäen besitze oder Geld dafür verdiene, es ist wichtig, dass ich es liebe und meine Liebe zum Boxen nie verlieren werde. Ich bin heute eine selbstbewusste Frau, die weiß, was sie will, die ihre Familie ganz fest im Arm hält und alles versucht, um sie nicht zu verlieren.

Nehmt euch in acht, wenn ihr die kleine Boxerin mit der lebenden Legende beim Sparring im Park seht ;)

Text: Kader Kushan

Foto: 

Privat