Hearn und de la Hoya zoffen sich wegen Canelo-Fight

Am 7. Mai erlebte Pound-for-Pound-Star Saul „Canelo“ Alvarez (57-2-2, 39 K.o.) eine böse Überraschung, als er bei seinem zweiten Ausflug ins Halbschwer beim Fight gegen Dmitry Bivol (20-0, 11 K.o...

Die Jugendboxer im DBS-Boxring

Im Anschluss an die Einmarschmusik von Strauß „Also sprach Zarathustra“ sahen knapp 200 Teilnehmer und Zuschauer (Frauen und Schüler hatten freien Eintritt) Anfang Mai in der Tremonia-Turnhalle am...

Pflichtherausforderer-Chaos: Josh Taylor verliert Gürtel

Mit einem kontrovers diskutierten Split-Decision-Sieg über Jack Catterall (26-1, 13 K.o.) hatte sich Josh Taylor (19-0, 13 K.o.) als Undisputed Champion im Halbwelter behauptet (...

Amir Khan geht in den Ruhestand

Kürzlich hatte Kell Brook (40-3, 28 K.o.) seinen Ruhestand verkündet (BOXSPORT berichtete), wenige Tage später zog...

Heute vor 20 Jahren: Gatti vs. Ward I

Als Arturo Gatti (40-9, 31 K.o.) und Micky Ward (38-13, 27 K.o.) am 18. Mai 2002 aufeinandertrafen, konnte im Vorfeld kaum jemand ahnen, was aus diesem Kampf entstehen würde. Gatti suchte nach...

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Maske: „Olympia-Absage? Wäre für jeden Beteiligten eine Tragödie“

Maske: „Olympia-Absage? Wäre für jeden eine Tragödie“

Wenn die ARD am 28. März in Magdeburg wieder zum Boxen zurückkehrt, wird auch Henry Maske (56) als TV-Experte dabei sein. BOXSPORT sprach auf einem Pressetermin von Ausrichter SES-Boxing mit dem deutschen Box-Idol über das Box-Comeback im „Ersten“, das Potenzial von Halbschwergewichts-Champion Dominic Bösel sowie über die Gefährdung von Olympia 2020 durch den Coronavirus.

Herr Maske, Sie waren schon beim letzten Kampf in Magdeburg dabei, als sich Dominic Bösel im November 2019 den WM-Gürtel der IBO geholt hat. Was erwarten Sie jetzt von der Veranstaltung am 28. März?

Henry Maske: Die Magdeburger „kleben“ förmlich am Boxsport, im positiven Sinne! Sie haben über die Jahre eine starke emotionale Bindung aufgebaut, nicht zuletzt weil auch Sven Ottke früher oft in Magdeburg gekämpft hat. Ich wünsche mir für den 28. März, dass auch die Zuschauer am Bildschirm spüren werden, was in der Halle passiert. Damit meine ich nicht nur das Geschehen im Ring, sondern auch diese ganz besondere Atmosphäre, die dort herrscht. Ich bin überzeugt, dass sich die Fans in Magdeburg darauf freuen, wieder so einen Abend miterleben zu dürfen. Vor allem Dominic hat schon fast eine „Verpflichtung“, dem großen Rahmen einer ARD-Übertragung gerecht zu werden. Da mache ich mir allerdings wenig Sorgen, denn mit seinen 30 Jahren ist er inzwischen erfahren genug. Dominic wird genau da weitermachen, wo er bei seinem Sieg am 16. November in Halle aufgehört hat.

Die ARD gibt mit der Übertragung ihr Comeback im Profiboxen. Auf welche Faktoren wird es ankommen, um die Zuschauer zu begeistern, auch für künftige Box-Events?

Bevor der Gong ertönt, wird der Sender zunächst versuchen, die Zuschauer entsprechend einzustimmen. Doch am Ende sind für den Erfolg der Veranstaltung die Leistungen der Boxer entscheidend – das, was im Ring passiert, muss die Leute ansprechen. Dieses Gefühl muss den Zuschauern von Beginn an vermittelt, eine gewisse Spannung aufgebaut werden. Ist das geschafft, bleiben die Zuschauer live dabei. Werbung für so einen Boxabend macht im Vorfeld nur Sinn, wenn das, was versprochen wurde, auch eingehalten wird. Und dafür sind die Akteure im Ring verantwortlich.

Halschwergewichtler Dominic Bösel wird gerne als „nächster Henry Maske“ tituliert. Welches Potenzial sehen Sie in ihm?

Er ist gut aufgestellt. Auch sein Trainer Dirk Dzemski hat in vielen Bereichen nachgewiesen, dass er mit Herz und Verstand agiert. Ich glaube, dass die beiden eine gute Vertrauensbasis aufgebaut haben, ich weiß aber zu wenig darüber, wie sich Dominic und Dirk im Alltag permanent mit dem Sport auseinandersetzen. Ich wünsche Dominic jedenfalls, dass er die nötigen Chancen im Ring, aber auch zwischen den Kämpfen nutzt, um sich stetig zu verbessern und weiter zu lernen. Es sind ja nicht immer nur großartige Momente, die man im Ring erfährt. Dominics letzter Wettkampf hat zwar zu Recht zum Sieg geführt, es gab aber auch ein paar Situationen mit Verbesserungspotenzial. Auch wenn ich mir früher meine Kämpfe angeschaut habe, dachte ich an manchen Stellen: Gott im Himmel, was hast du da schon wieder gemacht …

Wilfried Sauerland sagte im BOXSPORT-Interview, dass er ein deutsch-deutsches Duell zwischen Leon Brunn aus dem Sauerland-Stall und Dominic Bösel bevorzugt hätte. Was halten Sie von dieser Idee?

So ein Duell würde am Ende immer eine positive Reaktion folgen lassen, weil beide ein gewisses Publikum angesprechen und man so eine noch stärkere Resonanz hätte. Ich würde aber sagen, und das weiß Wilfried Sauerland auch: Lassen wir so etwas doch erst einmal wachsen, und jeden Boxer für sich.

Im Juni steigt in Köln der zweite internationale „Cologne Boxing World Cup“ als Nachfolge-Turnier für den legendären Chemiepokal. Werden Sie die Veranstaltung wie im Vorjahr besuchen?

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Aber was ich bereits definitiv sagen kann: Das, was die Verantwortlichen beim Cologne Boxing World Cup im letzten Jahr geleistet haben, war hervorragend. Die Akteure hatten internationale Klasse, und das Turnier hatte schon ein wenig Olympia-Feeling. Auch wenn es schade ist, dass die Veranstaltung aus Halle weggegangen ist. Denn so einen traditionsreichen Ort zu verlassen, das  geschieht sicher nicht freiwillig. Für die Stadt Köln freue ich mich, für die Historie aber ist es schade.

Welche Erinnerungen verbinden Sie persönlich mit dem Chemiepokal?

Ich habe in Halle 1983 meinen zweiten Kampf gleich gegen ein kubanischen Olympiasieger bestritten und gewonnen, gegen Jose Gomez. Das hat mir ermöglicht, mich international zu präsentieren zu dürfen. Mit einer Ausnahme, habe ich das Turnier sonst jedes Mal gewonnen. Das der Chemiepokal als internationales Topturnier letztlich so lange durchgehalten hat, zeigt, wie wichtig es den Akteuren war.

Sie waren selbst bei Olympia erfolgreich, holten 1988 in Seoul die Goldmedaille. Aktuell bedroht der Coronavirus die Austragung der Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Wie bitter wäre eine Absage für die Athleten?

Als Athlet geht es dir wie den meisten anderen Leuten: Du hast keine Ahnung davon und weißt nicht, was auf dich zukommen könnte, zukommen kann und zukommen wird. Der Eine sagt dir, dass wir alle nur übertreiben. Der Nächste aber behauptet, dass wir noch gar nicht wissen, was mit diesem Virus auf uns zukommt. Dass die Menschen sich intensiv Gedanken machen ist selbstverständlich. Dazu gehört auch, dass die Verantwortlichen unheimlich sensibel mit solchen Großveranstaltungen umgehen. Olympische Spiele werden über Jahre vorbereitet, sie sind für das ausrichtende Land ein Riesenereignis. Wenn eine solcher Event dann am Ende abgesagt werden muss, dann ist das für jeden Beteiligten eine Tragödie und ganz besonders für die Sportlerinnen und Sportler.

Sie haben Ähnliches in den 80er-Jahren selbst miterlebt.

Das war 1984, als ich nicht zu den Olympischen Spielen nach Los Angeles fahren durfte. Grund war der Boykott der sogenannten Ostblock-Staaten. Der Westen hatte die Spiele 1980 in Moskau boykottiert, der Osten dann vier Jahre später. Eine politische Angelegenheit, die auf dem Rücken von uns Sportlern ausgetragen wurde. Für mich war das zum Glück zu dieser Zeit gedanklich noch etwas verkraftbarer, weil ich mir gesagt habe: Okay, du bist noch jung und bekommst deine Chance noch. Aber egal, in welcher Situation es einen trifft: Einen solchen Event zu verpassen ist sehr traurig. Es gibt aus meiner heutigen Sicht nichts, was in meiner Karriere den Olympiasieg von 1988 getoppt hat.

Interview: Frank Schwantes


 

Foto: 

imago images / Ed Gar