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„Mexican Style“: Stoff für Legenden

Gennady Golovkin provoziert Canelo Alvarez, indem er sich als den wahren Mexikaner im Ring sieht. Doch was ist der „Mexican Style“ wirklich? Wer wurde damit berühmt – und welche Bedeutung hat er im Boxsport?

Text: Marius Bolduan

Der 16. September, 2017. Noch einmal wird es richtig laut in Las Vegas. Saul „Canelo“ Alvarez und Gennady Golovkin feuern letzte harte Schläge aufeinander ab, die Münder sind schon weit geöffnet, die Kraftreserven aufgebraucht, schließlich der Schlussgong. Sichtlich erschöpft, aber mit stolz geschwellter Brust marschieren beide durch den Ring, strecken siegesgewiss die Arme in die Höhe. Trainer, Sekundanten, Freunde stürmen den Ring, schultern und feiern ihren Champion, unbeirrbar darin, dass ihr Mann in Kürze als Sieger verkündet wird.

Der Rest ist bekannt. Ein umstrittenes Unentschieden, ein geplatztes Rematch, die verbotene Substanz Clenbuterol im Blut des bulligen Rotschopfes und endlich dann doch die mühsam erzielte Einigung auf eine Wiederholung, erneut in der amerikanischen Glücksspielmetropole. Der Respekt, mit dem sich die beiden Elite-Mittelgewichtler bis zu ihrem ersten Aufeinandertreffen begegneten, ist jedoch endgültig dahin. Aus dem sportlichen Duell ist ein persönlicher Krieg geworden. Es geht um Stolz und Ehre, zwei antiquiert scheinende Attribute in einem gefährlichen Sport, dessen Protagonisten in ihrer Karriereplanung zumeist darauf bedacht sind, maximalen finanziellen Ertrag bei möglichst geringem Risiko zu erzielen.

Erste Giftpfeile schoss Golovkin. „Ich will kämpfen und nicht rennen. Wenn ich rennen will, gehe ich ins Stadion.“ Abel Sanchez, der Trainer von Triple-G, machte ebenfalls keinen Hehl aus seiner Ablehnung von Canelos Defensivstrategie und forderte diesen auf, seinen Schützling in der Mitte des Rings zu treffen. „Wenn er lediglich hier und da mal einen Schlag aus Verlegenheit anbringt und sonst nur vor uns wegläuft, wird es schwer. Aber wenn er sich Golovkin stellt und versucht, ihn auszuknocken, wird es einen Schlagabtausch geben, und einer wird zu Boden gehen.“

Die Verbalangriffe treffen Canelo ins Herz. In seiner Heimat ist er über die Grenzen des Sportpublikums hinaus eine Berühmtheit, ein Idol, und steht am Ende einer langen Ahnenreihe mexikanischer Boxer, die wie Volkshelden verehrt werden. Unter Schmerzen registriert er, wie sein Widersacher Teile der mexikanischen und hispanischen Fangemeinde für sich gewinnen kann. Golovkin, für den Abel Sanchez Trainer und Vaterfigur zugleich ist, fand schnell Gefallen an dessen Philosophie vom angriffslustigen Boxen und bekundete seine Liebe zur mexikanischen Tradition: „Nicht zu viel bewegen, nicht zu viel herumtanzen. Vorwärts gehen, fighten und dem Publikum eine gute Show bieten. Ich habe mexikanisches Blut in mir. Ich liebe den Mexican Style….“

Die gesamte Story zum „Mexican Style“ und noch vieles mehr finden Sie in der neuen BOXSPORT-Ausgabe 10/2018 - jetzt am Kiosk!

Foto: 

PA/AP Photo