Vom 10. bis zum 13. April steigt dieses Jahr der neue „Cologne Boxing World Cup“ in der Sporthalle Süd in Köln. Das Turnier gilt als „geistiger Nachfolger“ des traditionsreichen Chemiepokals und...

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Olympia-Helden von morgen

Ab dem 9. April steigen Spitzen-Amateurboxer aus aller Welt in der Sporthalle Süd in Köln in den Ring, um beim „Cologne Boxing World Cup“ um Medaillen zu kämpfen. Der Vorläufer dieses neuen Turniers ist kein Geringerer als der legendäre Chemiepokal.

Henry Maske. Vitali Klitschko. Torsten May. Axel Schulz. Markus Beyer. Dariusz Michalczewski. Sven Ottke … Die Siegerliste des Chemiepokals liest sich wie das Who-is-Who des deutschen Boxsports. Seit 1970 eine feste Institution im Kalender des sogenannten olympischen Boxens, hatte das traditionsreiche Turnier seine Heimat stets in Halle an der Saale. Doch das ändert sich in diesem Jahr: Den Chemiepokal wird es nicht mehr geben, zumindest nicht in dieser Form. Stattdessen klettern vom 9. bis 13. April Spitzen-Amateure aus der ganzen Welt erstmals beim „Cologne Boxing World Cup“ in Köln in den Ring.

Am 22. Januar teilte der Deutsche Boxsport-Verband (DBV) mit, dass die 46. Auflage des Chemiepokals in Halle abgesagt sei. Der Verband führte „drastische Reduzierungen von Fördermitteln“ seitens des Landes Sachsen-Anhalt sowie „nicht erfüllbare bürokratische Auflagen“ als Gründe an. Auf der Suche nach einem alternativen Austragungsort für einen internationalen Top-Event im olympischen Boxen wurden die DBV-Verantwortlichen schließlich in Köln fündig.
„Wir sind sehr froh darüber, dass es in kurzer Zeit gelungen ist, die Finanzierung des Turniers durch unbürokratische und schnelle Hilfe durch das Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Köln sicherzustellen“, lobt DBV-Präsident Jürgen Kyas. „Das Gleiche gilt für die spontane Bereitschaft des traditionsreichen Boxvereins SC Colonia 06 Köln, die Ausrichtung der Veranstaltung zu übernehmen.“

Vertrag bis 2024

So groß die Trauer der Fans an der Saale über die Absage ist, so groß ist die Freude der Anhänger in der Domstadt über das neue Boxturnier, das nun in der Sporthalle Süd ausgetragen wird. Für die Stadt jedenfalls soll der Cologne Boxing World Cup zu einer festen Institution werden. „Wir haben einen Vertrag mit dem DBV bis 2024 geschlossen“, erklärt Horst Meyer, stellvertretender Leiter des Sportamtes der Stadt Köln, „nur für ein Jahr wären wir nicht angetreten.“ Schließlich müsse man im ersten Jahr die nötige Aufbauarbeit leisten und im Anschluss dafür sorgen, dass sich eine solche Veranstaltung etablieren könne. Zudem wollen die Verantwortlichen jene Sportarten wieder verstärkt ins Rampenlicht holen, die in Köln eine Geschichte haben. „Dazu gehört auch das Boxen“, sagt Meyer.

Überhaupt sei der Weg, den das Amateurboxen zuletzt in der Domstadt wieder eingeschlagen habe, ein hoffnungsvoller. „Die Deutschen Jugendmeisterschaften U18 werden vom SC Colonia Jahr für Jahr erfolgreich in der Sporthalle Süd ausgerichtet“, betont Meyer, der im Sportamt zugleich die Abteilung „Sport-Events“ verantwortet. Außerdem hat Köln (gegenüber Münster) den Vorzug als Bundesstützpunkt für das olympische Boxen erhalten. Insofern sei es folgerichtig, dass der DBV mit der Vergabe des Spitzenturniers nach Köln den hiesigen Box-Standort weiter stärken wolle. Einziger Wermutstropfen: Das traditionsreiche Turnier wird in Köln nicht unter dem weltweit bekannten Namen „Chemiepokal“ stattfinden. Hintergrund sei ein Streit um die Namens- und Markenrechte. Denn diese soll sich der Landesboxverband Sachsen-Anhalt bis Ende 2023 gesichert haben.

Top-Athleten am Start

Welchen Zuspruch der neue Cologne Boxing World Cup tatsächlich erfahren wird, ist schwer abzusehen. Doch das Konzept der Macher im Kölner Sportamt ist langfristig angelegt. So wird der Event aktuell durch den DBV (Rechteinhaber), den SC Colonia 06 (örtlicher Veranstalter) das Land NRW (Mit-Finanzierer) sowie von der Stadt Köln getragen. „Die Finanzierung des Turniers ist durch die jetzigen Partner sichergestellt“, erklärt Meyer.

Deswegen gebe es gegenwärtig auch nicht den totalen Druck, kurzfristig weitere Sponsoren (der DBV bringt Adidas/Sportart3 mit) generieren zu müssen – diese sollen vielmehr für eine langfristige Partnerschaft gewonnen werden. Womöglich stößt noch der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hinzu, falls man sich auf eine Übertragung des diesjährigen Cologne Boxing World Cup im TV einigen kann.
Auch bezüglich der Location gebe es für die Zukunft verschieden Szenarien. So ist bei entsprechender Resonanz etwa die „Theater-Variante“ (rund 3.000 Plätze) in der Lanxess-Arena eine mögliche Alternative, ebenso wie eine Veranstaltung des Boxturniers in einem Hotel oder einer Industriebrache, die den nötigen „boxerischen“ Charme besitzt.

Und was dürfen die Boxfans in sportlicher Hinsicht vom Cologne Boxing World Cup erwarten? „Wir werden im Interesse unserer Athleten dieses Spitzenturnier durchführen. Dies ist in einem vorolympischen Jahr besonders wertvoll“, erläutert DBV-Sportdirektor Michael Müller. Heißt: Die deutschen Kader-Boxer, die sich beim „Nachfolger“ des Chemiepokals besonders stark präsentieren, punkten auch in der internen Qualifikation für die Spiele 2020 in Tokio. „Wir gehen davon aus, dass alle Top-Athleten hierherkommen“, erklärt Sportamts-Vize Meyer.

Der DBV habe zugesagt, mit seinen Spitzenboxern nach Köln zu kommen, „dies gilt für die Männer wie für die Frauen“. Fest steht bereits auch die Teilnahme von international führenden Box-Nationen wie Kuba und den USA. „Wir gehen davon aus, dass der Cologne Boxing World Cup schon im ersten Jahr einen sehr hohen Stellenwert erreichen wird“, sagt Horst Meyer zuversichtlich. „Diesen wollen wir dann in den nächsten Jahren noch weiter ausbauen.“

Text: Frank Schwantes

Foto: 

Imago/VIADATA