EM-Fight für Jama Saidi im September

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Arslan sichert sich WBA-Chance durch K.o.-Sieg

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Olympia 2021: Hamsat Shadalov verliert knapp

Für Federgewichtler (-57 kg) Hamsat Shadalov sind die Sommerspiele in Tokio leider bereits vorbei. Der Berliner, der als erster deutscher Boxer bei dieser Olympiade einen Kampf bestritt, unterlag...

WBO ordnet Crawford vs. Porter an

Nach dem Fight zwischen Manny Pacquiao (62-7-2, 39 K.o.) und Errol Spence jr. (27-0, 21 K.o.) am 21. August (...

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Hochkarätige Fightcard bei Fächer Sportmanagement – die Karlsruher Box-Promotion bringt die zweite Veranstaltung des Jahres im Home of Champions an den Start und kann dieses Mal die Boxfans auch...

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News

Richard Nowakowski: Zwischen zwei Welten

Der frühere Olympia-Teilnehmer Richard Nowakowski erlebte die Geschichte des geteilten Deutschlands hautnah, denn er lebte nicht nur sowohl in DDR und BRD, sondern trat auch für beide Staaten zu Box-Wettkämpfen an. Über einen, der den Eisernen Vorhang durchbrach.

Viel bunter als das des Schweriner Boxers Richard Nowakowski kann ein Leben kaum sein. Der einstige Ring-Held kann mit mittlerweile 65 Jahren auf ein Leben mit Höhen und Tiefen zurückblicken. Seine sportliche Bilanz besitzt Seltenheitswert. Über 300 Amateurkämpfe, Olympia-Silber 1976 und Bronze 1980, zwei Mal Europameister, fünf Mal DDR-Meister, BRD-Meister und Sieger bei zehn Turnieren wie dem Chemiepokal in Halle/Saale, dem Feliks-Stamm-Turnier in Warschau, dem Berliner TSC-Turnier oder dem „Giraldo Cordova Cardin“ auf Kuba. Bei Länderkämpfen war der Leichtgewichtler für die DDR-Auswahltrainer wie Günter Debert eine sichere Bank. Bei 17 Länderkämpfen, unter anderem gegen die UdSSR, die USA oder Polen, verlor Richard nicht ein einziges Faustgefecht.

„Ich hatte einen Hammer, wie ein Ochse. Bei den DDR-Meisterschaften boxten die Jungs überhaupt nicht gern gegen mich“, blickt Nowakowski kurz zurück. Seine Biografie kann nur von einem Deutschen der Nachkriegsgeneration geschrieben werden. 1955 kam er im ehemals pommerschen Stuhm (Sztum in Polen) südlich von Danzig zur Welt. „1958 machten sich meine Eltern als Spätaussiedler auf den Weg. Wir zogen nach Lübeck.“ Lange blieb die Familie mit vier Kindern nicht dort. „Meine Eltern wussten nicht, wohin mit uns Kindern, wenn sie zur Arbeit gingen. Also hörten sie sich bei Bekannten und Verwandten um und zogen schon bald vom Westen in den Osten; nach Ribnitz-Dammgarten in Mecklenburg-Vorpommern. Dort gab es im Kindergarten die Tagesbetreuung für uns“, erinnert sich der Jubilar.

„Ich habe vor Wut gekocht“

Richard spielte bei Aufbau Ribnitz zunächst Fußball, fand aber auch am Boxen Gefallen. Die Trainer dort erkannten schnell sein Talent und schickten ihn mit 13 Jahren auf die Kinder- und Jugendsportschule nach Schwerin. „Für meine sportliche Laufbahn war das ein Riesenglück. Ich kam zu Spitzentrainern wie Paul Nickel und später Fritz Sdunek“, erklärt Nowakowski, der Ehrenmitglied des SC Traktor Schwerin ist.

Beim olympischen Boxturnier in Montreal 1976 zog er gegen den Kubaner Angel Herrera den Kürzeren und gewann Silber, wofür er in der DDR mit dem „Vaterländischen Verdienstorden“ ausgezeichnet wurde. Herrera gewann übrigens vier Jahre später bei den Olympischen Spielen in Moskau seine zweite Goldmedaille. Als einzigem Boxer der DDR glückte auch Nowakowski ein zweiter Medaillengewinn. „Über das Ergebnis in Moskau ärgere ich mich heute noch“, gesteht Richard und erklärt uns: „Ich traf im Halbfinale auf Viktor Demyanenko. Der Russe hatte mich auf die Nase getroffen und ich blutete ein bisschen. Danach traf ich Demyanenko am Jochbein, dadurch zog er sich eine Platzwunde zu. Der Ringrichter unterbrach den Kampf. Er schickte mich wegen meiner Verletzung in die Ecke und brach den Kampf in der ersten Runde ab. Sicher kann man verstehen, dass ich vor Wut kochte. Mein Gegner war verletzt und ich musste gehen.“

Dafür hielt er sich bei anderen Ringauftritten schadlos. Der Olympia-Teilnehmer lernte zunächst Maschinen- und Anlagenmonteur und studierte später Pädagogik. Die Nowakowskis wohnten auf dem Dresch in Schwerin. „Von unserer Wohnung im elften Stock hatten wir einen wunderschönen Blick über die Stadt und die vielen Seen“, erinnert sich der Familienvater von vier Töchtern an alte Zeiten. Ein schwerer Schicksalsschlag traf die Familie 1981, als Richard mit seinem Auto unverschuldet in einen Unfall verwickelt und dabei sein mitfahrendes Kind tödlich verletzt wurde. Ein Jahr später bei den Weltmeisterschaften in München hatte sich Nowakowski wieder gefangen und holte die Bronzemedaille. Danach beendete er aber die aktive Karriere. „Ich stieg als Nachwuchstrainer in Schwerin ein.“ Das war er bis Anfang 1989, dann durfte er zum 75. Geburtstag seiner Oma nach Stuttgart reisen. Von dieser Reise kehrte er nicht mehr nach Schwerin zurück.

Es verschlug ihn nach Radolfzell am Bodensee. Dort kann man es aushalten. Der Ex-DDRler meldete sich sofort beim CSC Frankfurt und bestritt für die Hessen einige Kämpfe in der Bundesliga. Mit seinem Auftritt bei den Deutschen Amateur-Boxmeisterschaften im Oktober 1989 im damaligen Westberlin sorgte Nowakowski für einige Verwirrung. Zunächst sagte der AIBA-Generalsekretär Karl-Heinz Wehr (DDR) sein Kommen ab. Richard, inzwischen 34, trat dennoch an und vermöbelte die Konkurrenz auch sechs Jahre nach seinem Karriereende. Im Finale gewann der Ost-Flüchtling gegen den Ahlener Jörg Köster, der setzte sich nach dem Urteil in den Ring und verweigerte dem Sieger die Gratulation. Dabei zeigte sich der damalige DABV-Vize Heinz Birkle außer sich vor Ärger: „Wo kommen wir hin, wenn abgewrackte DDR-Boxer unsere Titel holen.“ Zur Weltmeisterschaft nach Moskau durfte der „Ossi“ dann auch nicht mitreisen. Später bestritt Nowakowski noch einige Kämpfe für den TSV Bayer Leverkusen, wo sein ehemaliger Trainer Fritz Sdunek ab 1990 gelandet war.

Auch heute noch erfolgreich

In Radolfzell beschäftigte sich der Boxer mit der Abfallwirtschaft und hatte damit den richtigen Riecher. „Schon ab 1991 schaute ich mich in Schwerin nach einem Grundstück um und gründete eine Recycling-Firma“, erzählt der mehrmalige Ex-Europameister. 1993 kehrte er als Unternehmer endgültig nach Schwerin zurück, wo er in der Ludwigsluster Chaussee eine Firma mit fünf Angestellten betreibt. „Wir haben einen Bagger und die entsprechenden Fahrzeuge, um Bauschutt und Sperrmüll zu beseitigen“, sagt Richard, der auch noch Immobilien in der Hinterhand hat. Es geht ihm nicht schlecht, und dann meint der einstige Haudrauf fast philosophisch: „Eines steht fest, in der Heimat ist es doch am schönsten.“

Text: Manfred Hönel

Diese Story erschien erstmals in BOXSPORT Ausgabe 10/20

Foto: 

IMAGO / Werner Schulze