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News

Rocky: Trainings-Abo beim Weltmeister auf Sizilien

Mario Hähne, Gastronom und langjähriger Freund von Graciano Rocchigiani (†54), erinnert sich im neuen Buch „Rocky – Unbeugsam bis zur letzten Runde“ an gemeinsame Erlebnisse mit der verstorbenen Ring-Legende. BOXSPORT veröffentlicht diesen und weitere Buch-Auszüge exklusiv, in denen Wegbegleiter, ehemalige Gegner im Ring und Freunde ihre ganz persönliche Rocky-Story erzählen.

von Mario Hähne

Ein Bild zu zeichnen von einem Mann, der so viele Facetten aufwei­sen konnte, ist nicht so einfach. Kennengelernt habe ich Graciano im Ku’damm-Karree »Bei Manne«. Keine Ahnung, aber es muss ungefähr vor 26 Jahren gewesen sein. Er lud mich mit meiner damaligen Beglei­tung zu einem Geburtstagsgetränk ein. Im Zuge unserer Unterhaltung erklärte ich ihm, dass ich eine Kneipe übernehmen möchte, um hier in der City eine Sportsbar zu platzieren. Graciano war von der Idee begeistert und versprach, mich nach der Realisierung meines Projekts zu besuchen. Und tatsächlich feierte er dann schon die zweite Silvesterfeier mit mir im Cumulus.

Auch menschlich sind wir uns über unsere Affinität zum Boxen näher­gekommen. Er war nicht nur ein gnadenloser Boxer – ein Fighter im Ring wie auch im Leben und grundtief ehrlich – er war vor allem auch sehr sensibel und in seiner Welt oftmals sehr einsam. Die Hunderte von Trai­ningskilometern, die Graciano während seiner aktiven Laufbahn abgespult hat, haben ihn aber nicht abstumpfen lassen.

Ich bewunderte Graciano auch für sein verdammt gutes Gedächtnis. Fußballergebnisse aus Weltmeisterschaften spulte er ab wie ein Tonband. Er hatte immer noch in Erinnerung wann, wo, gegen wen er jemals geboxt hat. Sein Steckenpferd waren auch geschichtliche Ereignisse. Er konnte sich themenorientiert locker über Hannibals Reisen über die Alpen, die Geschichte um Cäsar oder über die großen Kriege der letzten Jahrhunderte unterhalten. Aber Graciano konnte auch in Diskussionen, in denen er das Thema verfehlt hatte, verbal sehr ungehalten reagieren.

Im Oktober 2015 bin ich mit Graciano nach Sizilien geflogen. Zum ei­nen wollte er sizilianische Boxer rekrutieren, aber hauptsächlich die Mutter seines Sohnes besuchen. Santina holte uns mit dem gemeinsamen Sohn vom Flughafen ab. Wie zärtlich dieser Riesenkerl mit immer noch Muskeln aus Stahl den Winzling in die Arme genommen hat, das hat mir schon ein paar Tränen der Rührung abverlangt. Aber Graciano war manchmal auch ein komischer Kauz. Santina hatte für mich ein Hotelzimmer gebucht, und Graciano sollte bei seiner kleinen Familie wohnen. Doch er war immer für eine Überraschung gut. Beim Einchecken wollte er plötzlich, dass ich zwei Zimmer buche, weil ihm angeblich die ansatzlose Nähe zu Partnerin und Kind zu viel Stress bereite.

Santina ist eine tolle Frau, die sofort Verständnis signalisierte, und wir machten uns daran, die kommenden Tage zu planen. Graciano und ich buchten uns in einem Sportstudio ein, in dem er mich täglich trainierte. Er hatte mir zum Geburtstag ein Trainings-Abo mit dem Weltmeister Graciano Rocchigiani geschenkt. Es waren verdammt tolle Tage, und wir fielen oft hundemüde ins Bett. In einer Nacht habe ich allerdings kaum ein Auge zubekommen. Unsere Zimmer lagen direkt nebeneinander. Und in Hotels können die Wände nicht nur sprechen, sondern auch lauschen. Ich versuchte gerade einzuschlafen, da vernahm ich aus dem Nachbarzimmer verdächtige Geräusche. Geräusche, die mir verdammt bekannt waren und in ihrer Intensität einen enormen Lautstärkeverlauf nahmen. Ich war ein wenig irritiert, weil wir uns am Abend vor unseren Türen verabschiedeten und uns für den morgigen Tag verabredet hatten. Graciano wirkte frisch, gut gelaunt und war wie immer zu einem kleinen Späßchen aufgelegt. Obwohl das normalerweise nicht meine Art ist, konnte ich nicht mehr anders. Ich musste um eine Erklärung der letzten Nacht bitten. Er berich­tete, dass Santina ihn noch einmal besucht hatte. Was für mich völlig okay war, weil ich anderes vermutet hatte. Was mich an dieser kleinen Story so fasziniert? Neun Monate später ist Gracianos zweites Kind mit Santina zur Welt gekommen …

Ich habe so viele Erinnerungen an unsere Gespräche, dass mein Bild gezeichnet ist. Von einem Mann, der einen erbitterten Kampf gegen sei­ne Gegner, die Medien und sich selbst geführt hat. In der Gesellschaft tough, besaß er aber auch sein kleines Kämmerlein, in dem er Wut und Tränen versteckte. Was mir am meisten Respekt abverlangt hat, war die Einstellung und die Meinung über seine Gegner. Mit drei bestimmten Weltklasse-Boxern hat er seinen Frieden geschlossen. Nachhaltig sprach er kein böses Wort und zollte jenen höchsten Respekt.

Der plötzliche und unerwartete Tod von Graciano hat mich persönlich tief getroffen. Um Graciano meine letzte Ehre zu erweisen, habe ich mit Fotos aus meinem Sizilienurlaub mit ihm sowie Bildern aus seiner Karriere eine persönliche Bildergalerie erstellt und damit die Wände im Cumulus versehen. Und in meinem imaginären Boxring auf meinem Piano ein letz­tes Bild platziert. Das Cumulus war nach dem Aus von Rocky’s Inn seine persönliche Stammkneipe. Um ihn zu ehren und respektvoll zu verabschie­den, habe ich im Cumulus mit Sterne-Koch Christian Lohse im Anschluss an die Beerdigung ein Abschiedsbuffet vorbereitet. Gemeinsam mit seinen Geschwistern Ralf und Claudia, Tochter Janina sowie Christine, Sonia und den engsten Freunden haben wir um 20 Uhr Graciano mit einem spektakulären Feuerwerk auf seine letzte Reise geschickt.

 

Das neue, 512 Seiten starke Buch „Rocky – Unbeugsam bis zur letzten Runde“ aus dem riva-Verlag enthält nicht nur Rockys spannende Autobiografie, sondern auch viele weitere ganz persönliche Gast-Beiträge.

Graciano Rocchigiani mit Ralf Grengel und René Hiepen

riva-Verlag, 512 Seiten inkl. 48-seitigem Bildteil
ISBN: 978-3-7423-0948-8, Preis: 19,99 EUR

Foto: 

Imago/Marianne Müller