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Sarah Bormann: Unter dem Radar

Sarah Bormann: Unter dem Radar
Sarah Bormann: Unter dem Radar

Sarah „Babyface“ Bormann zählt zu den besten Boxerinnen in Deutschland. Doch die Weltmeisterin im Halbfliegengewicht flog bislang unter dem Radar. Dabei bringt die 30-Jährige alles mit, um in die Fußstapfen von Box-Ikone Regina Halmich treten zu können

Es hätte ihr Jahr werden können. Anfang 2020 schien es so, dass sich die harte Arbeit auszahlen würde. Dass sie endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient hätte. Ein Vereinigungskampf gegen IBF-Weltmeisterin Evelyn Nazarena Bermudez war in trockenen Tüchern. Mit einem Sieg wäre Sarah Bormann weiter auf den Spuren von Regina Halmich gewandelt. Deren Nachfolgerin ist sie eigentlich längst. Denn die in zwölf Kämpfen ungeschlagene 30-Jährige ist nicht nur im selben Limit unterwegs wie einst die Box-Ikone. Als WIBF-Weltmeisterin im Halbfliegengewicht (bis 48,99 Kilogramm) hält sie auch jenen Gürtel, den Halmich zwischen 1995 und 2007 trug.

Und doch flog die Normalauslegerin aus Nidderau (Hessen) bislang unter dem Radar. Dann kam die Corona-Pandemie und bremste sie aus. „Ich war so gut drauf wie noch nie in meiner Karriere“, erinnert sich Bormann und seufzt. Ein Jahr später wartet sie sehnsüchtig darauf, dass endlich wieder Normalität einkehrt. Ihr letzter Kampf liegt 15 Monate zurück, an einen geregelten Trainingsbetrieb ist seit Monaten nicht zu denken. Trainer Benjamin Romero besucht sie regelmäßig zu Hause, denn ihre Trainingsstätte in der hessischen Kleinstadt Hanau ist geschlossen. Ein bisschen Abwechslung steht dann an – Pratzenarbeit statt eintönigem Individualtraining. Es ist ein hartes Brot für die 30-Jährige, die normalerweise mit Männern zum Sparring in den Ring steigt. „Das härtet ab“, sagt Bormann und schiebt schmunzelnd nach: „Außerdem kann ich dann mehr reinhauen.“

Eiserne Disziplin

Im Training macht sie mehr als viele andere. Sparringsrunden dauern bei ihr gerne mal länger als die üblichen zwei Minuten. Mit eiserner Disziplin spult sie ihr Programm ab – im Training wie im Wettkampf. Das haben ihre bisherigen Gegnerinnen schmerzlich erfahren müssen. Die meisten überrollte Bormann, die nach einem halben Jahr als Profi schon Weltmeisterin war. Sie ist nicht nur konditions- und schlagstark, sondern auch technisch beschlagen und mit sehr guten Reflexen ausgestattet. Und: Sie ist in der Lage, einen Kampfplan konsequent umzusetzen. „Sarah lässt sich einfach nicht ablenken und zieht ihr Ding durch – egal was im Ring passiert“, ist Coach Romero voll des Lobes für die Normalauslegerin, die Ende 2017 ins Profilager wechselte. „Seitdem hat sie sich hervorragend entwickelt und kann in ihrer Gewichtsklasse alle aus der Weltelite schlagen.“

Bormann gibt sich aber nicht damit zufrieden, im Halbfliegengewicht erfolgreich zu sein. Gern würde sie auf- oder absteigen, wenn sich dadurch attraktive Kämpfe realisieren ließen. „Ich will in mehreren Gewichtsklassen Weltmeistergürtel holen und Boxfans glücklich machen. Mir ist es wichtig, dass die Zuschauer meine Kämpfe in Erinnerung behalten“, hat Bormann klare Vorstellungen darüber, wie ihre weitere Karriere verlaufen soll. Maximal fünf Jahre gibt sie sich Zeit, um ihre Ziele zu erreichen. Denn mit 35 Jahren möchte sie nicht mehr in den Ring steigen. Im Mai könnte Bormann den nächsten Schritt nach oben machen. Im Raum steht ein Kampf gegen Yokasta Valle (Costa Rica), die eine Gewichtsklasse tiefer, im Strohgewicht, den IBF-Weltmeistergürtel hält. Vor knapp drei Jahren unterlag sie gegen WBC-Championesse Tina Rupprecht, die zu Bormanns Wunschgegnerinnen zählt.

„Unglaubliche Härte“

„Das wäre ein Kampf, der dem deutschen Boxen einfach guttun würde“, ist sich die Boxerin sicher. Ihr Manager Rainer Gottwald setzt sich schon länger für ein Kräftemessen mit „Tiny Tina“ ein. „Sarah ist eine absolute Ausnahmeboxerin und hat so viel Talent wie keine andere in Deutschland. Sie hat es verdient, gegen die Besten in den Ring zu steigen.“ Gottwald lässt nichts unversucht, die Karriere seines Schützlings voranzutreiben. Er ist umtriebig, bestens vernetzt und kennt sich aus im Boxgeschäft. Doch bei Sarah Bormann gestaltet sich die Suche nach guten Gegnerinnen als schwierig. „Es ist sehr zäh“, unterstreicht der Manager. „Alle wissen, wie gefährlich Sarah ist.“

Sportlich betrachtet stehe sie Regina Halmich in nichts nach. „Sarah hat diese unglaubliche Härte, die auch Regina ausgezeichnet hat“, schwärmt Gottwald. „Außerdem kommt ihr zugute, dass sie lange Amateurin war und deshalb sehr gut ausgebildet ist.“ Bei den olympischen Boxern musste Bormann aber bereits damit leben, dass sie wenig Aufmerksamkeit bekam. Denn anders als viele andere Top-Boxerinnen entschied sie sich gegen einen Wechsel vom Verein an einen Stützpunkt. Und deshalb wurden andere mehr gefördert. „Ich wollte meine Familie nicht verlassen“, erklärt Bormann. Sie ist heimatverbunden, bodenständig – und trainiert immer noch unter dem Coach, der ihr als 17-Jährige das Einmaleins des Boxens beibrachte. Trotz erschwerter Bedingungen wurde sie vier Mal Deutsche Meisterin und empfahl sich für internationale Turniere. „Aus sportlicher Sicht war es aber sicher ein Fehler, dass sie nicht an einen Stützpunkt gegangen ist“, meint Trainer Romero.

Der Halmich-Faktor

Doch sehr gut entwickelt hat sich Bormann auch ohne große Förderung. Und als Profi fand sie dann schnell ihren Weg. Bereits im sechsten Kampf wurde sie Weltmeisterin – und damit früher als Regina Halmich, die nach zehn Kämpfen ihr erstes großes Ziel erreicht hatte. Doch Bormann mag es nicht so gern, mit der Box-Ikone verglichen zu werden. „Natürlich ist es schön, wenn ich als ihre Nachfolgerin gesehen werde“, sagt sie und ergänzt: „Ich bin aber erst seit rund drei Jahren Profi und muss mich noch beweisen. Regina war sehr lange in der Weltspitze und hat das Frauenboxen in Deutschland wie keine andere vorangebracht.“

Halmich war jahrelang Hauptkämpferin, fünf bis sieben Millionen Fans schauten ihr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu. Bormann hingegen trat erst zweimal vor TV-Publikum auf. 2019 war sie auf dem Spartensender Sport1 zu sehen. Es sind schwierige Zeiten, die das deutsche Berufsboxen derzeit durchmacht – ohne große Fernsehsender im Rücken. Das tut Manager Gottwald für seinen Schützling ganz besonders leid. „Vor 15 Jahren wäre Sarah garantiert Hauptkämpferin gewesen“, ist sich Gottwald sicher. „Man hätte sie über die Medien aufgebaut und sie wäre in der Öffentlichkeit sehr gut angekommen.“ Dabei ist Bormann außerhalb des Rings eher ein zurückhaltender Typ und niemand, der ständig im Rampenlicht stehen muss. Doch sie möchte gesehen werden, nicht unter dem Radar fliegen. „Ich kämpfe dafür, dass sich meine harte Arbeit eines Tages auszahlt“, betont Bormann. In diesem Jahr möchte sie wieder angreifen. Sie grämt sich nicht, sondern blickt nach vorne. Mit eiserner Disziplin und Härte. Für ihr großes Ziel.

Text: Daniel Seehuber

Dieser Text erschien zuerst in Ausgabe 03/21.

Foto: 

IMAGO / Carmele/tmc-fotografie.de