Viktor Jurk wird Profi

es einen Freud, des anderen Leid. Während Traktor Schwerin mit Viktor Jurk einen hervorragenden Schwergewichtler verliert, steht der 20-Jährige nun am Beginn einer Profilaufbahn. Er unterschrieb...

EC Boxing-Chef Erol Ceylan

Wir schreiben das Jahr 2010, es ist der 23. Oktober. An einem Samstagabend im Hamburger Stadtteil Hammerbrook geht ein neuer Boxstall mit seinem ersten Event an den Start. Zum damaligen Zeitpunkt...

Wilder doch bereit für Fury-Kampf im Dezember?

Gerade erst war verkündet worden, dass WBC-Weltmeister Tyson Fury am 5. Dezember kämpfen wolle – und zwar wahrscheinlich gegen Agit Kabayel oder Carlos Takam (BOXSPORT berichtete). Eigentlich...

Floyd Mayweather: „Es gibt zu viele Gürtel“

Die Inflation an Titeln ist seit geraumer Zeit ein Ärgernis für viele Box-Fans. Doch auch Box-Legende Floyd Mayweather (50-0, 27 K.o.) äußerte sich im Vorfeld des Kampfes zwischen Leo Santa Cruz (...

Die Gegnersuche für Tyson Fury spitzt sich zu. Am 5. Dezember soll der WBC-Weltmeister im Schwergewicht wieder im Ring stehen. Laut Promoter Bob Arum kristallisieren sich nun Agit Kabayel und...

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News

Teofimo Lopez: Straight Outta Brooklyn

Teofimo Lopez: Straight Outta Brooklyn
Teofimo Lopez: Straight Outta Brooklyn

Er gilt als größter Rivale von Ausnahme-Boxer Vasiliy Lomachenko und kämpft am 17. Oktober gegen ihn: Teofimo Lopez. BOXSPORT stellt den Leichtgewichtler mit der großen Klappe und dem harten Punch vor.

Es ist der 14. Dezember 2019. Teofimo Lopez steht in seinem 15. Profikampf und hat seine erste WM-Chance. „El Brooklyn“ und sein Vater, Teofimo Lopez sr., haben schon vor dem Fight angekündigt: Im 15. Kampf ist ein Gürtel fällig, im 16. die Chance- gegen „Matrix-Boxer“ Vasiliy Lomachenko. An diesen vollmundigen Sprüchen zweifelt so mancher Beobachter, denn in seinem vorigen Fight gegen Masayoshi Nakatini musste der Knockouter über die vollen zwölf Runden gehen, ehe er einen einstimmigen Punktsieg gegen den japanischen Underdog einfuhr. Doch an jenem Dezembertag ist Lopez wieder bestens in Form, als er gegen IBF-Champ Richard Commey antritt. Weniger als eine Minute nach Beginn der zweiten Runde verpasst er dem Titelverteidiger eine krachende Rechte, die zu einem Knockdown führt. Der Ghanaer kommt noch einmal hoch, doch er zögert das Unvermeidliche nur hinaus. Schon kurz darauf drängt Lopez ihn in die Seile, verpasst ihm einen Hagel von Power-Punches und wird von Ringrichter David Fields zum Sieger durch T.K.o. erklärt.

Mit diesem Erfolg konnte sich der in Brooklyn geborene Leichtgewichtler nicht nur den IBF-Gürtel sichern, sondern auch den Lomachenko-Fight. Lopez hatte schon lange darauf hingearbeitet, den ukrainischen Star seit Ende 2018 immer wieder herausgefordert, auch wenn seine ambitionierten Pläne oft belächelt wurden. Er sei noch nicht so weit, er habe noch nicht gegen profilierte Gegner geboxt, sagten die Kritiker. Lomachenko selbst erklärte, Lopez fehle ein Gürtel, um ihn fordern zu dürfen. Mit dem IBF-Titel war auch diese Hürde beseitigt und tatsächlich sollte der Kampf zwischen „Hi-Tech“ und dem US-Amerikaner im April stattfinden. Die Corona-Krise machte den Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Das Match um die Krone im Leichtgewicht ist nun für den 17. Oktober angesetzt.

„Ein verborgenes Juwel“

Lopez‘ Kampfname „El Brooklyn“ weist auf jenes Viertel seiner Heimatstadt New York hin, in dem er 1997 als Sohn honduranischer Eltern geboren wurde. Lopez wuchs in Davie in Florida auf, lebt aber mittlerweile wieder im „Big Apple“. Das Nachwuchstalent begann im Alter von sechs Jahren zu boxen, unter der Anleitung seines Vaters, der bis heute sein Trainer ist. 2016 wollte er für die USA bei den Olympischen Sommerspielen antreten, hätte jedoch bestenfalls als Ersatzmann für den bereits gesetzten Carlos Balderas nach Rio de Janeiro reisen können. Lopez qualifizierte sich schließlich für das Land seiner Eltern und konnte an den Spielen teilnehmen, flog aber schon in der ersten Runde aus. Die harte Arbeit war trotzdem nicht umsonst: Promoter Top Rank wurde auf das Nachwuchstalent aufmerksam und verpflichtete Lopez. Obwohl der Leichtgewichtler keine Medaille gewann, sah Top-Rank-Boss Bob Arum nach eigener Aussage „ein verborgenes Juwel“ in dem jungen Fighter, der die Erwartungen nicht enttäuschen sollte.

Der 23-Jährige gewann nicht nur jeden seiner Kämpfe, sondern erwies sich als harter Puncher und gnadenloser Knockouter, der zwölf seiner 15 Siege durch K.o. einfuhr. Das Match gegen Nakatini war das erste Mal, das „El Brooklyn“ über mehr als sieben Runden gehen musste. Dementsprechend bewertete er seine Performance im Interview nach dem Kampf trotz einstimmigem Punktsieg als „furchtbar“ und erklärte später gegenüber ESPN, familiäre Probleme seien der Grund für seine schwache Form gewesen. Lopez hatte seine Verlobte Cynthia am 23. April geheiratet, doch nicht alle Mitglieder der Familie waren mit der Hochzeit nach nur einem Jahr Beziehung einverstanden, weshalb Lopez‘ Mutter und Schwestern der Feier fernblieben. Inzwischen scheinen die Schwierigkeiten ausgeräumt zu sein, denn Lopez wollte erst wieder kämpfen, wenn er die Angelegenheit geregelt habe. „Ich bin der Einzige, der mich schlagen kann“, erklärte er die Wichtigkeit seiner emotionalen Balance gegenüber ESPN. Als sich das Corona-Virus in New York ausbreitete, reiste der unter Asthma leidende Profi mit Frau und Kind zu seiner Schwägerin nach Arkansas, um dem Infektionsherd fernzubleiben. Auch auf Instagram warb er mit einem „Straight Outta Quarantine“-Shirt und Maske für Hygiene und „Social Distancing“. „Du kannst auch mit Maske noch tough aussehen“, schrieb er.

Der Boxstil von Lopez erinnert an Roy Jones jr. und Floyd Mayweather jr. Er lässt die Führhand gern fallen und arbeitet verstärkt mit dem „Shoulder Roll“. Gegnerischen Hieben weicht er durch effektive Bewegungen von Kopf und Oberkörper aus und wartet, bis er seinen Kontrahenten in einer guten Position gestellt hat. Danach bearbeitet er den Gegner an den Seilen oder setzt seine explosiven Power-Punches ein, um einen K.o. zu erzielen. Edis Tatli konnte er am 20. April 2019 mit einem Bodyshot ausknocken, dessen Kraft man erst in der Zeitlupe so wirklich sieht. Lopez folgt dabei dem Credo, dass ein Boxer auch ein guter Entertainer sein muss und feiert seine Siege mit ausgefallenen Tänzen und einem Rückwärtssalto.

Die Machtübernahme

Immer wieder spricht der Youngster davon, eine Gewichtsklasse aufsteigen zu wollen, eventuell nach dem Lomachenko-Fight. Derzeit will er aber das Leichtgewicht übernehmen und unterschreibt seine Social-Media-Posts mit der entsprechenden Phrase: „The Takeover“ (dt.: Die Machtübernahme). Auch den Trash-Talk hat er drauf, wenn er sich über seine Rivalen im Limit äußert, darunter Ryan Garcia („Er ist Oscar de la Hoya ohne dessen Fähigkeiten“), Devin Haney („Hat zu viel Angst gegen einen richtigen Gegner zu kämpfen“) oder Gervonta Davis („Kann noch nicht mal einen alten Gamboa ausknocken“). Und natürlich immer wieder Lomachenko. Der Ukrainer gestand ihm zu, ein wirklich guter Boxer zu sein, sagte aber auch: „Er hat meinen Gürtel, den IBF-Titel“. Darauf antwortete Lopez selbstbewusst. „Er ist ein lustiger Typ und lustiger kleiner Mann. Ich mag es, dass er das sagt. Das macht mir klar, dass ich mich nicht schlecht fühlen werde, nachdem ich ihn ausgeknockt habe“, sagte er im Interview mit CBS Sports. Im anstehenden Superfight werden die beiden klären können, wer gerade wirklich wessen Gürtel trägt.

Text: Nils Bothmann

Dieser Text erschien zuerst in BOXSPORT 09/20

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