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Torsten May: „Tom wird sich richtig gut verkaufen"

SES-Schwergewichtler Tom Schwarz trifft am Wochenende in Las Vegas auf Ex-Weltmeister Tyson Fury. BOXSPORT sprach mit Olympiasieger und Box-Experte Torsten May über Schwarz’ Chancen im Fight und die Bedeutung des Duells für das deutsche Boxen.

Herr May, am kommenden Wochenende steigt Tom Schwarz in Las Vegas gegen Tyson Fury in den Ring. Wie schätzen Sie das Duell ein?

Als ich von dem Kampf das erste Mal gehört habe, habe ich mich wirklich gefreut. Endlich ist ein deutscher Schwergewichtler mal wieder auf der Weltbühne zu sehen. Natürlich steht er vor einer immens schweren Aufgabe. Aber ich glaube, dass Furys Promoter Bob Arum Tom nicht umsonst ausgewählt hat. Schwarz passt mit seiner etwas verrückten Art ganz gut nach Las Vegas.

Welche Chancen geben Sie Tom?

Er ist jung und hatte eine gute Grundschule. Tom kann auf jeden Fall boxen und hatte einige ostdeutsche Trainer, die ihn gut ausgebildet haben. Der große Knackpunkt wird sein, ob er das nervlich hinbekommt. Denn von der Aufregung her, wird das ein Höllenritt werden. Das kann Tom einerseits beflügeln, aber es kann auch total nach hinten losgehen. Dennoch hat er nichts zu verlieren. Und sollte er eine Niederlage kassieren, dann kommt es auch darauf an, wie er verliert. Wenn er sich mit einer couragierten Leistung für weitere Fights in den USA empfehlen sollte, dann war es sicher der Kampf seines Lebens. Dafür muss er Fury noch nicht mal schlagen. Viele sagen ja, dass Schwarz dort schwere Prügel beziehen wird. Das glaube ich nicht. Tom wird sich dort richtig gut verkaufen.

1995 boxte Axel Schulz in Las Vegas gegen George Foreman. Auch Sie waren damals live vor Ort dabei. Wie war das?

Ich war damals mit Axel im Trainingslager in Las Vegas und sollte im Sparring immer Foreman imitieren. Beim Kampf habe ich dann mitbekommen, was es für ein Trubel und Druck ist, in die MGM Grand Garden Arena einzumarschieren. Das ist eine ganz andere Welt.

Können Sie Tom aus Ihren eigenen Erfahrungen Tipps und Ratschläge mitgeben?

Tom muss über seinen eigenen Schatten springen. Natürlich ist man vor so einem Fight extrem aufgeregt, aber er darf dadurch keine Angst bekommen. Er muss sein Glück in beide Fäuste nehmen. Das ist der Kampf seines Lebens und so muss er auch auftreten. Auch wenn es leicht daher gesagt ist: Er muss die Ruhe bewahren und an sich glauben, selbst wenn er von Fury getroffen wird oder mal zu Boden geht. Aber das wird natürlich eine sehr schwere Aufgabe. Mit Fury hat er den aktuell wahrscheinlich stärksten Schwergewichtler der Welt vor sich. Aber ein Schlag kann den Kampf entscheiden. Wir haben gerade erst bei Andy Ruiz’ Sieg gegen Anthony Joshua gesehen, dass nichts unmöglich ist.

Aktuell fehlt es dem deutschen Profiboxen an einem Aushängeschild. Kann Tom das am Wochenende werden?

Ich glaube schon. In den vergangenen Jahren hat Wladimir Klitschko hier alles bestimmt. Das war in meinen Augen für das deutsche Boxen sogar eher hinderlich. Nichts gegen Klitschko, aber es kam so kein anderer nach vorne. Alles hat sich auf ihn fokussiert. Alle Sponsorengelder wurden in ihn investiert. Für das deutsche Boxen war das nicht so positiv. Mit Tom Schwarz und dem SES-Stall ist das nun eine Riesenchance. Das kann für den Boxsport hierzulande eine echte Initialzündung sein.

Interview: Frank Schwantes & Benjamin Stroka

Foto: 

imago images/Horst Galuschka