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Tyson Fury: „Ich boxte Wilder den Kopf weg“

Schock für Tyson Fury: Deontay Wilder schlägt ihn am 1. Dezember 2018 in der zwölften Runde nieder
Schock für Tyson Fury: Deontay Wilder schlägt ihn am 1. Dezember 2018 in der zwölften Runde nieder

Seit 12. Oktober ist die Autobiografie „Tyson Fury: Ich hinter der Maske“ (Originaltitel: „Behind the Mask“) im Heyne-Verlag erschienen, übersetzt von Elisabeth Schmalen. Der WBC-Weltmeister erzählt darin von seinen legendären Fights gegen Wladimir Klitschko und Deontay Wilder, aber ebenso von seinen tiefen Abstürzen, der Sucht nach Drogen und seinem ständigen Kampf gegen die Depressionen. In unserer Ausgabe 11-12/20 veröffentlichen wir Abdrucke aus dem Fury-Buch, online präsentieren wir den Prolog.

1. Dezember 2018, Staples Center, Los Angeles

»Du bist geliefert, du bist fällig. Ich zeig dir, wo der Hammer hängt, du Penner!« So verhöhnte ich den WBC-Schwergewichtsweltmeister Deontay Wilder vor dem ersten Gong und während der ersten Runde. Doch direkt nach der Eröffnung des Kampfes fand ich heraus, warum Wilder sich selbst »Bomb Squad« – »Bombenräumkommando« – nennt. Er landete einen Jab, und ich dachte nur: »Wow!« Ich spürte seine Knöchel in meiner Hand, als ich den Schlag blockierte.

Vor dem Kampf hatte sich mein Trainer Ben Davison Sorgen gemacht, weil Wilder mit seinen Schlägen oft auf den Hinterkopf des Gegners zielt, was üble Schäden im Gehirn anrichten kann. Ben hatte sogar den Ringrichter Jack Reiss darauf hingewiesen, und im Verlauf des Kampfes behielt er genau im Blick, wie Wilder versuchte, mir zuzusetzen. In der neunten Runde bestätigte sich seine Befürchtung. Wilder landete einen Treffer hinter meinem Ohr, und ich ging zu Boden. Vielleicht war ich mir meiner Sache ein bisschen zu sicher gewesen, und der starke Gewichtsverlust in der Zeit vor dem Kampf hatte meine Beine etwas lahm gemacht. Aber diese Art von Schlag sorgt für einen Kurzschluss im Gehirn. Wenn man hinter dem Ohr oder an der Schläfe getroffen wird, kann man nichts machen: Dann verliert der Körper die Kontrolle, und man geht zu Boden. Aber wie auch immer – da lag ich nun, und weil in der Runde noch zwei Minuten ausstanden, glaubte Wilder, er habe genug Zeit, mir den Garaus zumachen.

Falsch gedacht! Ich war nicht am Ende, sondern kam wieder auf die Beine und machte dort weiter, wo ich aufgehört hatte – ich boxte Wilder den Kopf weg. Als er auf mich zukam und mehrmals mit der Rechten ausholte, umklammerte ich ihn, wartete, bis ich wieder klar denken konnte, und feuerte dann zurück. Kurz darauf ließ mein Jab, den ich schon in Amateurtagen zu meiner Waffe er koren hatte, seinen Kopf zurückschnellen. Wilder wusste nicht, was er tun sollte. Er ist der WBC-Weltmeister, mit beängstigend viel Kraft in den Fäusten, aber er kann seine Schläge nicht landen. Er bekommt mich nicht so unter Kontrolle wie seine bisherigen 39 Gegner, die er fast alle per Knockout besiegt hat. Ich brachte die Runde stark zu Ende, mit soliden, wuchtigen Schlägen ins Gesicht. Wie frustrierend muss das für ihn gewesen sein! Er war es gewohnt, sich die Gegner zurechtzulegen und sie dann niederzuschlagen.

Während ich einem überraschten Wilder zeigte, dass ich nicht so leicht kleinzukriegen war, bekam ich nicht mit, dass Ben sich eine wütende Auseinandersetzung mit den örtlichen Funktionären lieferte, die ihn davon abhalten wollten, aufzustehen und sich zu vergewissern, dass ich okay war. In Los Angeles besagen die Regeln, dass die Ecke stets sitzen muss, doch wenn es um den Weltmeistertitel im Schwergewicht geht, ist das leichter gesagt als getan. Ben wollte unbedingt wissen, wie es mir ging. Doch als nur noch eine Minute blieb, war ich voll darauf fokussiert, meinen Jab zu setzen, und nun war es Wilder, der erschöpft wirkte und keine Attacken mehr zustande brachte, während ich ihn provozierte, indem ich ihm mit den Händen hinter dem Rücken die Zunge herausstreckte.

Zu Beginn der zehnten Runde war ich hellwach und bearbeitete Wilders Kinn mit einer Links-Rechts-Kombination. Er hatte so viel Energie bei dem Versuch verbraucht, mich in der neunten zu stoppen, dass er nun müde wurde, und ich dominierte den Kampf. Er gab sich damit zufrieden, sich zurückzuhalten und zu versuchen, die eine entscheidende Rechte zu landen. Daher hatte ich leichtes Spiel. Auf gar keinen Fall würde ich in diese Falle tappen. Als noch knapp eine Minute verblieb, donnerte ich ihm meine rechte Faust ins Gesicht und zog mich geschickt aus seiner Reichweite zurück. Aus dem Publikum ertönte ein kollektives »Ooh!«, und nun zeigte ich meine defensiven Fähigkeiten und wich noch vor dem Gong etwa fünf Schlägen aus. Wilder hatte in den gesamten drei Minuten keinen richtigen Treffer gelandet, und als der Gong erklang, waren wir gerade ineinander verkeilt. Ich gab ihm noch ein paar Beleidigungen mit und streckte ihm erneut die Zunge heraus.

Er trottete in seine Ecke, und ich ging mit einer neuen Leichtigkeit in den Beinen in meine. »Come on«, brüllte ich in die Menge. Dann rief ich Ben zu: »Ich bin der Gypsy King, und ich werde gewinnen!« Das stärkte mein Selbstbewusstsein und meinen Glauben daran, dass ich gerade dabei war, Geschichte zu schreiben, nach einem Drehbuch, das kaum jemand für möglich gehalten hätte. Abseits des Rings verkündete der Kommentator für den Sender BT Sport, JohnRawling, mein Auftritt lasse ihm »die Haare zu Berge stehen«. Ben sagte mir, ich müsse mir mehr abverlangen als je zuvor in meinem Leben, ich müsse die Ruhe bewahren und hinausgehen und mir die letzten beiden Runden holen. »Geh keine dämlichen Risiken ein.« Das hatte ich auch nicht vor, ich wollte die Chancen nutzen, die sich mir boten. Genau das – und noch ein bisschen mehr – tat ich in der elften Runde, an deren Ende ich meinen Fans und der Welt die geballte Faust entgegenreckte, um zu zeigen, dass ich kurz davorstand, das größte Comeback der Boxgeschichte hinzulegen.

Nur 96 Sekunden später war der Traum vorbei. Ich lag am Boden. Wilder hatte eine donnernde Rechte gelandet und einen linken Haken nach geschoben, als ich schon fiel. Ich schlug mit einem gewaltigen Krachen auf dem Boden auf. Das musste das Ende sein, dachten Wilder und alle anderen in der Arena, genau wie Millionen Fernsehzuschauer auf der ganzen Welt …

In der neuen, 272 Seiten starken Autobiografie „Tyson Fury: Ich hinter der Maske“ gibt der „Gypsy King“ Einblicke in sein Familienleben, schildert schonungslos offen und spart nicht mit Selbstkritik, präsentiert aber auch ein Werk über das Wiederaufstehen und Weitermachen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tyson Fury
Heyne Verlag, 272 Seiten
ISBN 978-3-453-60570-1, Preis 14,99 EUR

Foto: 

imago images / ZUMA Wire; Heyne Verlag