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Wegner: Übernehme keine Kurzzeit-Engagements

Wegner: Übernehme keine Kurzzeit-Engagements

Die Kontaktsperre in Zeiten der Corona-Pandemie macht auch vor den Toren der Median-Klinik in Berlin-Hoppegarten nicht Halt. Somit auch nicht vor Ulli Wegner, der nach einem Oberschenkelhalsbruch im Dezember letzten Jahres dort zur Reha weilt, bis zum 31. März, so der Plan. Nach dem verhängten Besuchsstopp hält der Boxcoach den Kontakt zu seiner Frau Margret per Telefon und mit WhatsApp-Nachrichten aufrecht – so auch zu BOXSPORT.

Ulli Wegner über …

… den Fortschritt seiner Genesung:

Bis 31. März bin ich noch zur Reha in der Median-Klinik in Berlin-Hoppegarten. Ich mache Fortschritte, habe aber noch nicht so viel Kraft, dass ich ohne Krücken laufen kann. Aber ich bin hier in sehr guten Händen und zuversichtlich für meine weitere Genesung.

… die Pläne, Kubrat Pulev zu coachen:

Wenn ich gesund bin, will ich Kubrat Pulev auf seinen WM-Kampf am 20. Juni gegen Anthony Joshua in London vorbereiten. Der Plan ist, ihn drei Wochen in Liechtenstein im PGP-Boxing-Gym von Pit Gleim vorzubereiten. Pit unterstützt uns unheimlich und sponsert das Trainingslager. Außerdem wollen wir das Trainingszentrum Kienbaum vor den Toren Berlins oder in Zinnowitz auf Usedom für die Vorbereitung nutzen. Aber wie alle anderen müssen wir schauen, wie sich die Lage um den Coronavirus entwickelt. Ich weiß um die Verantwortung, die ich mit diesem Job übernehme – für Kubrat ist das ein Jahrhundert-Kampf. Dafür werde ich all meine Erfahrung als Trainer in die Waagschale werfen.

… Pulevs Chancen gegen Joshua:

Ich stufe Kubrats Chancen höher ein als jene, die außerhalb stehen. Ich habe viele Kämpfe von Joshua analysiert, seine Klasse ist unbestritten. Aber Pulev kann beidhändig hart schlagen. Es wird nicht einfach, aber Kubrat ist fleißig und ich weiß, was ich verändern muss. Wir werden uns taktisch gut vorbereiten. Wir haben eine Außenseiter-Chance, aber die wollen wir konsequent nutzen. Pulev ist in Bulgarien eine Art Volksheld, und diesen Status möchte er bestätigen. Schon Andy Ruiz jr. konnte Joshua besiegen, und auch Wladimir Klitschko hatte ihn am Boden. Wenn Kubrat seinen Gegner am Boden hat und seine Chance riecht, dann setzt er konsequent nach, wie er es schon im letzten Jahr gegen Bogdan Dinu (K.o. 7. Runde) gemacht hat.

… die Meldung, Pulev würde sich mit US-Coach Joe Goossen auf den Fight gegen Joshua vorbereiten:

Weil ich krank ausfalle, wollte sich Kubrat mit einem anderen Coach absichern, das war eine Idee seines Managers, und das kann ich auch verstehen. Aber Kubrat will mit mir arbeiten, das hat er mir ausdrücklich erklärt.   

… den andauernden Rechsstreit mit dem Sauerland-Stall, der ihm zum 31. Dezember 2019 gekündigt hatte:

Es geht um finanzielle Angelegenheiten. Aber auf Anraten meines Anwalts Christoph Schickhardt werde ich mich dazu nicht äußern.

… seine Kündigung und die Schließung des Sauerland-Gyms in Berlin:

Ich habe das Gefühl, dass Kalle und Nisse Sauerland das Business immer mehr Richtung England verlagern wollen. Das aber wäre nicht gut für die Entwicklung des Boxsports in Deutschland.

… Sauerland-Boxer wie Abass Baraou und Leo Bunn, die er künftig nicht mehr coacht:

Es tut mir richtig weh, dass ich diese tollen Jungs nicht mehr weiter trainieren kann. Ich wünsche ihnen alles Gute, denn sie sind enorm fleißig und leben für das Boxen. Vielleicht ist es ganz gut, dass Abass einmal in England bei Adam Booth trainiert, denn dort kann er wichtige Erfahrungen sammeln.

… mögliche künftige Zusammenarbeit mit Sauerland:

Wenn mein Rechtsstreit mit Sauerland einmal beendet ist, wäre es denkbar, dass ich irgendwann noch einmal den ein oder anderen Boxer aus dem Stall in freiberuflicher Tätigkeit trainiere. Aber ich habe so viele Anfragen von talentierten Jungs, dass ich sie mir aussuchen kann.

… ein Comeback mit Arthur Abraham:

Er ist mir ans Herz gewachsen, und mit ihm würde es sich immer lohnen zu arbeiten. Aber bei Arthur fehlt einfach die nötige Leistungsbereitschaft. Schon in den letzten Kämpfen hat er sein Potenzial nicht mehr ausschöpfen können. 

… seine Bedingungen, um als Trainer weiterzuarbeiten:

Wenn ich künftig Boxer trainiere, dann will ich sie auch in die Weltspitze führen. Und dazu brauche ich auch einen guten Manager an meiner Seite. Wenn bei einer Zusammenarbeit ingesamt vernünftige Strukturen gegeben sind, dann bin ich durchaus bereit, noch zwei bis drei Jahre als Trainer weiterzuarbeiten.

… Möglichkeiten, bei anderen Boxställen wie Agon Sports in Berlin oder SES Boxing in Magdeburg zu coachen:

Reizen würde mich eine Zusammenarbeit mit Ulf Steinforth schon, zumal ich mit ihm schon lange freundschaftlich verbunden bin. SES hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung gemacht und viel bewegt. Ulf hat auch etliche gute Kämpfer im Stall, ihm fehlt alleine der ein oder andere Ausnahme-Boxer. Aber jetzt muss ich erst einmal gesund werden. Auch als Trainer für Agon Sports zu arbeiten wäre theoretisch reizvoll, zumal dort auch mein Ex-Schützling Jack Culcay boxt. Aber eines möchte ich klarstellen: Ich werde keine Kurzzeit-Engagements übernehmen. Und ich werde auch keinem Trainer den Job wegnehmen.

… die vollmundige Ankündigung der neuen Kooperations-Promotion Petkos Boxpromotion und PGP Boxing, „Europas Nummer eins“ werden zu wollen:

Mit solchen Äußerungen sollte man etwas vorsichtig sein. Der Sauerland-Stall hat damals mit mir auch viele Jahre gebraucht, um so weit nach oben zu kommen. Aber Pit Gleim hat mit Dylan Moran aus Irland und vor allem dem kubanischen Supermittelgewichtler Osleys Iglesias Estrada in der Tat große Talente, die es in ein oder zwei Jahren in die Weltspitze schaffen können.

… seine Wünsche zum 78. Geburtstag am 26. April:

Das ist ganz einfach: Am meisten wünsche ich mir, dass ich mit meiner Frau Margret weiterhin glücklich und vor allem gesund bleibe. Und auch wenn ich irgendwann 80 bin, werde ich wahrscheinlich nicht zu Hause ruhig sitzen bleiben können.

Interview: Frank Schwantes

Foto: 

Imago Images/Mausolf