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Wladimir Klitschko: Eine Klasse für sich

Wladimir Klitschko: Eine Klasse für sich
Wladimir Klitschko: Eine Klasse für sich

Zu seinem 45. Geburtstag rücken wir noch einmal die großartige Karriere von Wladimir Klitschko in den Fokus. Leser und Jury von BOXSPORT wählten den Schwergewichts-Helden zum „Boxer des Jahrzehnts“!

Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Bern, Moskau, London. In diesen Städten schlug der „Steelhammer“ in der letzten Dekade immer wieder zu und sorgte bei seinen Auftritten stets für große Shows und rappelvolle Stadien. „Diese Ära startete genau genommen schon 2009 mit dem Fight gegen Ruslan Chagaev in der ausverkauften Veltins-Arena auf Schalke“, erinnert sich Bernd Bönte, langjähriger Manager von Wladimir und dessen Bruder Vitali Klitschko. „Zehn Mal inklusive Wembley haben wir in Fußballstadien veranstaltet, diese Zeit war im letzten Jahrzehnt für uns als Team Klitschko besonders prägend.“ Wie wahr: Zum Hype, den Wladimir Klitschko, 45, damals unter freiem Himmel entfachte, gab es in den 2010ern in Box-Deutschland nichts Vergleichbares.

Dazu überzeugte Wladimir mit kämpferischem Willen und herausragenden Leistungen: Elf Siege in dreizehn WM-Fights, davon sieben durch K.o., landete der Schwergewichts-Dominator zwischen 2010 und 2017. „Die 2010er waren letztlich die erfolgreichste Zeit in Wladimirs Karriere“, bilanziert Bönte – und verweist insbesondere auf das Jahr 2011, als der gebürtige Ukrainer auch den WM-Titel der WBA holte. „Damit hatten die Klitschkos, die bereits seit 2008 gleichzeitig Weltmeister waren, alle Schwergewichtsgürtel der großen Verbände inne: Wladimir die von WBA, WBO, IBF und IBO und Vitali den des WBC.“ Dies blieb dann auch bis zu Vitalis endgültigem Rücktritt im Jahr 2013. „Diese enorme Leistung der beiden wird wohl auf absehbare Zeit einzigartig bleiben.“

„Der schönste Knockout“

Insofern ist der deutliche Wahl-Sieg von Wladimir Klitschko bei der BOXSPORT-Wahl „Boxer des Jahrzehnts“ gerechtfertigt: Überragende 479 Punkte seitens Leser und Jury vereinte „Dr. Steelhammer“ auf seinem Konto. Auf den Plätzen zwei und drei folgen mit gehörigem Abstand die noch aktiven Jürgen Brähmer (44 Punkte) und Felix Sturm (39).

Um die außergewöhnliche Performance von Wladimir in den 2010ern noch besser einordnen zu können, geht man ein wenig zurück in der Geschichte. „Er war ja von 2005 bis 2015 ungeschlagen und zum zweiten Mal Weltmeister, durchgängig von April 2006 bis November 2015“, erklärt Bönte, der die Karrieren der Klitschko-Brüder zunächst als TV-Journalist direkt am Ring verfolgte, dann ab 2001 als beider Manager. „Das ist dekadenübergreifend eine einzigartige Leistung. Wladimirs größter Erfolg war dann sicher die Unification 2011 gegen David Haye, die er sehr deutlich gewann.“

Der WM-Sieg über das britische Großmaul ordnet der Box-Experte als größten Meilenstein im letzten Jahrzehnt ein, „aber auch der großartige Sieg gegen Alexander Povetkin 2013 in Moskau gehört dazu“. Das persönliche K.o.-Highlight des Klitschko-Machers? „Wladimirs Knockout 2014 gegen Kubrat Pulev. Allein schon wegen der Animositäten im Vorfeld – und weil es für mich Wladimirs schönster K.o. war.“

Respekt in der Niederlage

Doch auch das „große Finale“ 2017 zählt zu den Höhepunkten einer beeindruckenden Laufbahn. „Der Kampf gegen Anthony Joshua war ja knapp genug“, erinnert sich Bönte, der ab 2007 die Geschäfte der gemeinsamen Firma „Klitschko Management Group“ führte, an die epische Schlacht von London. „Dazu war das Ambiente im ausverkauften Wembley-Stadion herausragend.“ Bemerkenswert daran: Die dramatische Niederlage (T.K.o. 11. Runde) gegen Joshua verschaffte Wladimir mehr Respekt als so mancher Sieg. „Ich bin mir sicher: Hätte er den Kampf gegen ,AJ‘ gewonnen, hätte er anschließend mindestens genauso viel Respekt erhalten“, sagt Bönte. „Und nicht zu vergessen: Wladimir hat mit 41 Jahren und nach fast eineinhalb Jahren Pause eine grandiose Leistung gezeigt. So etwas bleibt in den Köpfen der Leute hängen. Viele haben ihm das nicht mehr zugetraut, aber Wladimir konnte stets mit seinen Aufgaben wachsen.“

Fragt sich: Wie konnte der Schwergewichts-Dominator über eine so lange Zeit dieses Niveau halten? Wladimir verfügte wie sein Bruder Vitali über das nötige Talent. Aber das Entscheidende war seine Disziplin. „Wladimir hat sich immer gleichermaßen gewissenhaft vorbereitet – egal, auf welchen Gegner“, blickt Bönte zurück. Was den 1,98 Meter großen Modellathleten ebenfalls entscheidend weiterbrachte, war die Zusammenarbeit mit Emanuel Steward ab 2004. „Manny war für Wladimir bis zu seinem Tod 2012 die prägende Figur und hat ihm mit seinen Trainingsmethoden, mit seinen Ideen neue Dimensionen eröffnet“, weiß der erfahrene Box-Manager. „Ich bin überzeugt: Wäre Manny noch in Wladimirs Ecke gewesen, hätte er weder 2015 gegen Fury noch 2017 gegen AJ verloren.“

„Am Anfang undenkbar“

Doch auch außerhalb des Ring gehörte Wladimir Klitschko, der heute mit seinem Unternehmen „Klitschko Ventures“ ein weltweit erfolgreicher Geschäftsmann ist, zu den größten Sport-Stars seiner Zeit. Den Grund für diese immense Popularität kennt Bönte genau: „Beide Klitschkos sind sehr natürlich, authentisch und in keiner Weise aufgesetzt, das kommt bei den Menschen gut an.“ Wladimir und Vitali seien äußerst angenehme und umgängliche Typen, die sich auch für viele Themen außerhalb des Boxens interessieren und engagieren.

Nach Vitali im Jahr 2018 wird nun auch Wladimir eine ganz große Ehre zuteil: Der Steelhammer wird in diesem Jahr in die „International Boxing Hall of Fame“ in Canastota (USA) aufgenommen und steht dort künftig in einer Reihe mit Box-Ikonen wie Joe Louis, Muhammad Ali und Joe Frazier. Die Fakten für den Neu-Hall-of-Famer sprechen für sich: Mit zwölf Jahren – von 2000 bis 2003 sowie 2006 bis 2015 – ist Wladimir Klitschko übergreifend der am längsten amtierende Weltmeister im Schwergewicht. Dazu sind seine 29 WM-Kämpfe im Schwergewicht Weltrekord.  „Wladimirs Aufnahme in die Hall of Fame ist mehr als verdient und hat mich riesig gefreut“, sagt Bönte. Und plaudert ein wenig aus dem Nähkästchen: „Das war auch immer etwas, wovon Wladimir, Vitali und ich gerne mal geträumt haben: Es wäre doch der absolute Ritterschlag, wenn sie beide irgendwann einmal den Einzug die Hall of Fame schaffen würden …“ Am Anfang der Karriere und vor allem nach den WM-Niederlagen 2003 und 2004 gegen Sanders und Brewster sei das noch undenkbar gewesen – „am Ende war es die logische Konsequenz“.

Text: Frank Schwantes

Dieser Text erschien zuerst in Ausgabe 02/21.

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