Sarah Liegmann – aus der Ringecke: Sensationelle Fight-Location

Bevor ich loslege: Ich freue mich sehr, dass du hier bist, um meine Kolumne zu lesen. Es wird chaotisch, lustig, aber hauptsächlich 100 Prozent echt. Ich werde von vielen Anekdoten und Erfahrungen aus dem Boxen berichten, aber dir auch spannende Insights in meinen alltäglichen Wahnsinn geben. Und jetzt heißt es: Ring frei!

Sarah Liegmann fuhr in der Dominikanischen Republik im Duell mit Marjone Guzman Vizcaino den 11. Sieg im 11. Profikampf ein. (Foto: Instagram / Sarah Liegmann)

Hier geht es zum ersten und zweiten Part der Kolumne von Sarah Liegmann.

Nach einer – nicht für alle in unserer Reisegruppe – erholsamen Nacht stand also das offizielle Wiegen an. Wie sich herausstellte, waren die paar Jahre Spanisch in der Schule sehr nützlich, denn das Gespräch mit dem einheimischen Arzt konnte ich zu 80 Prozent selbst führen. Als es dann aber um einen aktuellen Schwangerschaftstest ging, schaute ich ihn mit großen Augen an. Der Promotor, der fließend Englisch und Spanisch spricht, übersetzte kurz. Nachdem ich die Ergebnisse der jährlichen BDB-Untersuchung vorgelegt, den Schwangerschaftstest gemacht und die üblichen körperlichen Untersuchungen mit dem Arzt überstanden hatte, bekam ich meine dominikanische Lizenz, um am nächsten Tag als Profi im Ring zu stehen.

Bis ich dann endlich auf die Waage durfte, verging eine weitere Stunde, was keinen Sinn machte, da meine Gegnerin am Vormittag krankheitsbedingt getauscht wurde und somit die neue Gegnerin erst am nächsten Tag anreisen konnte. Nachdem aber alle Formalitäten erledigt waren, stand eine kleine Parade zum Strand an. Eigentlich hatte der Promoter bisher alle seine Veranstaltungen in seinem Restaurant abgehalten – eine Location, in der sogar schon Amanda Serrano gekämpft hatte. Aber dieses Mal hatte er sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen.

Kampf am Strand

Alles war wirklich unglaublich gut organisiert. Die Touristen haben gefilmt, wir Kämpfer auch, denn ich bin mir sicher, dass der Weg dorthin für jeden von uns einzigartig war. Am Strand angekommen, konnte es keiner so richtig glauben, denn mitten im Sand lag tatsächlich ein Ring. Nachdem wir ein paar Fotos gemacht hatten, gingen alle zurück ins Hotel. Meine Mutter und ich beschlossen, noch einmal an den Pool zu gehen, um uns bei den 30 Grad etwas abzukühlen. Am Pool lernten wir ein deutsches Paar kennen, die so neugierig waren, dass sie am nächsten Tag tatsächlich zur Fight Night kamen.

Der Plan des Veranstalters war, dass alle Kämpfer gegen 17 Uhr am Strand sein sollten, damit die Veranstaltung um 18 Uhr beginnen konnte. Als wir ankamen, war eines klar – die Veranstaltung würde nicht vor 19 Uhr beginnen. Die Technik war noch nicht aufgebaut, die Sonne stand noch ziemlich ungünstig und bis jetzt waren eigentlich nur unsere Hotelnachbarn da. Ich wundere mich immer wieder, dass andere Länder so ein Problem mit der Pünktlichkeit haben.

Sand, Zelt, Stromausfall und Co.

Wir Kämpfer hatten zum Aufwärmen ein kleines Zelt, dessen Boden zum Glück mit Holzbrettern ausgelegt war. Nein, das war nicht selbstverständlich, denn der Weg zum Ring, zu den Zuschauern und zu den zwei Dixis, die sich die Kämpfer mit den knapp 400 Zuschauern teilen mussten, führte durch Sand. Noch heute finde ich ab und zu Sandkörner in meinen Boxschuhen. Auch wenn das jetzt negativ klingt, ich fand es toll. Ich hatte die ganze Zeit ein leichtes Grinsen auf den Lippen, weil es so unfassbar chaotisch war, aber gleichzeitig war die Kulisse einzigartig.

Als die Veranstaltung endlich beginnen sollte und der Moderator gerade zwei Worte ins Mikrofon gesprochen hatte – Stromausfall. Wie gesagt, es war einmalig. Genauso wie das zweite und dritte Mal Stromausfall, denn diese Male fiel der Strom mitten im Kampf aus. Aber da man das Problem nun kannte, passierte es zum Glück nicht mehr. Der Techniker war sichtlich überfordert. Meiner Mutter war das egal, denn kurz vor meinem Kampf gab sie ihm einen USB-Stick mit meinem Einlauflied. Ich glaube, das war seine größte Aufgabe an diesem Abend, denn er stand unter der Aufsicht meiner Mutter. Aber es hat funktioniert!

Als mein Lied anfing, ging ich in den Ring. Als ich in meiner Ecke stand, wurde ich kurz abgelenkt durch den Blick aufs Meer – Bilder, die ich nie vergessen werde. Dann ging alles relativ schnell und der Kampf war gewonnen. Auch Alessio, der andere Kämpfer von uns, hat seinen Kampf gewonnen. Wir gingen noch schnell etwas essen und dann direkt zurück ins Hotel, denn am nächsten Tag flogen wir wieder zurück. Am Montag hatte ich dann gleich wieder Training, denn jetzt ist der Blick zu 100 % auf den großen Kampf am 26.04. gerichtet.

Sarah Liegmann

Sarah Liegmann wurde am 26. Januar 2002 in Bonn geboren. Die Federgewichtlerin boxt seit 2021 als Profi, trainiert und lebt in Deutschland und in den USA. Liegmann alias „The Princess“ ist amtierende WBC-Junioren-Championesse. Zudem sicherte sich die frühere Kickboxerin den WM-Gürtel des Verbandes WBF.

Webseite: princess-boxing.de
YouTube: Sarah Liegmann
Instagram: sarahliegmann
Facebook: sarah.liegmann

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