Tim Tszyu vor „wichtigstem Kampf“ seines Lebens

Am 6. April boxt Tim Tszyu in Australien gegen Joe Spencer. Nach seinem Titelverlust und zwei Pleiten in Serie kämpft der Ex-Champion auch um ein Comeback in der Weltspitze.

Tim Tszyu (o.) blickt optimistisch und voller Tatendrang auf seinen nächsten Kampf am 6. April. Ein Sieg soll die Karriere des Ex-Weltmeisters wieder beflügeln. (Foto: imago-images / AAP)

Nach zwei Niederlagen in Folge steht Tim Tszyu plötzlich an einem Wendepunkt. Am 6. April wartet im „Newcastle Entertainment Center“ von Newcastle (Australien) der US-Amerikaner Joey Spencer auf den 30-jährigen Ex-Champion der WBO. Klar ist: Nach den unerwarteten Niederlagen gegen Sebastian Fundora und Bakhram Murtazaliev stehen Tszyus Karriere und Ruf auf dem Spiel.

„Das ist der wichtigste Kampf meines Lebens“, sagte Tim Tszyu (24-2, 17 K.o.) kürzlich beim offenen Training im Bondi Boxing Club. „Es steht so viel auf dem Spiel, so viel, worauf ich mich freue. Jeder Fight ist wichtig, aber dieser fühlt sich anders an. Ich bin voll und ganz konzentriert.“

„Großartig, wieder zu Hause zu sein“

Obwohl seine Niederlage gegen Fundora – eine Split Decision vor zwölf Monaten – sich zumindest teilweise mit dem tiefen blutigen Cut gleich zu Kampfbeginn erklären ließe, lässt sich die anschließende Pleite nach drei Runden gegen Murtazaliev im vergangenen Oktober deutlich schwerer mit Pech erklären. Drei Mal ging Tszyu in der Zweiten zu Boden, ehe nach einem weiteren Knockdown in der Dritten das Handtuch aus seiner Ecke kam.

„Das Training in Sydney war großartig. Wieder zu Hause zu sein, zurück im Rockdale Gym, umgeben von vertrauten Gesichtern, das war gut. Wir haben solide Arbeit geleistet“, erklärte Tszyu gegenüber „Boxingscene“. Außerdem habe Australien viel Talent – „ich hatte einige großartige Sparringseinheiten mit aufstrebenden Kämpfern aus dem ganzen Land“. Es fühle sich an, so der Sohn von Ring-Legende Kostya Tszyu, als würde er zu den Wurzeln zurückkehren. Der Halbmittelgewichtler aus Sydney genießt es, wieder Kontakt zu den australischen Fans zu haben, „und dorthin zurückkehren, wo alles begann“. Seine letzten beiden Niederlagen bezog Tszyu in den USA.

„Für mich geht es darum, clever zu kämpfen“

Der nächste Gegner heißt Joey Spencer, stammt aus Fenton, Michigan (USA) und hat eine Bilanz von 19 Siegen (11 K.o.). Der 24-Jährige geht als klarer Außenseiter in das Duell mit dem „Soul Taker“. „Ich habe mir ein paar Videos von Joey angesehen“, sagte Tszyu. „Ich erinnere mich, ihn zum ersten Mal gesehen zu haben, als ich in Minnesota war.“ Der Australier schaut sich nicht übermäßig viele Videos an – eben nur genug, um die Grundlagen der Stärken seiner Gegner zu verstehen.

Bitterer K.o.: Am 19. Oktober kassierte der Australier (v.) vier Niederschläge gegen Bakhram Murtazaliev in drei Runden – danach war Schluss. (Foto: Getty Images)

„Für mich geht es darum, clever zu kämpfen“, betont Tszyu. „Letztes Mal (gegen Murtazaliev; d.Red.) ging ich mit der Einstellung an den Start, ihn in zwei Runden besiegen zu können. Das ging mir durch den Kopf. Aber ein Profikampf dauert nicht zwei Runden – es sind zwölf. Ich muss cleverer sein.“ Für Selbstzweifel ist bei der einstigen Box-Hoffnung aus Down Under ohnehin kein Platz. „Ich weiß, was ich mitbringe. Ich weiß, was ich draufhabe – und es geht darum, es zu zeigen.“

Hoffen auf ein Duell mit Thurman

Keith Thurman, der letztes Jahr gegen Tszyu antreten sollte, bevor Fundora seinen Platz einnahm, wird voraussichtlich als Nächster dran sein, sofern der Australier am 6. April siegreich ist. Letzte Woche kehrte Thurman nach längerer Pause beindruckend zurück und knockte Brock Jarvis in Sydney in nur drei Runden aus.

„Jetzt kommt die Welt zu mir“, sagt Tim Tszyu. „Ich boxe gegen ein aufstrebendes Talent wie Joey, und dann ist da noch Keith, der auf einen Fight mit mir hofft. Ich stehe in der Verantwortung und nehme sie mit vollem Einsatz an.“ Schließlich sei er ein Vertreter Australiens und bringe das hochklassige Boxen in seine Heimat zurück. Und lächelt: „Darauf bin ich stolz.“

Text: Frank Schwantes

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