Bubi Scholz – Gefallener Held | BOXSPORT

Bubi Scholz – Gefallener Held

Heute vor 25 Jahren schied mit Gustav „Bubi“ Scholz einer der größten deutschen Boxer aus dem Leben. Doch zum Zeitpunkt seines Todes war Scholz längst kein Idol mehr. Schuld waren der Alkohol, seine Aggressionen und ein Schuss durch eine Tür.

Max Schmeling war der Vorkriegs-Held, Gustav Scholz das Nachkriegs-Idol. Von 96 Profikämpfen zwischen 1948 und 1964 gewann Bubi stolze 88, davon 46 durch K.o. (Foto: Getty IMages / ullstein)

Am 22. Juli 1984 hatte sich sein Schicksal endgültig umgekehrt. Aus Bubi Scholz, dem strahlenden Mittelgewichts-Europameister von einst, war ein völliger Verlierer geworden. Ein „Mörder“, wie es im Volksmund hieß. Augenscheinlich im Vollsuff hatte er seine Frau Helga in der gemeinsamen Villa im Berliner Nobelviertel Grunewald erschossen – durch die geschlossene Tür der Gästetoilette. Dort hatte sich Helga Scholz laut Gericht gegen 22.00 Uhr eingeschlossen, und Scholz habe aus fünf Zentimeter Entfernung auf die geschlossene Tür geschossen. Die Tatwaffe: ein Kleinkalibergewehr. Das Geschoss traf die 49-Jährige am rechten Ohr und drang in den Kopf. Ob Scholz zum Zeitpunkt der tödlichen Tat wirklich stark alkoholisiert war oder erst Stunden später, als die Polizei ihn orientierungslos am Tatort auffand – man weiß es bis heute nicht.

Rätselhafte Tat

Was vor dem Gewehrschuss passiert war und wie es schließlich dazu kam, wurde nie restlos aufgeklärt. Scholz behauptete, die Kugel hätte sich versehentlich gelöst, während er das Gewehr reinigte. Das glaubte ihm eigentlich niemand, bis heute nicht. Wenige Tage später, in der Untersuchungshaft, versuchte er, sich die Pulsadern aufzuschneiden – mit der Klinge seines Rasierapparats. Zuvor hatte Scholz laut „Spiegel“ wild herumfantasiert, zu den Wärtern gesagt: „Helga lebt. Sie ist nicht tot. Ich will zu ihr!“ Im Januar 1985 musste sich dieser gebrochene Mann vor Gericht verantworten. Eine ganze Heerschar von Reportern wohnte dem Scholz-Prozess in Berlin bei. Die gesamte Bundes­republik schaute gebannt in die damals noch geteilte Stadt. Wie konnte so einer so tief fallen …?

Text von Rolf Heßbrügge

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