Der WM-Fight von Axel Schulz gegen Francois Botha vor 30 Jahren am 9. Dezember 1995 ist einer der kontroversesten Schwergewichtskämpfe der 90er-Jahre – und kannte am Ende nur Verlierer.

Warum kämpften Axel Schulz und Francois Botha?
Im Fight am 9. Dezember 1995 in Stuttgart ging es um den vakanten Weltmeistertitel der IBF im Schwergewicht. Nachdem George Foreman sich weigerte, ein Rematch gegen Axel Schulz zu bestreiten, wurde ihm der Titel vakant. Nachdem Schulz acht Monate zuvor in den USA gegen Foreman um den Sieg betrogen worden war, war es für den deutschen Publikumsliebling endlich die große Chance, sich zum Champion zu krönen. Als Gegner wurde der damals weitgehend unbekannte, aber schlagstarke Südafrikaner Francois Botha bestimmt.
Wie lief der Kampf ab?
18 Millionen Zuschauer zu Hause wollten vor den Bildschirmen mitverfolgen, wie Schulz gegen Botha gewinnt. Doch statt seine Chance beim Schopf zu packen, agierte „Schulle“ von Beginn an viel zu passiv, vor allem in der zweiten Kampfhälfte. Botha dagegen präsentierte sich angriffslustig und risikofreudig. Am Ende werteten die Punktrichter Split Decision – der Südafrikaner siegte knapp nach Punkten. Die meisten Experten jedoch waren sich einig, dass Schulz zumindest ein Unentschieden verdient gehabt hätte.
Warum gilt der Kampf als Skandalfight?
Zum einen flogen nach der Urteilsverkündung Gläser, Flaschen und Stühle aus dem Publikum in Richtung Ring. Viele glaubten, dass Don King, der Botha promotete, das Urteil gekauft hätte. Doch der eigentlich Skandal ereignete sich wenig später. Kurz nach dem vermeintlichen Titelgewinn wurde bekannt, dass Francois Botha positiv auf anabole Steroide getestet wurde. Die IBF reagierte umgehend und erkannte ihm den Titel ab. Das offizielle Ergebnis wurde zu „No Contest“ geändert, der Weltmeistertitel der IBF im Schwergewicht blieb weiterhin vakant.
Für Axel Schulz fühlte sich das Ergebnis dennoch bitter an. Er bekam trotz der Dopingaffäre nicht automatisch den Titel zugesprochen – eine Entscheidung, die bis heute Diskussionen auslöst.
Welche Folgen hatte der Kampf für die Karrieren der Boxer?
Für Axel Schulz war der Fight ein weiteres Kapitel einer Karriere, die häufig von kontroversen Urteilen geprägt war. Er erhielt später erneut eine WM-Chance, diesmal gegen Michael Moorer, die er knapp verlor. Trotz fehlender WM-Krone wurde Schulz zu einem der populärsten deutschen Schwergewichtler der 90er-Jahre.
Francois Botha kämpfte später noch gegen Größen wie Mike Tyson, Wladimir Klitschko und Lennox Lewis – doch der Makel des positiven Dopingtests begleitete ihn dauerhaft. Einen WM-Kampf bei einem der vier großen Verbände konnte der „Weiße Büffel“ in seiner Karriere nie gewinnen.
Text: Frank Schwantes
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