Im BOXSPORT-Interview spricht Axel Schulz über seinen Skandalfight vor 30 Jahren gegen Botha, das bevorstehende Homecoming von Agit Kabayel und über die Titelflut im Boxen.

Hallo Axel, gestern hattest du sozusagen Jubiläum, das Duell Schulz vs. Botha jährte sich zum 30. Mal. Wie erinnerst du dich daran?
Unglaublich, dass das schon 30 Jahre her ist. Aber so fühle ich mich auch. (lacht) Das war ein Kampf, der schon alles hätte verändern können. Es ist ein bisschen ein komisches Gefühl, wenn ich mich daran zurückerinnere. Im Sport ist es normalerweise ja so: Wenn der eine gedopt hat, ist der andere automatisch Sieger. Bei mir war das leider nicht so, ich wurde nach Bothas Dopingvergehen nicht zum Weltmeister erklärt.
Du hast deine Karriere längst beendet. Wie hältst du dich heute fit?
Der Leistungssport hat schon seine Tücken und Spuren hinterlassen. Joggen geht gar nicht mehr, Fitnessstudio ja. Aber das Schöne ist, ich gebe seit einigen Monaten Boxtraining im Precise Resort-Hotel in meinem Heimatort Bad Saarow. Mein Wunsch war es, dass es für die Hotelgäste kostenlos ist. Das Training bereitet jedenfalls viel Spaß.
Wie trainierst du mit den Gästen?
Wir machen Pratzen-Training in einem relativ kleinen Raum, immer zwei Minuten und dann eine Minute Pause – so kann ich innerhalb einer Stunde auch mit jedem Teilnehmer zweimal arbeiten und habe noch Zeit, um Schläge zu korrigieren und Tipps zu geben. Das ist besser, als das Training in einem großen Fitnessraum zu machen und ständig von Gerät zu Gerät rennen zu müssen.

Am 10. Januar steigt das „Homecoming“ von Agit Kabayel in Oberhausen. Welche Erwartungen knüpfst du daran?
Zunächst gehe ich davon aus, dass Agit den Kampf gegen Damian Knyba gewinnt. Schließlich ist es ja keine Pflichtverteidigung, und wenn man so nah dran ist an einem WM-Kampf wie Agit, dann geht man auch kein Risiko ein. Wichtig ist vor allem die ganze Aufmerksamkeit, die er mit seinem Homecoming erzeugt – 13.000 Zuschauer beim Boxen in Deutschland hat es lange nicht mehr gegeben. Außerdem freut es mich, dass auch Simon Zachenhuber auf der Veranstaltung boxt.
Deine Wünsche ans Box-Jahr 2026?
Diese ganzen Box-Verbände, die immer mehr werden und die mit Titeln nur so um sich werfen und ein WM-Fähnchen daran heften, das nervt. Da blickt doch kein Fan mehr durch. Deshalb wünsche ich mir, dass Deutsche Meisterschaften wieder einen höheren Stellenwert erhalten, das ist viel wichtiger und auch der Plan von BDB-Präsident Thomas Pütz. Wenn es um die Deutsche Meisterschaft geht, weiß jeder, dass der BDB dahintersteht und dass es auch ein hochklassiger Titelkampf ist. Die Engländer setzen schon seit vielen Jahren auf nationale Titelkämpfe und sind damit sehr erfolgreich.
Interview: Frank Schwantes