Der deutsche Cruisergewichtler Noel Mikaelian über seinen WM-Triumph gegen Badou Jack, dessen Kampfführung und die Psychospielchen seines Rivalen.

In einem hitzigen Rematch gegen Badou Jack sicherte sich Noel Mikaelian am 13. Dezember in Los Angeles (USA) den WM-Gürtel des Verbandes WBC. Nach zwölf intensiven Runden ließ der deutsche Cruisergewichtler diesmal keine Zweifel aufkommen und triumphierte einstimmig (116:110, 116:110, 115:111) über seinen Rivalen.
Im Interview mit sport.de gibt Mikaelian, der zuletzt von Don King promotet wurde, Einblicke in seine Kämpfe in und außerhalb des Rings. Außerdem spricht der gebürtige Armenier über den Trash-Talk seines Gegners und dessen fragwürdige Kampfführung. Und enthüllt eine interessante Klausel in seinem Vertrag mit Promoter-Pate Don King.
„Schlussstrich nach all dem Stress“
„Ich war euphorisch. Es fühlte sich an wie ein Schlussstrich nach all dem Stress dieses Jahr mit diesem Baou Jack, Don King, dem WBC“, beschreibt Mikaelian seine Gefühle nach der Urteilsverkündung im Ring der Ace Mission Studios in Los Angeles (USA). Noch im ersten WM-Duell gegen Jack im Mai dieses Jahres in Riad (Saudi-Arabien) wähnte sich der 35-Jährige als Sieger – doch die Punktrichter schusterten Jack den Sieg per Majority Decision zu.
Über das WM-Rematch und die Kampfführung des „Ripper“ sagte Mikaelian gegenüber sport.de: „Es war ein ziemlich dreckiger Kampf, so wie der erste ja auch. Ich habe mich in den mittleren Runden an seine Tricks angepasst und ihn selbst dann im Infight auch bearbeitet, habe Emotionen rausgelassen.“ Jack sein ein smarter Fuchs – „diese ganze Halterei, wie er sich wegdreht“.
Mikaelian, der in Hamburg aufwuchs und seinen Wohnsitz im Miami hat, behielt zunächst seine technisch saubere Linie bei. Doch dann ließ er sich auf eine „Brawl“ im Ring ein. „Ich habe gedacht: Okay, wenn er es hart haben will, dann machen wir es hart“, so der frischgebackene WBC-Champ.

Schon im Vorfeld des Rematchs kämpfte Jack mit harten Bandagen: „Er hat mich schon die ganze Woche vor dem Kampf beleidigt, auch persönlich. Ich weiß gar nicht, warum.“ Bei den Face-Offs habe sein Rivale bereits nach wenigen Sekunden seinen Mund nicht mehr halten können, beleidigte Mikaelian als „Faggot“ (homophobe Beleidigung; Anm.d.Red.) – und dass er ihm das Gesicht zerstören werde. Mikaelian: „Ich denke, das waren alles Psychospielchen. Ironischerweise musste er nach dem Kampf ins Krankenhaus mit seinem Gesicht und einem gebrochenem Jochbein.“
Hitzig wurde es dann auch im Kampf. „In der achten Runde wurde der Ring von den Securities gestürmt. Er hat mich in den Ringseilen festgehalten und ich habe mit meiner Rechten weitergeschlagen“, berichtet der Deutsch-Armenier. „Da wurde Jack sauer, denn einiges war auf den Hinterkopf.“ Darauf sei die Security eingeschritten und hielt die beiden Boxer auseinander. „Die Leute dachten schon, es gibt vielleicht eine Disqualifikation für beide.“
Klausel im King-Vertrag
Trotz der hitzigen Auseinandersetzung adelte der neue Weltmeister im Cruisergewicht seinen Konkurrenten als einen großen wie gerissenen Boxer. Und der zeigte anschließend Fairness: „Nach dem Kampf hat Jack mir Respekt gezollt und gesagt, ich war der bessere Mann.“
Über seinen Deal mit Promoter Don King, der ihm in den letzten Jahren etlichen Ärger eingebracht hatte, sagte Mikaelian: „Ich habe immer noch einen King-Vertrag, habe aber eine Zusatzklausel. Wenn bessere Angebote auf dem Markt sind, darf ich diese annehmen, wenn King sie nicht innerhalb von fünf Tagen matchen kann.“ Und da King praktisch nichts mehr mache, sei er in einer ganz guten Position.
Als Nächstes visiert er nun einen Vereinigungskampf mit IBF-Weltmeister Jai Opetaia an. Mikaelian: „Ich habe auch direkt gesagt, als ich seine Nachricht bekommen habe: Let’s go, let’s go!“
Text: Frank Schwantes