Im zweiten Teil des Interviews erklärt Florian Winter, warum Ringlife perfekt ins Konzept passt, welche Rolle Nelvie Tiafack und Viktor Jurk spielen – und weshalb die ARD-Partnerschaft für Ringside Zone ein echter Meilenstein ist.

Auch die Schwergewichtler Viktor Jurk und Nelvie Tiafack steigen in Mannheim in den Ring.
Durch seine olympische Medaille bringt Nelvie enorm viel Aufmerksamkeit mit – völlig zurecht, denn boxerisch ist er sehr stark. Besonders beeindruckt mich bei ihm seine Disziplin im Training. Nelvie wirkt wie ein absoluter Vorzeigeathlet und wird in Mannheim sicher wieder eine starke Show liefern. Auch Viktor Jurk halte ich für ein Ausnahmetalent. Ulli Wegner hat ihn sogar als Jahrhunderttalent bezeichnet. Allein durch seine Größe und als Rechtsausleger stellt er viele Gegner vor große Probleme. Dazu kommt, dass Viktor sehr ruhig und abgeklärt boxt und über enorme Schlaghärte verfügt. Ich bin überzeugt, dass er für viel Aufsehen sorgen wird. Mit jedem weiteren Kampf und jedem klaren Sieg dürfte er auch international immer stärker wahrgenommen werden.
Box-Influencer Edmon Avagyan alias „Ringlife“ wird in der SAP Arena sein Profi-Debüt geben. Wie entstand diese Idee?
Wir kannten uns bereits, und in Oberhausen beim Kampf von Agit kam Edmon auf mich zu und sagte, dass für ihn, wenn überhaupt, nur eines unserer Events infrage käme. Für mich war sofort klar, dass wir das machen wollen, auch weil ich ihn als Person sehr schätze. Edmon hat mit seinen YouTube-Formaten viel für den Kampfsport getan und ihn einer breiteren Öffentlichkeit nähergebracht. Dazu kommt: Ich halte ihn auch boxerisch für interessant. Er hat eine Amateurvergangenheit und wird in Mannheim über vier Runden im Cruisergewicht debütieren. Wichtig fand ich auch seine Einstellung bei der Gegnerwahl. Patrick Fiala aus Tschechien ist ein starker Gegner, und genau so wollte Edmon es auch. Er hat sogar zwei vorgeschlagene Gegner abgelehnt, weil sie ihm zu schwach waren. Diese Mentalität sieht man nicht oft. Klar ist auch: Durch Edmon entsteht schon jetzt viel Reichweite. Davon profitieren unsere Boxer, aber auch wir als Plattform. Genau deshalb passt dieses Debüt sehr gut in das Gesamtkonzept des Events.
Im Welter steigt ein „Final Eliminator“ zwischen dem Ukrainer Karen Chukhadzhian, Nummer fünf der IBF-Rangliste, und dem Iren Paddy Donovan, der Nummer drei. Wieso steigt dieser Fight in Mannheim?
Wir pflegen gute Beziehungen zu EMX Sports, der Promotion von Karen in Riga, und haben uns für diesen Fight eingesetzt. Donovan gehört zum Stall von Eddie Hearn, der im Bieterverfahren um die Austragung allerdings unterlegen war. Dieser Final Eliminator im Weltergewicht wird ein Highlight über zwölf Runden und auch der finale Kampf des Abends sein.
Als Top-Show-Act wird Star-Comedian Bülent Ceylan auftreten. Wie kam es zu diesem Engagement?
Zum einen verbindet uns die Region mit Bülent – er kommt aus Mannheim und passt damit natürlich perfekt zu diesem Event. Zum anderen zählt er seit Jahrzehnten zu den prägenden und erfolgreichsten Comedians in Deutschland. Dazu kommt die besondere Verbindung zu Emanuel Odiase. Die beiden verstehen sich hervorragend und haben ein sehr gutes persönliches Verhältnis. Wir waren erst kürzlich bei Bülents Auftritt in Heilbronn, dort auch backstage zusammen, haben gemeinsam gegessen und gemerkt, wie viele Gemeinsamkeiten es gibt. Wir sind sehr stolz, dass er dabei ist.
Überraschend für viele: Erstmals wird ein Ringside-Zone-Event von der ARD live übertragen. Wie kam es zu diesem Deal?
Der Deal entstand nach langen und intensiven Gesprächen. Es gab mehrere interessierte TV-Partner, weil viele erkannt haben, welches Potenzial Boxen in Deutschland weiter besitzt. Für uns stand dabei ein Punkt über allem: Das Event sollte frei zugänglich bleiben. Wir wollen keinen Nischensport künstlich großreden, sondern eine Sportart zurück auf eine große Bühne bringen, die in Deutschland einmal enorme Reichweite hatte. Gleichzeitig verändert sich die TV-Landschaft massiv. Immer mehr Inhalte wandern in den Streaming-Bereich, und genau dort muss auch ein großer Sender heute präsent sein. Die ARD geht diesen Weg und öffnet mit ihrer Mediathek genau die Tür, die für uns entscheidend war.
Welche Zielgruppen wollt ihr mithilfe dieser Kooperation genau erreichen?
Für uns passt diese Partnerschaft in beide Richtungen sehr gut: Wir bringen eine jüngere Zielgruppe über Social Media und digitale Reichweite mit, die ARD erreicht wiederum ein Publikum, das wir über Instagram und unsere Kanäle so nicht erreichen. Gerade für ältere Boxfans oder Zuschauer, die Boxen im klassischen Umfeld wahrnehmen, ist die ARD deshalb ein idealer Partner. Man muss in solchen Verhandlungen natürlich schon mit Argumenten überzeugen. Aber ich glaube, dass wir mit unserem Konzept vermitteln konnten, dass dieser Weg zukunftsträchtig ist. In unserer Kooperation geht es auch darum, längerfristig zusammenzuarbeiten. Dementsprechend gibt es eine Option, auch die weiteren Events mit der ARD zu veranstalten. Wichtig war uns außerdem, dass nicht nur einzelne Ausschnitte oder der Hauptkampf sichtbar werden, sondern das komplette Event. Der Hauptfokus liegt klar auf dem Stream, weil dort aus meiner Sicht die Zukunft liegt. Free-TV kann zusätzlich helfen, aber entscheidend bleibt für mich vor allem die Plattform ARD insgesamt – als Bühne, um wieder mehr Aufmerksamkeit auf Boxen in Deutschland zu lenken.
Interview von Frank Schwantes