Am 3. September startet in den deutschen Kinos ein Film über Box-Pionierin Christy Martin. BOXSPORT hat das Biopic „That’s Why the Lady Is a Champ“ bereits gesehen. Hier die Kritik.

Bemerkenswerte Biopics über männliche Boxer gibt es einige, etwa Martin Scorseses Wie ein wilder Stier über Jake La Motta, Michael Manns Ali über „The Greatest“ oder Hands of Stone über Roberto Duran. Frauenboxen kam selten auf die Leinwand und wenn dann meist in rein fiktiven Filmen wie Girlfight oder Million Dollar Baby. Mit That’s Why the Lady Is a Champ, im Original lediglich Christy betitelt, wird nun die Geschichte von Christy Martin, Pionierin des Frauenboxens, im Kino erzählt.
Boxszenen ohne Stunts
Hauptdarstellerin Sydney Sweeney ist vor allem für den RomCom-Hit Wo die Lüge hinfällt und die Erfolgsserie Euphoria bekannt, sucht parallel dazu aber immer nach Werken, mit denen sie ihr schauspielerisches Profil stärken kann. Daher produzierte sie That’s Why the Lady Is a Champ gleich mit, machte ihre eigenen Stunts und verzichtete auf ein Double in den Boxszenen. Außerdem ist die sonst so glamouröse, blonde Sweeney hier mit braun gefärbten Haaren zu sehen – anfangs noch als Tomboy, später im Nineties-Style, wenn sie Martin in deren Karriere-Hochphase verkörpert.
Als Biopic ist That’s Why the Lady Is a Champ eher konventionell: Der von David Michôd inszenierte und mitgeschriebene Film arbeitet die wichtigsten Stationen der Karriere seiner Hauptfigur ab, verkürzt vieles auch aus dramaturgischen Gründen: So erscheint es so, als habe die Protagonistin ihre Profikarriere direkt mit einem Sieg und nicht mit einem Unentschieden begonnen – oder als habe der spätere Vertrag mit Don King direkt zum legendären Fight gegen Deidre Gogarty geführt, während Martin der Realität schon jede Menge Kämpfe für Don King geboxt hatte, ehe sie die große Chance auf der Undercard des Mike-Tyson-Comebacks bekam.
Das Drama spitzt sich zu
That’s Why the Lady Is a Champ stellt seine Box-Szenen weniger in den Mittelpunkt als etwa Rocky, Southpaw oder Wie ein wilder Stier: Viele Kämpfe werden nur angerissen oder in einer Montage abgearbeitet, lediglich die dramaturgisch wichtigen Matches gegen Gogarty und Laila Ali bekommen mehr Raum. Stattdessen geht es Michôd eher um die Privatperson Christy Martin, geboren als Christy Renea Salters. Die war sich schon als Jugendliche ihrer Homosexualität bewusst, die in ihrer Heimat im ländlichen West Virginia verpönt war.
Die Boxerin heiratet im Alter von 22 Jahren ihren mehr als doppelt so alten Trainer Jim Martin (Ben Foster), eher aus Verlegenheit und Ratlosigkeit, als dieser ihr einen Antrag macht. That’s Why the Lady Is a Champ ist in erster Linie die Geschichte ihrer Ehe, mit dem dominanten, kontrollierenden Trainer-Ehemann, der sich eine Machtposition schafft, obwohl eigentlich seine Frau im Ring die Leistung vollbringt, den Ruhm erarbeitet und das Geld nach Hause bringt. Das Biopic spitzt das Drama immer weiter zu, bis zum fatalen Konflikt, der 2010 in einem Mordversuch endet.
Gelungener Blick
That’s Why the Lady Is a Champ kann sich auf die dramatische wahre Geschichte der Box-Pionierin verlassen, die in der Öffentlichkeit immer noch etwas unter dem Radar fliegt, im Gegensatz zu anderen Skandalstorys aus der Box-Welt. Und er lebt von der Darbietung seiner Hauptdarsteller Sweeney und Foster, welche die Geschichte um Kontrolle, Selbstverleugnung und Selbstzerstörung mit der nötigen Intensität spielen. That’s Why the Lady Is a Champ ist konventionell, inszenatorisch weniger ausdrucksstark als beispielsweise Wie ein wilder Stier oder Creed – Rocky’s Legacy, aber ein gelungener Blick auf eine Box-Heldin, die 2020 gemeinsam mit Lucia Rijker und Barbara Buttrick als erste Frau in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen wurde.
Text: Nils Bothmann