Fury vs. Joshua: Steht Mega-Duell vor dem Blitz-K.o.? | BOXSPORT

Fury vs. Joshua: Steht Mega-Duell vor dem Blitz-K.o.?

Gerade erst wurde die „Schlacht um Britannien“ zwischen Tyson Fury und Anthony Joshua offiziell bestätigt. Nun könnte ein Promoter-Streit hinter den Kulissen schon wieder für das Aus des lang ersehnten Mega-Duells sorgen.

Muss Tyson Fury (l.) seine Mega-Börse für ein Duell mit Anthony Joshua abschreiben? Der Ex-Champ pöbelt lautstark gegen Team AJ. (Foto: Getty Images / Mark Robinson)

Der mit Millionen dotierte Schwergewichts-Kracher zwischen Tyson Fury und Anthony Joshua könnte schon kurz nach seiner Verkündung wieder Geschichte sein. Mehrere Medien und Boxinsider berichten, dass das lange erwartete britische Duell zu platzen droht.

„Das sind feige kleine Scheißer“

Fury selbst erklärte via Instagram, die „Battle of Britain“ stehe vor dem Aus. „Breaking News: Anthony Joshua und Eddie Hearn versuchen, aus diesem Kampf rauszukommen. Sie sagen, dass er jetzt doch nicht kämpfen wird. Das sind feige kleine Scheißer – und hauptsächlich hat das mit Eddie Hearns Ego zu tun. Er denkt sich eine Million verschiedene Dinge aus und droht damit: ,Wir werden nicht kämpfen.‘ Du kleiner Feigling“, wetterte der 2,06 Meter große Ex-Weltmeister. Laut Fury suchen die Veranstalter bereits nach einem Ersatzgegner.

Dabei hatte der saudische Box-Impresario Turki Al-Sheikh den Fight erst am Donnerstag als perfekt gemeldet. Am 11. Dezember sollen Fury und Joshua im Principality Stadium in Cardiff vor 80.000 Fans boxen, Netflix will weltweit übertragen. Für den 38-jährigen Fury und den zwei Jahre jüngeren Joshua stehen Medienberichten zufolge jeweils bis zu 100 Millionen Pfund, rund 116 Millionen Euro, im Raum.

Promoter-Zoff Hearn vs. White

Auslöser des Streits ist offenbar das Verhältnis zwischen Joshuas Promoter Eddie Hearn und US-Promoter Dana White. Als zunächst der Madison Square Garden in New York als Austragungsort favorisiert wurde, drängte Hearn auf Großbritannien und verlangte zugleich, dass White keine Rolle als Promoter erhält. Das ist brisant, weil White eng mit Al-Sheikh verbunden ist. Der Saudi finanziert den Kampf auch mit Mitteln des Public Investment Funds des Königshauses. Gemeinsam haben Al-Sheikh und White in den USA die Box-Liga Zuffa gegründet und wollen etablierten Promotern wie Hearn Marktanteile abnehmen. Bei der Verkündung des Cardiff-Events wurde White im Namen des Al-Sheikh gehörenden Magazins „The Ring“ als Promoter geführt.

Joshua und Fury hatten im Frühjahr Verträge mit Al-Sheikh und dem saudischen Event-Vermarkter Sela unterzeichnet. Laut Hearn schreibt Joshuas Vertrag sowohl einen Austragungsort in Großbritannien als auch den Ausschluss Whites als Promoter vor. Fury bestätigte, dass eine entsprechende Klausel auch in seinem Kontrakt stand, er sie aber entfernen ließ: „In Joshuas Vertrag steht offenbar, dass Dana nicht involviert sein durfte. Das stand auch in meinem, aber ich hab’s rausgenommen, damit er involviert sein konnte.“

US-Boxmanager Rick Glaser hält den Kampf ebenfalls für gescheitert und macht Hearn verantwortlich. „Eddie Hearn hat es endlich geschafft. Er hat seine Rolle völlig überreizt und den Kampf zum Scheitern gebracht“, schrieb er. Die „relevanten Mächte“ hätten das Event wieder abgesagt. Hearn stelle Bedingungen, „obwohl er weder die Veranstaltung finanziert noch eine Medienplattform wie Netflix zur Verfügung stellt“.

Bönte kritisiert Fury & Co.

Bernd Bönte, langjähriger Manager der Klitschko-Brüder, ordnet die Lage anders ein. „Als jemand, der mit Eddie Hearn große Verträge – wie etwa zu dem Kampf zwischen Joshua und Wladimir Klitschko 2017 im Wembley-Stadion – ausgehandelt hat, kann ich nur sagen, dass sich alle Details einer solchen Vereinbarung – wer geht als erstes in den Ring, welche Ringgröße gibt es etc. – in den Verträgen der Boxer eins zu eins widerspiegeln müssen“, sagte er bei ntv/RTL. „Vertrag ist Vertrag. Wenn Hearn und Joshua einen Vertrag ausgehandelt und unterschrieben haben, in dem steht, dass White nicht der Promoter ist, und er jetzt doch Promoter sein soll, dann ist das Vertragsbruch – ganz einfach. Das wäre absolut unprofessionell von den Veranstaltern um Turki Al-Sheikh.“

Auch Fury kritisiert Bönte. Bei ihm wisse man, „dass er macht, was er will“. Dass der „Gypsy King“ die White-Klausel streichen ließ, sei zudem illoyal gegenüber seinem langjährigen Promoter Frank Warren. „Warren ist ganz sicher alles andere als erpicht darauf, dass White nun als Promoter in Großbritannien auftritt.“ Fury und Al-Sheikh hätten wohl darauf gesetzt, dass Joshua angesichts der riesigen Börse einlenkt. „Wenn er und Hearn jetzt auf dem Vertrag bestehen, spricht das für ihr Rückgrat, besonders das von Joshua. Denn es ist ja sein Geld, um das es geht“, erklärte Bönte.

Text: Frank Schwantes

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