Kabayel: „Unentschieden wäre fairer gewesen“

Gerecht oder nicht? Der Streit um das Urteil bei Beterbiev vs. Bivol setzt sich fort. Grund genug für BOXSPORT, einmal bei Deutschlands Box-Hoffnung Agit Kabayel nachzuhören!

Für Agit Kabayel war der Bivol-Beterbiev-Fight unabhängig vom Ergebnis gute Werbung für den Boxsport. (Foto: IMAGO / Moritz Müller)

Die Kontroverse um das Urteil im Undisputed-Fight im Halbschwergewicht zwischen Artur Beterbiev und Dmitry Bivol schlägt auch Tage nach dem Showdown weiter Wellen. Beterbiev hatte den Kampf um alle WM-Gürtel der vier großen Weltverbände am Samstag in der Kingdom Arena von Riad (Saudi-Arabien) knapp per Mehrheitsentscheid (2:0:1) gewonnen. Viele Fans und Experten sahen jedoch in dem sechs Jahre jüngeren Bivol den Sieger des Duells – vor allem entstand eine Kontroverse um die Wertung von 116:112 von Punktrichter Pawel Kardyni (Polen), der Beterbiev deutlich vorne sah. Die anderen beiden Judges werteten 115:113 und 114:114.

Agit Kabayel kann die ganze Aufregung nur zum Teil nachvollziehen. „Dieser Undisputed-Fight war klasse Werbung für den Boxsport“, hält Deutschlands Schwergewichts-Hoffnung zunächst fest. „Meiner Meinung nach ist ein knapper Sieg zugunsten von Beterbiev vertretbar.“ Mit der 116:112-Wertung kann sich allerdings auch der 32-jährige Bochumer nicht anfreunden. „Ich persönlich hätte ein Unentschieden für beide gerechter gefunden“, erklärte Kabayel gegenüber BOXSPORT.

„Beterbiev hat das clever angestellt“

Dabei verwies „Deutschlands Boxer des Jahres 2023“ auf die Eindrücke, die während eines solchen Fights entstehen: „Manche Punktrichter bewerten stärker danach, wer der aggressivere Boxer im Ring ist, wer den Kampf sucht und ihn unbedingt machen will.“ Das sei bei Beterbiev mehr der Fall gewesen als bei Bivol, der dagegen stärker konterte. „Beterbiev hat das clever angestellt und zum Ende einer Runde noch mal Gas gegeben, was ihn bei den Judges gut aussehen ließ.“

Kabayel, der sowohl WBC-Pflichtherausforderer als auch für einen WM-Eliminator beim Konkurrenzverband IBF vorgesehen ist, weiß um die oft schwierige Bewertung des Ringgeschehens auf hohem Niveau wie bei Beterbiev vs. Bivol. Es gäbe schließlich keinen Videobeweis oder ähnliches: „Die Punktrichter haben während des Fights keine Möglichkeit, eine Runde anschließend per Video zu analysieren, sondern müssen sich schnell entscheiden.“

Text: Frank Schwantes


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