Hall-of-Famer Bob Arum startete vor 60 Jahren mit Muhammad Ali ins Box-Geschäft – und machte „Top Rank“ zu einer der bedeutendsten Promotions des Profiboxens.

Was vor 60 Jahren mit Muhammad Alis Titelverteidigung in Toronto (Kanada) begann, entwickelte sich zu einer der mächtigsten Promotions in der Geschichte des Boxsports. Am 29. März 1966 promotete Bob Arum seinen ersten Kampf und startete damit eine sechs Jahrzehnte währende Reise. Seitdem prägte der heute 94-Jährige mit seinem Unternehmen „Top Rank“ Generationen von Champions, bedeutende Momente sowie das weltweite Wachstum des Boxsports entscheidend mit.
„Ein großartiges Abenteuer“
„60 Jahre sind eine lange Zeit. Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, und es war ein großartiges Abenteuer“, sagte Arum. „Ich werde oft gefragt, welche Promotion für mich am schwierigsten war. Die größte Herausforderung war die Organisation meines ersten Kampfes. Alles andere war im Vergleich dazu ein Kinderspiel.“
An jenem Abend des 29. März 1966 verteidigte Ali seinen Schwergewichtstitel souverän gegen George Chuvalo. „The Greatest“ siegte im „Maple Leaf Gardens“ von Toronto einstimmig nach Punkten gegen seinen kanadischen Herausforderer. Doch für den 34-jährigen Arum war es ein schwieriger Einstieg in die Box-Branche.
Der gebürtige Brooklyner und Absolvent der Harvard Law School hatte keine Erfahrung als Promoter und nur wenig Hintergrundwissen im Boxsport. Arum war unter dem damaligen US-Justizminister Robert F. Kennedy als Bundesstaatsanwalt tätig. 1962 leitete er als Chef der Steuerabteilung des Südbezirks von New York die Beschlagnahme der Einnahmen aus dem Schwergewichts-Weltmeisterschaftskampf zwischen Floyd Patterson und Sonny Liston.
Keiner wollte Muhammad Ali
Einige Jahre später lernte er Ali während seiner Tätigkeit in einer Privatpraxis kennen. Trotz der Ablehnung vieler Städte, den Champion aufgrund seiner Haltung zum Vietnamkrieg zu empfangen, bot Arum diesem die Ausrichtung der Titelverteidigung in Toronto an. Was folgte, war eine Hall-of-Fame-Karriere, die den Boxsport über Generationen hinweg prägte.
„Das Letzte, was ich mir damals vorstellen konnte, war, Boxpromoter zu sein“, sagt der ausgebildete Jurist. „Als ich anfing, gab es noch keine Satelliten, um Boxkämpfe ins Ausland zu übertragen. Diese Technologie existierte einfach nicht.„ Im Boxsport habe sich seitdem alles verändert, „von dem, was ich am Anfang gemacht habe, bis zu dem, was ich heute, 60 Jahre später, mache“, so Arum. „Die wichtigste Lektion, die ich gelernt habe, ist: Man muss flexibel genug sein, um zu wissen, dass die Dinge nicht immer so bleiben werden.“
Arum veranstaltete insgesamt 27 Kämpfe von Muhammad Ali und wurde zu einer Schlüsselfigur in der Ära der „Four Kings“ in den 1980er-Jahren. Er organisierte bedeutende Kämpfe mit Sugar Ray Leonard, Marvin Hagler, Thomas Hearns und Roberto Duran. Später betreute er George Foremans Comeback, das in einem historischen Titelgewinn im Schwergewicht gipfelte, und begleitete Manny Pacquiao durch seine WM-Fights in verschiedenen Gewichtsklassen.
„Stolz, so lange durchgehalten zu haben“
Die Promoter-Legende führte zahlreiche Boxer vom Profidebüt bis zum Weltmeistertitel, darunter Oscar de la Hoya, Floyd Mayweather Jr., Miguel Cotto, Teofimo Lopez, Shakur Stevenson, Oscar Valdez, Mikaela Mayer und Vasiliy Lomachenko. Diese Tradition setzt Top Rank heute mit Kämpfern wie Keyshawn Davis, Xander Zayas, Abdullah Mason und Bruce Carrington fort.
„Wenn ich zurückblicke, bin ich am meisten stolz darauf, dass ich in den 60 Jahren, die ich in diesem Sport verbracht habe, so lange durchgehalten habe, sowohl körperlich als auch mental“, gesteht Arum. „Es ist nicht einfach, Promoter zu sein.“
In über sechs Jahrzehnten hat Top Rank mehr als 2.200 Boxveranstaltungen sowie 700 Weltmeisterschaftskämpfe veranstaltet, Events in über 200 amerikanischen Städten und Dutzenden von Ländern ausgerichtet und 75 Boxer der Hall of Fame unter seinem Banner präsentiert. Top Rank wird das 60-jährige Jubiläum im gesamten Jahr 2026 mit Sonderprogrammen, Archivbeiträgen und originellen digitalen Inhalten feiern, die die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Unternehmens würdigen, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.
Text: Frank Schwantes