Simon Zachenhuber bekommt im Rahmen des Kampfes Joshua vs. Prenga die Chance auf den WBO-Weltmeistertitel im Kampof gegen Hamzah Sheeraz. Vorab stand er im DAZN-Interview Rede und Antwort.

Simon Zachenhuber über die Kurzfristigkeit des Kampfes
Ich habe Gott sei Dank schon etwas früher davon erfahren. Beziehungsweise hatten wir ja zunächst noch den anderen Kampf vor uns. Ich habe erst vor zwei Wochen in Köln geboxt, und bereits in der Woche davor haben wir die Information bekommen, dass die Möglichkeit besteht, dass der Kampf gegen Hamza Sheeraz zustande kommen könnte. Da fängt man natürlich erst einmal an zu überlegen: Macht man diesen, in Anführungszeichen, „unwichtigen“ Kampf kurz vor einer WM überhaupt noch? Es kann schließlich immer etwas passieren, sei es ein Cut, eine Verletzung oder etwas anderes. Letztendlich waren wir aber nur noch zwei bis drei Tage vom Kampf entfernt, und dann haben wir entschieden, ihn auf jeden Fall zu machen. Ich habe ihn mehr oder weniger als eine reale Sparringseinheit betrachtet, um im Rhythmus zu bleiben und das Trainingsniveau aufrechtzuerhalten.
Über die Entscheidung, den Boxkampf anzunehmen
So eine Entscheidung treffen wir natürlich immer gemeinsam, mein Trainer Conny und ich. In diesem Fall haben wir sofort Ja gesagt, ohne lange zu überlegen. Drei oder vier Tage später hatte ich dann meinen Kampf in Köln, und danach nimmt alles seinen Lauf. Es war mein 30. Profikampf, da hat man eine gewisse Routine. Man bleibt im Training und bereitet sich auf die nächste Aufgabe vor. Natürlich wussten wir: Er ist die Nummer eins und Weltmeister, das ist noch einmal ein ganz anderes Niveau als der letzte Gegner. Aber am Ende ist auch er nur ein Mensch mit zwei Händen und einem Kopf. Und den muss man genauso boxen wie jeden anderen.
So groß wähnt der „Matador” seine WM-Chance
Wenn ich darüber nachdenke, ist es ein Traum, der jetzt in Erfüllung geht, dass wir um die WM boxen. Mein Trainer hat immer gesagt: Das ist das, was du eigentlich immer wolltest, nämlich um die Weltmeisterschaft zu kämpfen. Aber jetzt, wo es so weit ist, will man natürlich mehr. Man will den Kampf auch gewinnen. Ich fahre auf jeden Fall hin, um zu gewinnen. Ich habe ein ganz klares Ziel. Wir kennen meine Stärken, wir kennen die Stärken von Shiraz, aber auch seine Schwächen. Deshalb rechnen wir uns schon etwas aus und sind überzeugt, dass wir den Kampf gewinnen können.
Zachenhuber über seinen Gegner Hamzah Sheeraz
Er ist nicht umsonst die Nummer eins und Weltmeister. Wir haben ihn uns sehr genau angeschaut. Natürlich werde ich jetzt nicht verraten, welche Stärken und Schwächen wir bei ihm ausgemacht haben. Aber eins kann ich sagen: Ich werde alles geben, mein Herz in die Hand nehmen und mich nicht verstecken. Ich werde nach vorne gehen, Vollgas geben und alles daransetzen, den Kampf für mich zu entscheiden. Es war noch nie eine gute Idee, jemanden zu unterschätzen. Ob er mich unterschätzt, weiß ich nicht. Ich gehe aber davon aus, dass er professionell genug ist, sich jeden Gegner genau anzuschauen. Nächste Woche werden wir sehen, worauf er sich eingestellt hat. Als Rechtsausleger bringe ich natürlich auch etwas mit, womit nicht jeder regelmäßig zu tun hat. Ich glaube, gegen viele Gegner meines Typs hat er noch nicht geboxt. Von daher: Wir nehmen die Außenseiterrolle an. Und dann heißt es einfach: Auf geht’s!
Über die Kritik am WM-Kampf von Zachenhuber
Das ist letztlich eine Frage des Rankings und der Verbandsregeln. Der Kampf gegen Pavel Augus war unglücklich. Er wurde kurzfristig auf sechs Runden angesetzt. Ich bin als Vollprofi auf zehn oder zwölf Runden ausgelegt und trainiere entsprechend. Man muss ehrlich sagen: Die ersten vier Runden waren nicht gut von mir. Ich bin schlecht in den Kampf gekommen und habe am Ende mit 4:2 verloren. Gleichzeitig konnte aber jeder sehen, dass Augus gegen Ende stark abgebaut hat. Eine siebte Runde hätte er vermutlich nicht mehr überstanden. Für die WBO hatte dieser Kampf allerdings kaum Auswirkungen, weil es eben nur ein Sechsrundenkampf war und weder ein Titelkampf noch ein regulärer Zehnrunder. Deshalb blieb ich auf Rang sieben der Weltrangliste. Ich war weiterhin im Ranking vertreten und damit im Rennen. Natürlich freue ich mich auch für Pavel. Er hat den Kampf gewonnen, sich dadurch einen Namen gemacht und boxt nun ebenfalls auf dieser großen Veranstaltung gegen Jacob Bank. Das ist doch eine tolle Entwicklung. Ich selbst habe meinen letzten Kampf wieder gewonnen und meinen Standpunkt sportlich untermauert. Deshalb bin ich der Überzeugung, dass ich mir die Chance auf den WM-Kampf verdient habe.
So sehen die letzten Vorbereitungen vor seinem Kampf aus
Wir befinden uns gerade am Ende der Sparringsphase. Ich komme direkt aus zwölf Runden Sparring, morgen steht noch einmal Sparring auf dem Programm. Ende dieser Woche beziehungsweise Anfang nächster Woche reisen wir dann nach Saudi-Arabien. Ansonsten läuft alles nach Plan. Die Bedingungen dort kommen uns sogar entgegen. Beim Thema Gewichtmachen ist etwas mehr Wärme oft hilfreich. Der Fokus liegt jetzt darauf, die Form hochzuhalten. An der Fitness wird nicht mehr gearbeitet, denn das, was man bis jetzt nicht aufgebaut hat, kann man ohnehin nicht mehr nachholen. Zum Glück gibt es bei uns aber nichts aufzuholen. Wir sind topfit und werden entsprechend in den Kampf gehen. In der Fight Week selbst läuft dann alles wie gewohnt ab: Medientermine, Wiegen, die letzten Einheiten. Ob der Kampf nun in Saudi-Arabien oder irgendwo anders stattfindet, macht in der Routine keinen großen Unterschied.