Bevor ich loslege: Ich freue mich sehr, dass du hier bist, um meine Kolumne zu lesen. Es wird chaotisch, lustig, aber hauptsächlich 100 Prozent echt. Ich werde von vielen Anekdoten und Erfahrungen aus dem Boxen berichten, aber dir auch spannende Insights in meinen alltäglichen Wahnsinn geben. Und jetzt heißt es: Ring frei!

Ich bin nun seit zwei Tagen wieder in den USA. Seit meinem letzten Besuch hat sich einiges verändert. Mein Management hat das Fitnessstudio, in dem ich bisher immer trainiert habe, gekauft und damit einen zweiten Standort eröffnet. Neben dem bestehenden Gym in Tunesien gibt es nun also auch eines in Hollywood Beach, Florida.
Auch der Trainingsplan wurde überarbeitet. Dreimal die Woche wird jetzt auch Yoga angeboten. Das mag für viele ungewöhnlich klingen, wenn sie an Kampfsport denken, aber ich habe es schon früher immer mal wieder gerne gemacht, wenn ich Zeit hatte. Irgendwann habe ich dann ganz aufgehört. Die Möglichkeit, es jetzt wieder regelmäßig zu machen, hat mich dazu bewegt, wieder damit anzufangen.
Yoga ist viel mehr als nur Stretching mit Entspannungsmusik. Es bringt viele Vorteile mit sich, gerade auch für Kampfsportler. Durch die Yoga-Flows trainiert man neben Flexibilität und Beweglichkeit auch Balance und Körperkontrolle – eine Kontrolle, die bis in die Tiefenmuskulatur reicht. Der Fokus auf bewusste Atmung hilft dabei, den Puls und Stress zu kontrollieren, und schult auch die Achtsamkeit und innere Ruhe. Es ist kein Zufall, dass viele Top-Athleten aus dem Kampfsport Yoga praktizieren. Floyd Mayweather, Anthony Joshua und Conor McGregor – sie alle nutzen Yoga nicht nur als Kontrastprogramm, sondern als Ergänzung.
„Genau das, was wir brauchen!“
Die Yogalehrerin, mit der wir nun zusammenarbeiten, führt mit uns Boxern Vinyasa-Flows durch. Diese sind bekannt für die ausdauernde Beanspruchung der Tiefenmuskulatur und einen natürlichen Bewegungsfluss. Man merkt, wie unterschiedlich es zu unserem üblichen Training ist und wie sehr es selbst die top trainierten Jungs an ihre Grenzen bringt. Auch ich bin ganz schön ins Schwitzen gekommen, aber zum Glück vergisst der Körper nicht, sodass ich gut mithalten konnte. Der Kontrast zum Boxtraining ist dennoch genau das, was wir brauchen. Gerade in puncto Balance können wir alle noch einiges im Yogatraining lernen, was für unsere Bewegungsabläufe und Techniken im Boxen von großem Vorteil ist. Vielleicht ist es genau diese ungewohnte Ruhe im Yoga, die uns im Ring noch präziser, noch kontrollierter und letztlich auch gefährlicher macht.
Sarah Liegmann
Sarah Liegmann wurde am 26. Januar 2002 in Bonn geboren. Die Federgewichtlerin boxt seit 2021 als Profi, trainiert und lebt in Deutschland und in den USA. Liegmann alias „The Princess“ ist amtierende WBC-Junioren-Championesse. Zudem sicherte sich die frühere Kickboxerin den WM-Gürtel des Verbandes WBF.
Webseite: princess-boxing.de
Instagram: sarahliegmann
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