Showdown in Down Under: Cinkara glaubt an das Wunder | BOXSPORT

Showdown in Down Under: Cinkara glaubt an das Wunder

In Australien wartet die härteste Prüfung seines Lebens: Cinkara trifft auf Cruiser-König Opetaia. Der IBF-Pflichtherausforderer verspricht: „Es wird eine Schlacht.“

Hüseyin Cinkara greift mit 40 nach dem IBF-Gürtel – gegen keinen Geringeren als Top-Cruisergewicht Jai Opetaia. (Foto: Privat)

Die Reise ist lang, der Moment riesig: Am Samstag wird Hüseyin Cinkara in Australien in jenen Ring steigen, von dem Boxfans seit Jahren sagen, er sei für solche Männer gemacht – für Spätstarter, Kämpfer, Unbeirrbare. Der 40-jährige Deutsch-Türke bekommt im Gold Coast Convention Centre endlich seine WM-Chance gegen IBF-Champion Jai Opetaia, einen der gefährlichsten Cruisergewichtler der Welt.

Der Weg dorthin war alles andere als gradlinig. Schon im Frühjahr 2024 sicherte sich Cinkara mit einem spektakulären Knockout gegen Armend Xhoxhaj den Status als Pflichtherausforderer. Der Sieg elektrisierte damals die Szene – viele hatten den Mann aus Speyer schlicht nicht auf dem Zettel. „Wenn ich auf andere hören würde, hätte ich vor elf Jahren aufgehört“, sagt Cinkara heute trocken.

„Aufgeben ist nicht meine Natur“

Als die WM im Januar 2025 stattfinden sollte, stoppte ihn eine Verletzung. Zu diesem Zeitpunkt glaubten selbst Unterstützer, dass seine Chance damit verflogen sei. „Alle dachten, es sei vorbei. Aber aufgeben ist nicht meine Natur.“ Dass Opetaias Team ihm später 150.000 Dollar bot, um Platz zu machen, prallte an Cinkara ab: „Ich boxe lieber umsonst für meinen Traum.“

Der Champion ist der klare Favorit. Opetaia gilt als das kompletteste Cruisergewicht der Gegenwart – schnell, hart, präzise, als Southpaw besonders unbequem. Doch der Außenseiter glaubt fest an seine Chance. Nicht über Punkte, das weiß auch er. „Ich muss die harten Momente treffen – und zwar als Erster.“ Sein Stil ist dafür gemacht: tiefe Deckung, explosive Konter, gefährliches Timing. Xhoxhaj erlebte das bereits schmerzhaft.

Opetaia seinerseits warnt vor Überheblichkeit. Der Kampf ist Pflicht, aber kein Spaziergang. Ein Fehler – und Cinkara könnte seinen Traum mit einem einzigen Treffer verwirklichen. Deshalb glauben manche Experten an die KO-Garantie: Beide Männer können hart schlagen, beide stehen unter Druck, beide haben etwas zu beweisen – nur auf unterschiedlichen Ebenen. „Bei uns sagt man: Eine Schlacht ist für Türken wie ein Fest“, sagt Cinkara mit einem Lächeln. „Und Samstag wird ein Fest.“

Text von Robin Josten