Deutschlands Box-Star Agit Kabayel und DFB-Stürmer Deniz Undav verbinden nicht nur ihre kurdischen Wurzeln, sondern auch außergewöhnliche sportliche Qualitäten.

Während WBC-Interims-Champ Agit Kabayel weiterhin auf ein „Go“ zu seinem geplanten WM-Kampf gegen Oleksandr Usyk wartet, drückt er zu Hause seinem Kumpel Deniz Undav bei der Fußball-Weltmeisterschaft die Daumen. „Wenn ich ein paar Wochen mal weg bin, will ich immer wieder nach Hause, nach Wattenscheid“, sagt der „Leberking“ aus dem Revier. Dort fiebert Kabayel aktuell mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, die bei der WM am Donnerstag ihr letztes Vorrundenspiel gegen Ecuador (22 Uhr MESZ) bestreitet.
Vor allem sein Buddy Deniz Undav hat großen Anteil daran, dass die DFB-Elf beim Turnier in den USA, Mexiko und Kanada vorzeitig die K.o.-Phase erreicht hat. Deutschlands neuer „Bomber der Nation“, dem bei der WM bislang drei Treffer sowie zwei Torvorlagen gelangen, hat wie Kabayel kurdische Wurzeln. „Das macht einen schon sehr stolz, wenn man sieht, dass er solche Leistungen bringt“, verrät der Schwergewichtsboxer gegenüber „ntv Sport“.
„Deniz legt jetzt vor“
„Wir haben die gleiche Herkunft, sind Migrationskinder, beide Kurden, die Deutschland repräsentieren“, sagt Kabayel gegenüber dem Nachrichtenportal. Außerdem freue es ihn, dass man hierzulande wieder auf einem guten Weg sei, was Integration betrifft – „und dass gewisse Themen auch mal anerkannt werden. Deniz legt jetzt vor, denn der Fußball hat natürlich eine enorme Reichweite“.
Undav legt mit der DFB-Elf vor, Kabayel will nachziehen, und das möglichst bald. Als Interims-Weltmeister des WBC und Nummer eins der Rangliste steht ihm ein WM-Kampf gegen Champion Oleksandr Usyk längst zu. Bis zum 30. Juni muss sich der Ukrainer entscheiden, ob er den Kampf annimmt. Sollte bis dahin keine Einigung bei den Verhandlungen erzielt werden, wird der Kampf versteigert (Purse Bid).
„Wir sind Deutschland dankbar“
Am liebsten wäre Kabayel natürlich ein Kampf gegen Usyk. Aber wenn dieser nicht wolle, „dann muss der Interims-Weltmeister eigentlich zum vollwertigen Weltmeister hochgestuft werden“, betont Deutschlands unbesiegter Box-Held. Damit wäre der 33-Jährige dann der langersehnte Nachfolger von Max Schmeling, der von 1930 bis 1932 als bislang einziger deutscher Champion im Schwergewicht regierte.
Ob Weltmeister oder (noch) nicht – derzeit bereiten Agit Kabayel und Deniz Undav ihren Fans viel Freude. „Es ist doch einfach schön. Wir sind perfekte Beispiele für Integration“, erklärt der Leberking. „Ich denke, ich kann auch für Deniz reden, wenn ich sage: Wir sind Deutschland extrem dankbar.“ Letztlich zeigen die Beispiele Kabayel und Undav, dass der Sport immer wieder beispielhaft in Sachen Integration vorangeht. Und zwar „völlig egal, welche Herkunft man hat“, wie der Boxprofi betont.
Hoffnung auf eine Doppel-WM
Wenn Undav mit der Nationalmannschaft am Donnerstag (25. Juni) bei der WM auf Ecuador trifft, wird Kabayel seinem Buddy wieder fest die Daumen drücken. Was Deniz als Fußballer auszeichnet? „Er macht nicht viel Schnickschnack, ist einfach ein sehr guter Stürmer. Deniz kann sich gut fallenlassen, um auch mal Bälle aus dem Mittelfeld zu holen.“ Was er tue, mache er perfekt. Überragendes Stellungsspiel, den Ball halten, wenn es nötig ist, „und natürlich Annahme und Abschluss“. Bleibt nur noch eins: „Wir hoffen, dass wir dieses Jahr eine Doppel-WM feiern: Agit Kabayel, Weltmeister im Schwergewicht und Deutschland Weltmeister im Fußball.“
Text: Frank Schwantes