Statt weiter auf Benavidez zu warten, boxt Noel Mikaelian gegen Jai Opetaia – und stellt sich damit einem der gefährlichsten Boxer der Welt. Allerdings riskiert er auch Ärger mit dem WBC.

Noel Mikaelian hat offenbar genug vom Warten. Eigentlich hatte der WBC-Weltmeister im Cruisergewicht einem Titelvereinigungskampf gegen David Benavidez zugestimmt. Doch nach mehr als zwei Monaten ohne konkrete Vertragsunterlagen oder ein offizielles Angebot hat sich der 35-Jährige nun für einen anderen großen Kampf entschieden: Mikaelian wird am 12. September in der T-Mobile Arena in Las Vegas gegen Jai Opetaia antreten.
Das Duell ist als Zwölf-Runden-Kampf angesetzt und soll als Co-Main-Event vor dem Aufeinandertreffen zwischen Ryan Garcia und Conor Benn stattfinden. Mikaelian trifft dabei auf einen der gefährlichsten Männer der Gewichtsklasse: Opetaia ist ungeschlagen, wird von „The Ring“ als Champion geführt und gilt als technisch starker, beweglicher Southpaw mit hoher Schlagkraft.
Gegenüber „The Ring“ erklärte Mikaelian, warum er nicht weiter auf den Benavidez-Kampf warten wollte. Er habe dem Duell sofort zugestimmt, danach seien aber mehr als 60 Tage vergangen, ohne dass er einen Vertrag erhalten habe. „Ich muss meinen Lebensunterhalt verdienen. Ich muss kämpfen. Ich muss Karriere machen. Ich kann nicht ewig warten“, sagte Mikaelian.
Ärger mit dem WBC?
Brisant ist die Entscheidung auch deshalb, weil Mikaelian von der WBC eigentlich zum Kampf gegen Benavidez verpflichtet worden war. Benavidez hält die WBA- und WBO-Titel im Cruisergewicht und ist zudem WBC-Weltmeister im Halbschwergewicht. Mikaelian wiederum vertritt die Auffassung, dass ihm zunächst eine freiwillige Titelverteidigung zustehe – und genau diese will er nun gegen Opetaia bestreiten. Ob die WBC das akzeptiert, ist offen. Im Raum steht sogar, dass Mikaelian wegen des Opetaia-Kampfes seinen WBC-Titel verlieren könnte.
Ganz vom Tisch ist der Benavidez-Fight aus Sicht des Armeniers dennoch nicht. Mikaelian betonte, der Sieger aus dem Duell mit Opetaia könne anschließend im Dezember oder Januar gegen Benavidez antreten. Der Kampf sei also nicht geplatzt – er könne nur nicht ein ganzes Jahr auf Benavidez warten.
Sportlich erwartet Mikaelian gegen Opetaia eine anspruchsvolle Aufgabe. Der Australier ist ungeschlagen, bezwang Mairis Briedis zweimal und verteidigte zuletzt den Ring-Titel gegen Brandon Glanton. Mikaelian zeigte entsprechend Respekt: Opetaia sei ein „sehr guter Fighter“, technisch stark, beweglich, jung, ehrgeizig und gefährlich.
Für Mikaelian ist der Kampf in Las Vegas damit mehr als nur eine Alternative. Es ist ein Champion-Duell mit Risiko, sportlicher Brisanz und möglichen Folgen am grünen Tisch. Während Benavidez weiter als Option im Hintergrund bleibt, richtet sich der Fokus des WBC-Champions nun voll auf Opetaia – und auf die Chance, seine Stellung im Cruisergewicht eindrucksvoll zu untermauern.
Text von Robin Josten