K.o. beim Homecoming – Kabayel stoppt Knyba

Vor 13.000 Fans stoppt Kabayel den ungeschlagenen Damian Knyba und verteidigt seinen WBC-Interimstitel eindrucksvoll.

Agit Kabayel hat seinen Status als WBC-Interims-Champ eindrucksvoll verteidigt und will jetzt endlich den vollwertigen Gürtel! (Foto: Torsten Helmke)

Agit Kabayel hat sein lang erwartetes Homecoming eindrucksvoll vergoldet. Vor 13.000 Zuschauern in der ausverkauften Rudolf Weber Arena in Oberhausen verteidigte der Bochumer seinen WBC-Interims-WM-Titel mit einem vorzeitigen Sieg gegen den zuvor ungeschlagenen Polen Damian Knyba.

Der Kampf begann für Kabayel allerdings mit einem kleinen Schockmoment. In der ersten Runde zog er sich einen Cut am rechten Auge zu. Zudem hatte er anfangs Probleme, die enorme Reichweite des 2,03 Meter großen Knyba zu überwinden. Der Pole nutzte seine langen Hände geschickt, hielt Kabayel auf Distanz und setzte vereinzelt Akzente.

Auf der Pressekonferenz verriet Kabayel, dass er insbesondere mit der unglaublich lauten Atmosphäre im Stadion zu kämpfen hatte. „Das ist für mich eine ganz neue Situation. Ich habe zuletzt vor zweieinhalb Jahren in Deutschland geboxt, vor 3.500 Zuschauern. Jetzt vor so einer Kulisse zu kämpfen – da war ich ein wenig eingefroren. In der ersten Runde war ich einfach nicht komplett da und von den Zuschauern abgelenkt. Die Stimmung … einfach unbeschreiblich.“

In Runde eins konnte Knyba seine Größenvorteile noch ausspielen und stellte Kabayel vor Probleme. (Foto: Torsten Helmke)

In der Pause habe sein Coach Sükrü Aksu ihn dann aber „zurückgeholt“. Auf BOXSPORT-Nachfrage, was er denn genau zu Kabayel gesagt hat, antwortete Aksu: „Du bist ein Weltboxer. Lass dich von der Kulisse nicht durcheinanderbringen. Knyba ist nicht unser Niveau. Wenn du ihn nicht wegfegst, brauchen wir nicht über Usyk zu sprechen.“ Anscheinend hatte sein Schützling genau zugehört, denn danach begann die Kabayel-Show. „Ab Runde zwei habe ich alles andere ausgeblendet und meinen Fokus gefunden“, so der Bochumer.

Statement-K.o. in Runde drei

Kabayel erhöhte konstant den Druck, arbeitete sich immer wieder entschlossen in den Infight und traf nun häufiger mit harten Händen. Spätestens im dritten Durchgang kippte das Duell endgültig. Ein erster Wirkungstreffer brachte Knyba ins Wanken, wenig später öffnete sich auch bei ihm ein Cut. Der Deutsche variierte clever zwischen Kopf- und Körpertreffern, riss die Deckung seines Gegners auf und setzte nach.

Knyba taumelte mehrfach angeschlagen durch den Ring, bis der Ringrichter nach einer weiteren Schlagserie zum Kopf eingriff und den Kampf noch in der dritten Runde abbrach – ein Abbruch, der im Nachgang zwar diskutiert wurde, aber Kabayels Überlegenheit ab der zweiten Runde widerspiegelte. Für Regina Halmich zum Beispiel war der Abbruch „zu früh“. Die Box-Queen hätte sich gewünscht, dass Agit den Kampf in Runde vier oder fünf mit einem „richtigen Knockout“ beendet. So habe der Sieg einen kleinen Beigeschmack.

Ab der zweiten Runde gab es für Kabayel nur noch den Vorwärtsgang. (Foto: Torsten Helmke)

Dennoch: Mit dem TKO-Sieg sendet Kabayel ein weiteres Signal an die Weltspitze. Bereits während des Ring-Interviews schallte nur ein Name durch das Stadion: der von WBC- IBF- und WBA-Super-Champ Oleksandr Usyk. Und auch auf der Pressekonferenz hatte Kabayel eine klare Meinung, wer sein nächster Gegner werden muss. „Ich habe drei Boxer von absolutem Weltformat besiegt. Makhmudov, Sanchez, Zhang. Und jetzt noch den ungeschlagenen Knyba. Kein Disrespect gegenüber Yoka, Okolie (die beide Ringside saßen) und Co., aber habe ich den Kampf gegen Usyk nicht verdient?“ Auch schon vor dem heutigen Abend gab es darauf eigentlich nur eine Antwort: Ja.

Bleibt die Frage, ob das WBC das genauso sieht. Sollte der Verband seinen Regularien folgen, muss ein WM-Kampf gegen Oleksandr Usyk nun in greifbarer Nähe sein. Das bestätigte auch sein Manager Spencer Brown. Aber auch der Name von WBO-Champ Fabio Wardley fiel. Für Kabayel auch eine Option, wie er verriet. „Den Kampf würde ich auch sofort machen.“ Und dann sorgte er zum Abschluss noch für einen Schmunzler: „Schickt mir einfach Datum und Location. Ich bin bereit!“

Text von Robin Josten

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