Bönte: „Agit wäre der Letzte, der Nein sagen würde” | BOXSPORT

Bönte: „Agit wäre der Letzte, der Nein sagen würde”

Usyk, Wardley oder ein ganz anderer: Wer wird Kabayels nächster Gegner? Und: Wie und wann kann der „Leberking“ zu einem Top- bzw. WM-Kampf kommen? Experte Bernd Bönte analysiert in BOXSPORT die verzwickte Lage.

Der Schwergewichts-Experte Bernd Bönte (l.) arbeitete fast zwei Jahrzehnte als Manager, begleitete insbesondere die Karrieren von Vitali und Wladimir Klitschko. Seit 2025 ist er als Berater und Kommentator tätig, u.a. für den Sport-Streamingdienst DAZN. (Foto: DAZN)

Hallo Bernd, WBC-Weltmeister Oleksandr Usyk hat seine drei letzten Wunschgegner genannt: Kickboxer Rico Verhoeven, den Sieger aus Wardley vs. Dubois sowie einen dritten Fight gegen Tyson Fury. Was bedeutet das für WBC-Interims-Champion Agit Kabayel?

Für Agit Kabayel sind das erst einmal keine guten Nachrichten. Aus meiner Sicht hätte er den Kampf gegen Usyk sportlich als Erster verdient. Aber Usyk plant zum Ende seiner Karriere verständlicherweise die lukrativsten Optionen – und genau das sind offenbar die Gegner, die er jetzt genannt hat. Aus Agits Sicht kann man nur hoffen, dass Wardley gegen Dubois gewinnt. Ein dritter Kampf Usyk vs. Dubois wäre nach den beiden klaren K.o.-Niederlagen von Dubois selbst dann, wenn es um den Undisputed-Status ginge, kaum vermarktbar.

Meine Hoffnung ist deshalb, dass die WBC nach der nun genehmigten freiwilligen Titelverteidigung Usyks gegen Rico Verhoeven anschließend den Kampf gegen Agit durchsetzt. Das Problem ist nur: In den WBC-Regeln steht oft die allgemeine Formulierung „nach eigenem Ermessen“ – und das macht es schwer, etwas juristisch durchzusetzen. 

Trotzdem hoffe ich weiter, dass Agit zu seinem WM-Kampf kommt. Und falls Usyk diesen Weg doch nicht geht und die WBC entscheidet, dass Agit Weltmeister wird oder um den vakanten Titel etwa gegen Lawrence Okolie oder Tony Yoka boxen soll, wäre das natürlich ebenfalls ­eine hervorragende Lösung. Entscheidend ist am Ende nur eines: Agit muss jetzt den WM-Kampf bekommen – auf welchem Weg auch immer.

Hast du das Gefühl, dass die WBC Usyks „Wunschliste“ unterstützen wird?

Nach meinen Erfahrungen mit der WBC ist tatsächlich alles möglich. Wenn der Verband schon einen Kampf gegen Verhoeven als freiwillige Titelverteidigung sanktioniert – eigentlich absolut unfassbar –, dann zeigt das, wie groß ihr Ermessensspielraum ist. Dahinter steht aus meiner Sicht vor allem das Geschäftsmodell: Wo Geld zu verdienen ist und hohe Sanctioning Fees möglich sind, ist die WBC erfahrungsgemäß gerne dabei. Für den Verband ist es ja auch durchaus lukrativ, weil er auf Usyks Seite die Sanctioning Fees kassiert und parallel auch beim Interims-Champion Agit Kabayel. 

Dazu kommt noch die Situation nach Ende des WBO-WM-Fights Wardley vs. Dubois. Wenn Usyk dann sagt, er wolle den Sieger boxen, wäre das ein erneuter Undisputed-Fight – und so ein Kampf hätte theoretisch sogar Vorrang vor einer Pflichtverteidigung.

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